„Erkenne Deinen Marktwert und verkaufe Dich nie unter Wert“

Vera Schneevoigt ist eine der wenigen Frauen in Spitzenpositionen bei IT-Konzernen. Sie verwaltet seit 2014 als Geschäftsführerin bei Fujitsu die Produktion und Logistik für das Produktgeschäft außerhalb Japans. Mit dem Campus Augsburg leitet sie den europaweit einzigen Entwicklungs- und Produktionsstandort eines IT-Herstellers, der als Vorreiter auf dem Weg zur „Smart Factory“ gilt und auch anderen Unternehmen als Vorbild für die digitale Transformation von Produktion und Logistik dient.

Schneevoigt berät die Landes- und Bundespolitik, wie auf politischer Ebene dem immer stärker werdenden Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitswelt begegnet werden sollte. Auch macht sie sich für die Frauenförderung stark – gerade in digitalen Berufen. Im Privatleben dominiert ein anderes Projekt.

Frau Schneevoigt, was sind Ihre Stärken?
Ich bin neugierig, sehr offen und kommunikativ und verfüge über eine positive, vorurteilsfreie Grundeinstellung. Mut und Unerschrockenheit sind auch eher mein Ding.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Mein Rolemodel war und ist mein 1900 geborener Großvater. Er hat mich immer wieder bestätigt und mir gezeigt, dass es wichtig ist, seine eigene Geschichte zu kennen, bei sich zu sein, Werte – in unserem Fall aus einer christlichen Erziehung – zu haben und stets für das, was mir wichtig ist, einzustehen und zu kämpfen. Ich war erst 15 Jahre alt, als er gestorben ist. Erst heute erfasse ich, wie wichtig sein Einfluss auf mich im Kindsein und in der Pubertät war.

Ich unterstütze meine Mitarbeiter in schwierigen Situationen, indem…?
... ich sie fordere und fördere. Ich lasse sie eigenständig arbeiten und gebe ihnen so einen Vertrauensvorschuss. Gleichzeitig ist meine Tür immer offen für alle, die meinen Rat oder meine Unterstützung brauchen. Zusätzlich versuche ich auch Agilität, Fokus, Fehlertoleranz und -kultur in unserer Zusammenarbeit zu etablieren.


Ein Nachwuchstalent oder eine Kollegin denkt: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie ihr?
Vergleiche Dich nicht mit den Anderen. Es kommt immer darauf an, wie Du selbst sein willst und was Du erreichen möchtest. Wenn Du etwas wirklich willst, dann schaffst du es auch. Höre öfter auf Dein Herz und nicht nur auf den Verstand.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…?
... Respektlosigkeit, Diskriminierung, keine Wertschätzung, angesparte Generalabrechnung, Gängelei…

Feedback ist für mich…?
... die Grundvoraussetzung, um sich selbst kritisch zu betrachten, sich weiter zu entwickeln und im Galopp der Zeit auch mal inne zu halten.

Über ihre Erfolge sollten Frauen…?
... sich freuen und sprechen. Immer und überall! Frauen sollen stolz auf ihre Leistung sein, ihre Erfolge teilen und dadurch andere Menschen insbesondere Frauen bestärken.


Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag für Gehaltsverhandlungen?
Erkenne Deinen Marktwert und verkaufe Dich nie unter Wert. Bereite Dich gut vor und gehe selbstbewusst in die Verhandlung. Beschaffe Dir Benchmarks und informiere Dich über Equal Pay – Du hast nichts zu verlieren!

Verbündete/Mentoren finde ich, indem….?
... ich Networking betreibe und sehr aktiv die sozialen Medien nutze. Mein von meinem Vater ‚überlassenes‘ Interesse und Geschick für Politik hilft mir dabei auch im internationalen und interkulturellen Austausch.

In Konfliktsituationen bin ich…?
... meist ruhig, offen und sachlich. Man weiß nie, wo die Reise hingeht. Damit meine ich, dass ich mir gerne die Gegendarstellung anhöre. Bei guten Argumenten bin ich kompromissbereit, immer mit dem Gesamtziel im Fokus. Man sieht sich ja meistens mehrmals im Leben. Still und leise, selten laut, fluche ich aber auch schon mal.

Pannen sind…?
... menschlich und helfen dabei, beim nächsten Mal achtsamer zu sein und Dinge zu lernen, die ich sonst nicht erfahren hätte.


Wie gehen Sie mit Stress um?
Stress macht man sich immer selbst. Jeder ist für seine Gesundheit und sein Glück verantwortlich und sollte bei Überlastung rechtzeitig wachsam sein. Mein persönliche Balance finde ich zu Hause bei meinem Mann, unseren beiden syrischen Pflegekindern und unserem Hund Etro. Auch unsere Familien und langjährigen Freunde sind hilfreich dabei, mich zu erinnern, wer ich bin, was wichtig ist und dass es sich lohnt, die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

Nein sagen sollten Frauen zu…?
... allem, das ihre persönliche Grenze verletzt und immer dann, wenn der Instinkt Unwohlsein oder sogar Gefahr meldet.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Jeder ist seines Glückes Schmied. Wenn ich das Gefühl habe, dass mich mein Job unglücklich macht, bin ich dafür verantwortlich, diese Situation für mich zu verändern.

Anderen Chefs würde ich gerne sagen, …
... sei ein gutes Vorbild für Deine Mitarbeiter und wertschätze ihre vielfältigen Eigenschaften. Behandle sie so, wie Du selbst behandelt werden willst. Außerdem hilft immer eine Prise Humor, damit man sich selbst nicht so wichtig nimmt.

Frau Schneevoigt, vielen Dank für das Interview.