Ermittler in den USA und Europa schließen zwei große "Darknet"-Plattformen

Polizei brachte Situation schnell unter Kontrolle

Fahnder in den USA und Europa haben zwei große Online-Plattformen für den Handel mit Drogen, gehackten Daten und Waffen im sogenannten Darknet geschlossen. Wie US-Justizminister Jeff Sessions und Europol-Chef Bob Wainwright am Donnerstag mitteilten, waren auf den Websites AlphaBay und Hansa-Market im versteckten Teil des Internets, der über normale Suchmaschinen nicht zugänglich ist, tausende Händler weltweit mit mehr als 200.000 Kunden verbunden.

Die mutmaßlichen Betreiber der Website Hansa-Market sind nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main in Deutschland in Untersuchungshaft.

Das Vorgehen der Behörden sei ein klares Signal an die Betreiber und Interessenten, dass sie "entdeckt werden, ihre Organisationen und Netzwerke zerschlagen werden und wir sie strafverfolgen", sagte Sessions. "Sie sind nicht sicher, Sie können nichts verbergen."

Ähnlich äußerte sich Europol-Chef Bob Wainwright, der die Schließung des Portals Hansa als Ergebnis eines "verbesserten" und "konzertierten" Vorgehens der Ermittlungsbehörden im Kampf gegen Darknet-Kriminalität würdigte. Die Ermittlungen hätten zur Identifizierung dutzender Krimineller in Bereich der organisierten Kriminalität geführt. In 37 Ländern hätte die Strafverfolgung eingesetzt.

Den Behörden zufolge wurden im Zuge der Schließung der beiden Portale Millionen Dollar an Internet-Währung beschlagnahmt. Internet-Währungen wie Bitcoin erlauben Online-Transaktionen unter Anonymität von Käufern und Verkäufern.

Auf den beiden Plattformen wurde demnach unter anderem mit harten Drogen wie Fentanyl gehandelt. Das Opioid wird medizinisch bei der Behandlung schwerer Schmerzen eingesetzt. Es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Es wird aber auch von Drogensüchtigen konsumiert und kann bei Missbrauch tödlich wirken.

Auf Hansa-Market wurden zudem laut deutschen Ermittlern Falschgeld, gefälschte Dokumente sowie ausgespähte Kreditkartendaten und Kundenkonten angeboten.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main teilte am Abend mit, Anfang Juli sei im Zusammenhang mit Hansa-Market ein Haftbefehl gegen einen 31-Jährigen aus Köln und einen 30-Jährigen aus dem Landkreis Siegen-Wittgenstein erlassen worden. Beide Beschuldigen sind demnach seit 21. Juni 2016 in Untersuchungshaft. Sie gelten als Betreiber der Plattform und stünden zudem im Verdacht, das illegale Portal LuL.to zum Verkauf urheberrechtlich geschützter Medien betrieben zu haben.

Bei Durchsuchungen der Wohnungen der beiden Verdächtigen seien "zahlreiche Beweismittel, insbesondere Computer und Datenträger, sichergestellt" worden, hieß es in der Erklärung weiter. Niederländische Fahnder hätten nach den Festnahmen den Darknet-Marktplatz Hansa für verdeckte Ermittlungen genutzt, die in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt zur Abschaltung der Plattform am Donnerstag geführt hätten.

AlphaBay wurde bereits vor drei Wochen abgeschaltet. Damals habe das Portal rund eine Viertelmillion Angebote und Nachfragen für illegale Drogen und rund 100.000 Angebote für Waffen, gefälschte Dokumente und Waren und Computer-Schadprogramme verzeichnet, teilte das US-Justizministerium mit. Das Portal gilt als zehnmal größer als das 2013 geschlossene bekanntere Portal Silk Road.

Am 5. Juli wurde der mutmaßliche AlphaBay-Betreiber, der Kanadier Alexander Cazes, in Thailand festgenommen. Cazes wurde diese Woche tot in seiner Zelle gefunden, laut thailändischer Polizei beging er Suizid. Große Teile des Vermögens, das Cazes und seine Ehefrau in vier Ländern angehäuft hatten, darunter Geld, Luxusautos und Häuser sowie ein Hotel in Thailand, wurden beschlagnahmt.