Deniz Yücel hat Deutschland schon wieder verlassen

Yücel vor seiner Wohnung in Istanbul

Der am Freitag aus türkischer Haft entlassene "Welt"-Journalist Deniz Yücel hat Deutschland bereits wieder verlassen. Über den Kurzbotschaftendienst Twitter teilte er am Samstagnachmittag mit: "Ich bin nicht in Deutschland. Aber ich bin unter Freunden." Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte auf der Münchner Sicherheitskonferenz, mit der Freilassung Yücels sei "ein großes Hindernis" für die Weiterentwicklung der Beziehungen zur Türkei überwunden worden.

Yücel veröffentlichte in seiner Twitter-Botschaft ein Foto, das ihn neben seiner Frau Dilek Mayatürk Yücel und mit acht weiteren Menschen auf einer Wiese zeigt. Der deutsch-türkische Journalist hatte ein Jahr ohne Anklage im Gefängnis gesessen. Am Freitag ordnete ein Gericht seine Freilassung an. Bereits wenige Stunden später verließ er mit seiner Frau per Flugzeug die Türkei und landete am späten Abend in Berlin.

In einer Videobotschaft dankte Yücel am Freitagabend allen, die während der Haft an seiner Seite standen. Er wisse bis heute nicht, warum er verhaftet und "als Geisel genommen" worden sei, sagte der deutsch-türkische Journalist. "Und ich weiß auch nicht, warum ich heute freigelassen wurde." Die türkische Staatsanwaltschaft fordert für ihn 18 Jahre Haft wegen "Volksverhetzung" und "Terrorpropaganda".

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt schrieb am Samstag auf Twitter angesichts der Vielzahl von Anfragen: "Deniz geht es gut, er genießt sein Leben in Freiheit, wir lassen ihn in Ruhe."

Gabriel verwies am Samstag in München erneut auf die fünf Deutschen, die weiterhin aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert sind. Mit Ankara gebe es hinsichtlich der Werte in der Tat weiterhin "große Meinungsverschiedenheiten". Allerdings sei die Türkei ein "großer und wichtiger Nachbar" und ein einflussreiches Land in der Region.

Nun müsse man das "Momentum nutzen", um alle Gesprächsformate wiederzubeleben, betonte der amtierende Außenminister. "Ohne das Gespräch mit der türkischen Seite wüsste ich nicht, wie wir vorankommen können."

Auch Außenamts-Staatsminister Michael Roth (SPD) sagte mit Blick auf die anderen aus politischen Gründen inhaftierten Deutschen, das Gespräch mit der türkischen Seite müsse fortgesetzt werden. Es sei die "oberste Pflicht" des Auswärtigen Amts, "dafür zu sorgen, dass wir unseren Bürgerinnen und Bürgern helfen, und dass wir auch der Rechtsstaatlichkeit und den Menschenrechten zum Durchbruch verhelfen", sagte Roth im RBB-Inforadio.

Gabriel betonte am Freitagabend in den ARD-"Tagesthemen", die Türkei habe keine Gegenleistung für Yücels Freilassung erhalten: "Es gibt keinen Deal, weder einen schmutzigen noch einen sauberen." Ankara habe "nichts verlangt und hätte auch nichts bekommen können".

Mahnende Worte kamen von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU). Es seien längst nicht alle Probleme ausgeräumt, sagte Kauder der "Rheinischen Post". "Wir betrachten die Lage der Menschenrechte und insbesondere der Religionsfreiheit in der Türkei auch weiter mit Sorge."