Erholung wird schwierig für Aktienmarkt: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Die meisten Investoren, Strategen und Analysten scheinen sich für das Jahr 2023 auf folgenden Konsens geeinigt zu haben: Der Weg wird kein leichter sein. In der ersten Jahreshälfte drohen weitere Schwäche und womöglich sogar ein Test der alten Tiefs, bevor es in der zweiten dann zu einer Erholung kommen sollte.

Wie vor Weihnachten hier bereits erwähnt, spricht die Statistik grundsätzlich für eine Erholung, da zwei aufeinander folgende schwache Börsenjahre eher die Ausnahme sind. Allerdings könnte diesmal die maßgebliche Unterstützung der Zentralbanken ganz ausbleiben oder erst mit deutlicher Verzögerung eintreten.

Während ein Modell der Bloomberg-Ökonomen eine 100%-Wahrscheinlichkeit für den Beginn einer Rezession im August anzeigt, preisen Geld- und Kapitalmarkt Zinssenkungen für frühestens Ende des Jahres. Gleichzeitig sagen manche, dass die Erwartungen an die Gewinne der Unternehmen weiterhin zu hoch ausfallen und sich aus der Diskrepanz zwischen Erwartung und möglicher Enttäuschung weitere kurzfristige Risiken für Aktien ergeben.

Sollte sich über die kommenden 12 Monate also tatsächlich eine Erholung materialisieren, spricht manches dafür, dass die Kursentwicklung eher den Jahren 2003 oder 2009 ähnelt. In beiden Jahren mussten Aktien zunächst nochmals heftige Verluste hinnehmen, bevor es dann sukzessive nach oben ging.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Der Essener Chemikalienhändler Brenntag hat die Gespräche über eine mögliche Übernahme des US-Konkurrenten Univar abgebrochen.

  • In Nordrhein-Westfalen sind die Verbraucherpreise im Dezember um 1% gegenüber dem Vormonat gefallen, die Inflationsrate ist wieder einstellig und sinkt auf 8,7%.

  • Fast alle Schäden an Puma-Schützenpanzer waren laut einem Rheinmetall-Sprecher “Bagatellen”. Von 18 Problempanzern führen 17 wieder.

  • Die Zahl der Wohnimmobilien-Verkäufe in Hongkong ist laut FT auf den niedrigsten Stand seit 2008 gefallen. 2023 drohe ein weiterer Einbruch um 10%.

  • Elon Musks Tesla hat im Q4 die Absatz-Erwartungen der Analysten enttäuscht, und das trotz saftiger Rabatte in den USA und China.

  • Seine Raketen-Firma SpaceX wurde in einer neuen Finanzierungsrunde mit $137 Milliarden bewertet, wie CNBC berichtet.

ANALYSEN:

  • Der bislang warme Winter senkt rapide die Befürchtungen einer globalen Erdgas-Krise.

  • Die schwache Entwicklung europäischer REITs gegenüber der Performance der Börsen insgesamt dürfte 2023 ins achte Jahr gehen.

AKTIENMÄRKTE | Die Börsen in China beginnen den Handel 2023 etwas fester, Hongkongs Hang-Seng-Index legt sogar über 2% zu. Im Verkehr zwischen der Sonderverwaltungszone und dem chinesischen Festland sollen offenbar Hochgeschwindkeitszüge von einer Deckelung ausgenommen werden, die für die Zahl der täglichen Reisenden vorgesehen ist. Für den europäischen Börsenstart signalisieren die Futures moderate Verluste, nachdem der Dax gestern mit einem Plus von knapp über 1% das neue Jahr begonnen hatte.

RENTENMÄRKTE | Europas Staatsanleihemarkt ist mit deutlichen Kursgewinnen ins Jahr 2023 gestartet. Im 10j Segment sank die Bund-Rendite um 13 Bp, bei italienischen BTP ging es sogar 15 Bp abwärts. Bundesbankchef Nagel betonte indessen in einem Interview, auch die langfristigen Inflationserwartungen seien deutlich gestiegen. Vor diesem Hintergrund seien weitere EZB-Maßnahmen nötig, um diesbezüglich gegenzusteuern. Heute werden die deutschen Verbraucherpreisdaten für Dezember vorgelegt. Volkswirte rechnen mit einer EU-harmonisierten Jahresteuerung von 10,2%, nach 11,3% im November.

ROHSTOFFMÄRKTE | Der Ölhandel ist mit leichten Verlusten ins neue Jahr gestartet. Die Nordsee-Sorte Brent notierte am Dienstag 0,3% im Minus bei reichlich $85. Am Tag vor Silvester war der Preis mehr als 4% geklettert. Ende 2021 hatte Brent knapp $78 je Barrel gekostet. Danach folgte angesichts des Ukraine-Kriegs und der westlichen Sanktionen gegen Russland ein äußerst volatiles Jahr. Die Preisspanne war mit $64 die breiteste seit 2008, bei bis dahin beispiellosen Wochenschwankungen. Gold setzt am Dienstag den Aufwärtstrend aus der Zeit “zwischen den Jahren” fort angesichts der IWF-Warnung, 2023 werde für die Weltwirtschaft wohl noch härter als das vergangene Jahr.

TERMINE AM DIENSTAG

  • Inflationsdaten Deutschland: Zunächst melden die Bundesländer, angefangen mit NRW (07:30), die nationalen Daten folgen (14:00).

  • 09:55 Deutsche Arbeitsmarktdaten Dezember.

  • In London und New York geht der Handel wieder los, in Tokio folgt noch ein weiterer Börsenfeiertag.

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