Ermittlungen gegen türkische Mediziner wegen Kritik an Afrin-Offensive

Ein türkischer Ärzteverband ist wegen seiner Kritik am Vorgehen Ankaras gegen die syrischen Kurden in Afrin ins Visier der Justiz geraten: Die Staatsanwaltschaft in Ankara leitete am Montag Ermittlungen gegen elf Mitglieder des Zentralrats der Türkischen Medizinischen Vereinigung (TTB) ein, wie die Zeitung "Hürriyet" berichtete. Zuvor hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan den Verband scharf attackiert.

Die TTB hatte am Mittwoch in einer Erklärung "Krieg als von Menschen gemachtes Problem der öffentlichen Gesundheit" bezeichnet und gewarnt, Konflikte führten zu "irreparablen Problemen". Erdogan kritisierte die Erklärung in einer Rede am Freitag als "unehrenhaft" und bezeichnete die Unterzeichner als "Terroristen-Liebhaber". Die TTB beklagte daraufhin, dass es eine Vielzahl an Drohungen gegen sie gegeben habe.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Montag, dass nach einer Beschwerde des Innenministeriums Ermittlungen gegen den Verband eingeleitet worden seien. Medienberichten zufolge warf das Innenministerium der Ärztevereinigung vor, sie habe "das Vorgehen einer Terrororganisation als legitim" dargestellt, Verbrechen verherrlicht und "Hass und Feindschaft" geschürt.

Die türkische Armee geht seit zehn Tagen in Afrin gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) vor, da diese eng mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden sind, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Proteste gegen die Offensive werden in der Türkei nicht geduldet, zudem wurden seither mehr als 300 Menschen unter dem Vorwurf der Verbreitung von "Terrorpropaganda" in sozialen Medien festgenommen.