Erinnerungsort für Münchner Olympia-Attentat eingeweiht

Besucherin am Erinnerungsort

Im Beisein von Israels Präsident Reuven Rivlin und vieler Angehöriger der Opfer ist am Mittwoch in München der Erinnerungsort für die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 der Öffentlichkeit übergeben worden. Ankie Spitzer, Witwe des ermordeten Fechtmeisters André Spitzer und Sprecherin der Hinterbliebenen, kritisierte in der Feierstunde, dass von deutscher Seite "jahrzehntelang" der Wunsch nach einer würdigen Gedenkstätte überhört worden sei.

Bei dem von Palästinensern verübten Attentat waren am 5. September 1972 elf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft und ein bayerischer Polizist getötet worden, bei einem missglückten Befreiungsversuch der Geiseln wurden auch fünf Terroristen erschossen.

In der Feierstunde erinnerte Spitzer an das damalige Versagen der deutschen Einsatzkräfte und auch an das Versagen der Behörden nach dem Anschlag. Die deutschen Beamten seien "arrogant" und inkompetent gewesen, sagte Spitzer. Sie hätten "versucht, ihre unglaublichen Fehler zu vertuschen".

Ausdrücklich dankte die Hinterbliebenensprecherin Bayerns Regierungschef Horst Seehofer (CSU), der den Wunsch nach einem Erinnerungsort aufgegriffen und sein Versprechen dann eingehalten habe. Nun sei endlich umgesetzt worden, was die Familien den Ermordeten versprochen hätten.

An der feierlichen Einweihung des Erinnerungsorts nahmen neben Rivlin auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Seehofer teil. Rivlin kritisierte die im Westjordanland regierende Fatah scharf, diese habe noch im vergangenen Jahr die Morde als eine heroische Tat bezeichnet. "Wir dürfen dem Terror gegenüber nicht nachgeben, Terror muss angeprangert werden", sagte der israelische Präsident.

Steinmeier sagte über das Attentat: "Das hätte niemals passieren dürfen - an dieser Katastrophe tragen auch wir bis heute schwer." Auch dieses bittere Bekenntnis gehöre zur Erinnerung an diesen Tag. An Rivlin gerichtet sagte Steinmeier, die Gefahren des Terrorismus seien groß, "aber unsere Entschlossenheit ist umso größer". "Wir sind entschlossen, Demokratie und Offenheit unserer Gesellschaft, unsere Lebensart zu verteidigen."

Seehofer rief Rivlin und Steinmeier auf, sich gemeinsam gegen Antisemitismus, Radikalismus und Terror stark zu machen. "Der neue Gedenkort sollte zum Bekenntnisort für alle Besucher werden - seine unmissverständliche Botschaft lautet: Geben wir Hass und Gewalt keine Chance, machen wir uns stark gegen Antisemitismus, Terror, Hass und Gewalt."

Der damalige Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD) sagte im Bayerischen Rundfunk, das Attentat sei "eine der dunkelsten Stunden in meinem Leben" gewesen. Die Mannschaft Israels sei damals trotz der Gräueltaten des Nationalsozialismus zu den Spielen in die "Hauptstadt der Bewegung" gekommen und Deutschland sei nicht in der Lage gewesen, sie zu schützen.

Der Gedenkort trägt den Titel "Einschnitt". Dort sind die Biografien der Opfer dargestellt.