"Erkennbar besoffen": Thomas Gottschalk lästert in Joko-Show über Weltstar

Rupert Sommer
·Lesedauer: 5 Min.

Zweiter Anlauf, zweiter Volltreffer: "Wer stiehlt mir die Show?" ist Unterhaltung mit einfachsten Mitteln - und ganz großer Klasse. Auch in der zweiten ProSieben-Ausgabe brillierte Joko Winterscheidt. Und wieder zeigte sich: Bei Charme und Schlagfertigkeit ist Thomas Gottschalk nicht zu schlagen.

Um dieser harten Tage eine Spitzen-Show auf die Beine zu stellen, braucht es keine Bagger-Wetten, Kamera-Kräne im Außenbereich und vom Flughafen herbei-geshuttelte US-Superstars. Ein paar Papp-Kameraden als Publikum, unaufdringlich, aber wirkungsvoll dosierter Publikumsjubel vom Band und vor allem eine wie die "Mighty Winterscheidts" bestens eingespielte Band reichen vollkommen aus. Und natürlich benötigt man bestens aufgelegte Mitspieler wie Palina Rojinski, Elyas M'Barek, Joko Winterscheidt, dem auch das vergleichsweise seriöse Moderatoren-Jackett samt Spießerkrawatte gut steht. Der Joker, der alle aussticht: ein in großväterlicher Großartigkeit überragender Thomas Gottschalk. Schon ist der Spaß perfekt!

"Die gehören nicht ins Fernsehen": Thomas Gottschalk rechnet mit TV-"Promis" ab

Was Originalität, pfiffige Quizfragen, ungewöhnliche Ratespiel-Ideen, musikalischen Schmiss und Gute-Laune-Frotzeleien der Kandidaten angeht, fiel auch die zweite Ausgabe der neuen ProSieben-Dienstagabendshow mit dem noch etwas gewöhnungsbedürftigen Titel "Wer stiehlt mir die Show?" keineswegs von der gelungenen Premiere der Vorwoche ab. Nur das Holperige am Sendungsnamen muss man offenbar wörtlich nehmen: Bei der eigentlich kinderleichten Aufwärm-Fragerunde zu Beginn scheiterten außer Schauspielerin Palina gleich alle Spielkandidaten an der eigentlich naheliegenden Frage, wie denn nun genau diese neue Sendung, die schon sieben Tage zuvor so viel Spaß gemacht hat, eigentlich heißt.

"Wer stiehlt mir die Show" (ProSieben): Sehr leichte Fragen - von wegen!

Dabei hatte Joko Winterscheidt sichtlich Freude daran, seine drei Promis und die 30-jährige Asena aus Unterföhring, die diesmal den Part der bislang der Weltöffentlichkeit noch unbekannten Kandidatin aus dem Publikum übernahm, zu grillen. Zur Erinnerung: In der Auftaktfolge hatte sich vor allem der "Fack ju, Göhte"-Star Elyas M'Barek bei der anfänglichen Fragerunde mit dem Motto "Die leichten Fünf" arg blamiert. Später schied er damals sogar als Erster aus - eine Schmach, die ihn hart traf und die er diesmal unbedingt wieder gutmachen wollte. "Ich habe Bücher gelesen - mit vielen Buchstaben", sagte er über seine offenbar anstrengende Vorbereitungsarbeit für die zweite Show. Doch Joko stichelte weiter. Diesmal hieß die Einstiegsrunde "Die sehr leichten Fünf". Autsch!

Und tatsächlich sah zunächst alles nach einer erneuten Blamage für M'Barek aus. Er konnte etwa mit dem Begriff des zweiten grammatikalischen Falls (Genitiv!) nichts anfangen. Und ein Fußball-Kenner, wie sonst fast über 80 Millionen Mitbürger im Land, scheint er auch nicht zu sein. Allerdings konnte er sich auf einen Mentor verlassen, der dem Spiel immer dann die Spitze nahm, wenn es kurzfristig Gefahr lief, vielleicht doch ernst und verbissen zu werden. Es ist wie ein Wunder: Thomas Gottschalk hat sicher nicht auf jede Frage eine richtige Antwort - auch wenn er sein gelerntes Wissen als Beinahe-Deutschlehrer aus grauen Vorzeiten immer wieder ausspielen kann. Was ihm allerdings mühelos gelingt: einen guten Gag zu platzieren.

So hatte Joko Winterscheidt zunächst etwas spöttisch angekündigt, dass die "sehr leichten Fragen" eben beinahe jeder Erstklässler beantworten könnte. Sollte das etwa Elyas M'Barek wehtun? Als dann Erdkunde-Wissen abgefragt wurde und Gottschalk mit Canberra korrekt die australische Hauptstadt benennen konnte, verkniff der Show-Senior sich die Angeberei des Besserwissers. Stattdessen nahm sich der Gottschalk locker-flockig selbst auf den Arm. "Als ich in der ersten Klasse war, war Australien noch gar nicht entdeckt", scherzte Thommy über sich und sein zumindest für Privat-TV-Kreise fast biblisches Alter. Und die Lacher hatte er natürlich auf seiner Seite.

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Opa Thommy erzählt von früher

Später verriet der Schnell-Sprecher und Blitz-Denker auch ganz nebenbei nicht nur grandios komische "Wetten, dass ..?"-Anekdoten - etwa über einen in Gottschalks Show etwas derangierten Weltstar Peter O'Toole ("Der war erkennbar besoffen, er hat immer gewackelt"). Der weltweit bekannteste Franke legte offen, was sein noch immer sensationelles rhetorisches Geschick ausmacht: "Ich lebe ja davon, dass mir immer mehr Worte einfallen, als ich brauche", sagte Gottschalk. Und die Profis Winterscheidt, M'Barek und Rojinski nickten andächtig. Ein Meister. Und ganz ohne Star-Allüren!

Tatsächlich macht es den Charme des Mehr-Generationen-Treffens aus, dass auch in der Sendung eigentlich selbst längst etablierte Entertainment-Größen plötzlich wieder in die Kinderzeit zurückversetzt werden - einfach, weil Thomas Gottschalk damals schon groß war. Elyas M'Barek erzählte, dass "Wetten, dass ..?" in seiner Jugend das Highlight am Samstag und die einzige Sendung war, die er mit seinen Eltern sehen durfte. Viele Zuschauer dürften das ähnlich erlebt haben. "Ganz großer Fan", sagte er - und Joko Winterscheidt stimmte begeistert zu.

"Der einzige Grund, warum wir diese Sendung gemacht haben, war es, um einmal mit dir zu spielen", sagte er zu Thomas Gottschalk. Was für eine Liebeserklärung! Kein Wunder, dass der Frotzel-Franke da natürlich auch wieder einen Gag daraus machen musste - einfach, damit das alles nicht zu pathetisch klang. "Und dann werft ihr mich raus", klagte er mit gespielter Entrüstung.

Tatsächlich musste sich nach der Saal-Kandidatin Asena nämlich diesmal Thomas Gottschalk schon als Zweiter verabschieden. Palina Rojinski, die es in der ersten Sendung bis in die Finalrunde geschafft hatte, duellierte sich noch ein wenig mit Elyas M'Barek. Dann hatte der uneinholbar die Nase vorn - und die beiden jüngeren Männer bestritten den Endkampf.

Joko Winterscheidt blufft am besten

Spannend blieb der bis zum Schluss, vor allem weil Joko Winterscheidt nicht nur gut moderieren, sondern im finalen Quiz-Wettstreit mit dem Kino-Star M'Barek auch besser bluffen konnte. Letztlich gewann der Moderator zum zweiten Mal in Folge die Sendung - und behält damit auch für die dritte Ausgabe das Moderatorenamt, das laut Showkonzept die Siegprämie ist.

So richtig wichtig war das Endergebnis dann allerdings gar nicht mehr. Wichtiger ist: Thomas Gottschalk wird wiederkommen. Und auf ihn darf man sich nicht nur als Zuschauer (im ungewohnten ProSieben-Umfeld) freuen. Auch Palina, Elyas und Joko freuen sich wie die kleinen Kinder aufs nächste Mal. "Was für ein irrer Typ", jubelte der Show-Gastgeber und Gottschalk-Fan Joko Winterscheidt. "Immer noch 1000 mal schneller als jeder von uns im Kopf."

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