Darum erlebt Deutschland eine Medaillen-Flut

Jonas Nohe
Die deutschen Rodler holten gleich sechs Medaillen in Pyeongchang

Nach den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi lag der deutsche Wintersport am Boden.

Gerade einmal 19 Medaillen holten die deutschen Athleten bei den Spielen in Russland, nur acht Goldmedaillen standen am Ende zu Buche.

Weniger Edelmetall hatte Deutschland zuletzt 1968 in Grenoble geholt, als es gerade einmal 35 Medaillenentscheidungen gab. Und das, obwohl das olympische Programm vor Sotschi noch einmal von 86 auf 98 Wettbewerbe aufgebläht worden war.(SERVICE: Der Zeitplan bei Olympia)

Schon neun Mal Gold für Deutschland

Vier Jahre später sieht auf einmal alles ganz anders aus.

Nach erst einer Wettkampfwoche haben die deutschen Starter in Pyeongchang schon mehr Goldmedaillen geholt als bei den gesamten Spielen 2014.


Neun Mal stand Schwarz-Rot-Gold ganz oben auf dem Podest: Zwei Mal Laura Dahlmeier sowie Arnd Peiffer im Biathlon, Skispringer Andreas Wellinger, Natalie Geisenberger, Tobias Wendl/Tobias Arlt sowie die Teamstaffel im Rodeln, Eric Frenzel in der Nordischen Kombination sowie Aljona Savchenko und Bruno Massot im Paarlauf der Eiskunstläufer.

Insbesondere die Siege von Dahlmeier und Wellinger am ersten Tag seien "sehr, sehr wichtig" gewesen, meinte Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig: "Nicht nur für die Biathleten und Skispringer, sondern für die gesamte Mannschaft. Dadurch war das ganze Team D auf Kurs."

Rodler traditionell stark - Dahlmeier dominiert

Die Gründe für den Medaillenregen sind vielfältig: Im Rodeln beispielsweise nimmt Deutschland seit Jahrzehnten eine Vorreiterrolle ein. Vier Eiskanäle mit vier unterschiedlichen Profilen, auf denen schon die Nachwuchsathleten regelmäßig trainieren, hat sonst kein Land der Welt zu bieten.(SERVICE: Der Medaillenspiegel)

Und man muss ehrlich sein: die internationale Konkurrenz ist im Rodeln nicht besonders groß.

Im Biathlon hat Deutschland dank Laura Dahlmeier wieder eine Über-Athletin, die nach dem Debakel von Sotschi ohne Frauen-Medaille die Kohlen aus dem Feuer holt.


Und dann ist den Deutschen diesmal einfach auch das Glück gewogen.

Arnd Peiffer durfte sich über Gold im Sprint freuen, weil Martin Fourcade sich gleich drei Schießfehler leistete. Andreas Wellinger war im Springen von der Normalschanze zwar der beste Springer des Tages und ein hochverdienter Sieger - in der nächtlichen Windlotterie von Pyeongchang hätte er aber auch abstürzen können.

Materialmäßig top

Die Siege von Peiffer und Wellinger haben aber nicht nur mit Glück zu tun.

Nach 2014 hat der Deutsche Skiverband in puncto Material nochmal eine Schippe draufgelegt, die deutschen Biathleten hatten im Auftaktrennen die schnellsten Ski, bei den Skispringern ist man bei Skiern und Anzügen seit mehreren Wintern führend.

Das zahlte sich abseits von Dahlmeiers Erfolgen in den vergangenen Jahren schon mit Weltmeistertiteln für Simon Schempp und Benedikt Doll im Biathlon sowie Severin Freund im Skispringen aus.

Und auf der Trainerposition setzt man auf Kontinuität. Gerald Hönig und Mark Kirchner bei den Biathleten beziehungsweise Werner Schuster bei den Skispringern betreuen die Sportler seit vielen Jahren und wissen, wie sie das letzte Quäntchen aus ihren Athleten herauskitzeln können.


Erster Tag ohne deutsche Medaille

"Die Athletinnen und Athleten haben ihre Chancen bislang in beeindruckender Art und Weise genutzt. Aber es wird möglicherweise auch den Tag geben, an dem das nicht klappt - was auch Normalität wäre", sagte daher auch Schimmelpfennig.

Am Freitag war es dann so weit: Erstmals ging in Pyeongchang ein Tag ohne deutsche Medaille zu Ende - und dennoch hat das "Team D" schon nahezu die Bilanz von 2014 erreicht.


Das Ende der Fahnenstange soll das aber noch lange nicht gewesen sein. Und so winken den deutschen Athleten in den kommenden neun Tagen gleich zwei Gold-Rekorde.

Deutscher Goldrekord

1998 in Nagano und 2002 in Salt Lake City gab es jeweils zwölf Mal Gold für Deutschland zu bejubeln.


Mit etwas Glück könnte diese Marke schon am Samstag erreicht werden: Jacqueline Lölling im Skeleton, Laura Dahlmeier im Massenstart der Biathletinnen und die deutschen Skispringer auf der Großschanze haben auf jeden Fall Siegchancen.

Internationaler Goldrekord

Die meisten Goldmedaillen überhaupt bei Olympischen Spielen sammelten die Kanadier 2010 in der Heimat bei den Spielen von Vancouver. Satte 14 Mal wurde die Flagge mit dem Ahornblatt über dem obersten Treppchen gehisst.

Auch dieser Rekord ist für das Team Deutschland in Pyeongchang absolut in Reichweite: Schließlich darf in der kommenden Woche unter anderem in den Bob-Wettbewerben, bei den Biathlon-Staffeln, im Teamspringen von der Großschanze und bei den verbleibenden Wettbewerben der Kombinierer mit weiterem Edelmetall gerechnet werden.