Erholung in Osteuropa hilft Erste Group


Der Vorstandschef der österreichischen Bank Erste Group ist kein Berufsoptimist. Doch Andreas Treichl strotzte bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Wien diesmal vor Zuversicht. Zwar lag das Nettoergebnis im zweiten Halbjahr trotz eines kräftigen Wachstums bei den Krediten (plus 6,7 Prozent) und eines noch stärkeren Anstiegs der Einlagen (plus 11,6 Prozent) bei nur knapp 363 Millionen Euro. Es übertraf damit aber die Erwartungen der Analysten.

Die Aktie des österreichischen Finanzinstituts, das vor allem in Osteuropa stark engagiert ist, stieg am Freitagnachmittag um 2,84 Prozent auf 36,84 Euro. Im Vorjahresquartal belief sich der Gewinn noch auf 567 Millionen Euro. Das war aber vor allem dem Verkauf eines Anteils am Kreditkartenanbieter Visa Europe zu verdanken.

Beim Abbau fauler Kredite kam das österreichische Geldhaus in Mittel- und Osteuropa gut voran. Der Anteil notleidender Kredite ist nach eigenen Angaben nach 14 Quartalen auf nunmehr 4,7 Prozent gesunken. „Dass wir nun von alle drei großen Ratingagenturen mit einem ,A‘ bewertet werden, sehen wir als Bestätigung unseres Weges“, führte Treichl aus.


Der Hauptgrund für die gute Entwicklung im ersten Halbjahr für die Erste Group liegt in der verbesserten wirtschaftlichen Entwicklung der Region zwischen Tschechien und Rumänien. Nach Einschätzung der Bank wird die Wirtschaft in den Ländern Mittel- und Osteuropas zwischen drei und fünf Prozent in diesem Jahr wachsen.

„In all unseren Ländern ist die Wirtschaftslage sehr gut“, freute sich der Chef der Erste Group. „Am gesündesten entwickelt sich die Tschechische Republik.“ Dort wächst die Wirtschaft in diesem Jahr mit 2,9 Prozent weit über den EU-Durchschnitt. Tschechien ist für die Erste Group der wichtigste Auslandsmarkt. Die tschechische Nationalbank hatte erst kürzlich nach zehnjähriger Pause den Zins um 20 Punkte angehoben. „Das hilft uns“, so Treichl. Mit nur 3,6 Prozent hat Tschechien derzeit die niedrigste Arbeitslosigkeit unter allen EU-Ländern.

Im Fall von Rumänien, dessen Wirtschaft in diesem Jahr um 5,1 Prozent wachsen soll, sprach der erfahrene Banker allerdings eine Warnung aus. „Das Wachstum in Rumänien ist konsumgetrieben“, kritisierte Treichl. Ähnlich wie rumänische Ökonomen auch rügt der Erste-Chef die großzügige Anhebung von Gehältern für Beamte und Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in dem Karpatenland durch die Regierung in Bukarest. „Wenn das Bruttoinlandsprodukt vor allem vom Konsum kommt, ist es nicht nachhaltig“, sagte Ionut Dumitru, Chairman des rumänischen Fiskalrates und Chefanalyst der Raiffeisenbank in Bukarest, zuletzt dem Handelsblatt.

Treichl macht sich wie Dumitru bereits Sorgen um das steigende Staatsdefizit in Rumänien. Nach einer Prognose überschreitet es in diesem und nächsten Jahr mit 3,4 Prozent die Maastricht-Grenze. In Rumänien liegt allerdings die Staatsverschuldung bei nur 38 Prozent. In Österreich und Kroatien zum Beispiel liegt sie bei jeweils 81 Prozent.


Mit 12,8 Prozent gemäß Basel 3 hat die harte Kernkapitalquote der Erste Group einen neuen Rekord seit der Wirtschafts- und Finanzkrise vor neun Jahren erreicht. Die Bilanzsumme der Bank erhöhte sich um knapp fünf Prozent auf 218 Milliarden Euro.

Doch nicht alles läuft rund bei der Erste Group. Steigende Kosten sind ein Problem: „Wir arbeiten intensiv daran, sie wieder zu senken“, versprach der Vorstandschef am Freitag. Die Investments in die IT und Datensicherheit sind der Auslöser für die Kostensteigerung, die das Ergebnis belastet.

Die Aktionäre sollen unterdessen von der soliden Gesamtentwicklung der Erste Group profitieren. Treichl beteuerte, ihnen eine höhere Dividende für das vergangene Jahr auszahlen zu wollen. Im vergangenen Geschäftsjahr lag die Gewinnausschüttung bei einem Euro pro Aktie.