Erlaubte und verbotene Nacktheit: Facebook ändert Richtlinie auf Instagram

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 3 Min.

Facebook passt seine Gemeinschaftsrichtlinien an die Vorstellungen seines Aufsichtsorgans Oversight Board an. Zu den Änderungen zählt auch der neue Umgang mit Nacktheit auf Instagram.

London, UK - 03 17 2019: Social media icons printed and placed on computer keyboard applications Facebook, Twitter, Instagram, Youtube, Pinterest, Snapchat etc.
Symbolbild: Getty Images

Vor einem Monat veröffentlichte Facebooks internes Aufsichtsgremium Oversight Board seine Ansichten zu einem besseren Umgang des sozialen Netzwerks mit Nutzer-Beiträgen. Nun hat der Konzern bekanntgegeben, inwieweit er die Empfehlungen des Organs umzusetzen bereit ist. Zu den Änderungen gehört auch ein neuer Leitfaden für die Darstellung von Nacktheit auf der Plattform der Tochterfirma Instagram.

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Facebook hat klare Vorstellungen davon, welche Formen von Nacktheit auf seinen sozialen Netzwerken gestattet sind, und wann bei den Moderatoren die Alarmglocken läuten sollten. Erlaubt ist demzufolge eine "gesundheitsbezogene Nacktheit", wie der Konzern in einer gestern veröffentlichten Stellungnahme mitteilte. Nacktheit jenseits dieses Zusammenhangs droht dagegen gemaßregelt zu werden. Was genau heißt das?

Erlaubte und verbotene Nacktheit

In den Gemeinschaftsrichtlinien von Instagram geht Facebook ins Detail. Zu den "gesundheitsbezogenen Kontexten", so eine weitere Formulierung des Konzerns, gehören zum Beispiel das Stillen eines Babys und die "Momente nach einer Entbindung". Kommen in solchen Situationen auf Fotos oder Videos etwa "unbedeckte weibliche Brustwarzen" zum Vorschein, dann ist das unbedenklich.

In die gleiche Kategorie gehören auch Darstellungen von Situationen "nach einer Brustamputation" oder solche, die der "Sensibilisierung für Brustkrebs oder einer geschlechtsangleichenden Operation" dienen. Nicht zuletzt gestattet Instagram "Nacktheit auf Fotos von Gemälden und Skulpturen".

Young woman covering face with hands with flowers and plasters, concept photo for feminist or beauty blog. High quality photo
Nackt ist nicht gleich Nackt. Deswegen gibt es bei Facebook erlaubte und verbotene Nacktheit. (Symbolbild:Getty Images)

Hat die Nacktheit keinen Gesundheitsbezug, ist sie für Facebook ein Tabuthema. Dann sind auf Instagram Fotos, Videos und digital erstellte Inhalte nicht zulässig, "auf denen Geschlechtsverkehr, Genitalien und Nahaufnahmen nackter Gesäße zu sehen sind". Die Gründe dafür seien verschieden, heißt es.

Der "Sicherheit" dient hingegen der Umstand, dass die Moderatoren des sozialen Netzwerks gegebenenfalls auch Bilder entfernen könnten, auf denen "nackte oder halbnackte Kinder" zu sehen sind. Denn: "Auch wenn solche Inhalte in guter Absicht geteilt werden, könnten sie von anderen Personen auf unerwartete und unerwünschte Weise verwendet werden."

Was ist und tut das Oversight Board?

Der Oversight Board von Facebook veröffentlichte Ende Januar 17 Empfehlungen, wie das soziale Netzwerk besser Nutzerbeiträge moderieren sollte. Dazu zählen neben der Anpassung der Nacktheitspolitik von Instagram an die Standards von Facebook auch ein "klarer und transparenter" Umgang mit Falschinformationen zu gesundheitsbezogenen Themen, insbesondere zu COVID-19, sowie eine deutliche Kennzeichnung "gefährlicher" Individuen und Organisationen in Form einer Auflistung.

Bei elf Vorschlägen sieht sich Facebook eigenen Angaben zufolge in der Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen. Fünf Empfehlungen würden derzeit auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. Einen Vorschlag will der Konzern nicht umsetzen. Die Aufsichtsbehörde empfiehlt, dass Facebook "weniger aufdringliche Maßnahmen" ergreift, wenn Nutzer fragwürdige Informationen über COVID-19-Behandlungen veröffentlichen. Der Betreiber findet, es sei richtig, die Fehlinformationen zu beseitigen. Sie könnten andernfalls zu "Schäden" führen.

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Facebook hat seine interne Aufsichtsbehörde im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Die ersten 20 Mitglieder stellte der Konzern im Mai vor. Zu den Aufgaben des Gremiums gehört es zu entscheiden, ob das soziale Netzwerk einzelne Inhalte oder Konten zu Recht oder zu Unrecht gelöscht oder gesperrt hat. Das Organ sieht sich in der Verantwortung, "einige der schwierigsten Fragen im Bereich freie Meinungsäußerung im Internet zu beantworten", wie es auf seiner Webseite heißt. Die Mitglieder setzen sich aus "externen Experten" mit "verschiedensten kulturellen Hintergründen" zusammen, darunter ehemalige Politiker, Journalisten, Rechts- und Sozialwissenschaftler, Juristen und Menschenrechtler.

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