Ermittlungen im Dieselskandal auch gegen Porsche

Verkaufsrekord bei Porsche

Im Dieselskandal ermittelt die deutsche Justiz nun auch gegen die VW-Tochter Porsche. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilte am Montag mit, sie habe ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Mitarbeiter des Automobilherstellers und eines US-Tochterunternehmens eingeleitet. Es bestehe wegen einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an Diesel-Pkw von Porsche der Anfangsverdacht des Betrugs und der strafbaren Werbung.

Nähere Angaben machte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht. Porsche baut selbst keine Dieselmotoren, sondern kauft sie von der VW-Tochter Audi zu, wie ein Porsche-Sprecher in Stuttgart sagte. Diesel-Autos seien nicht das Kerngeschäft.

Der Anteil von Diesel-Modellen betrage "über alle Fahrzeuge und Märkte" nur 16 Prozent, in Deutschland 36 Prozent. Audi-Dieselmotoren sind in Versionen des Cayenne, des Panamera und des Macan verbaut.

Die Staatsanwaltschaft München hatte in der vergangenen Woche einen ehemaligen Manager der VW-Tochter Audi festnehmen lassen. Ihm sowie mehreren anderen Beschuldigten werden Betrug und unlautere Werbung vorgeworfen. Laut Medienberichten ist der Festgenommene ein Motorenentwickler namens Giovanni P., der Mitarbeiter zum Einsatz von Schummel-Software angewiesen habe. Sein Anwalt sagte der "Süddeutschen Zeitung", P. wolle aussagen.

Porsche erklärte am Montag, das Unternehmen nehme die Prüfungen der Staatsanwaltschaft ernst und werde alles dafür tun, um die Angelegenheit vollumfänglich und schnellstmöglich aufzuklären. "Unabhängig von der jetzigen Entscheidung der Staatsanwaltschaft hat Porsche schon zuvor das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart gesucht und gefunden, steht mit ihr im Austausch und unterstützt die Ermittlungen in jeder Hinsicht."

Volkswagen, der Mutterkonzern von Porsche und Audi, hatte im September 2015 erst auf Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in elf Millionen Dieselautos verschiedener Marken die illegale Software eingebaut zu haben, welche die Testwerte nach unten manipulierte. Auch Modelle von Audi und Porsche waren betroffen. In den USA bekannte sich VW formell des Betrugs bei den Abgaswerten von Dieselfahrzeugen schuldig und zahlte Strafen sowie Entschädigungen für betroffene Kunden.

In Deutschland ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen Verantwortliche des VW-Konzerns wegen Verdachts auf Betrug. Zudem gibt es zahlreiche Klagen von Autobesitzern und Ermittlungen wegen Marktmanipulation, bei denen es darum geht, ob VW zu spät über den Dieselskandal und die möglichen finanziellen Folgen informiert hat.