Erfolgsmensch Löw würde zu Bayern passen

Martin van de Flierdt

Zehn Spiele, zehn Siege - Bundestrainer Joachim Löw hat mit seiner Auswahl in der WM-Qualifikation durch das 5:1 gegen Aserbaidschan das selbst gesteckte Ziel erreicht und noch einmal einen neuen Maßstab gesetzt. 

Nur Spanien kam bislang vor dem Titelgewinn 2010 mit weißer Weste durch die Ausscheidungsspiele, die deutsche Mannschaft hat aber in Sachen Tordifferenz noch einiges draufgelegt. Eine stolze Leistung des Weltmeisters, auch wenn die Gegner in der Gruppe C nicht die stärksten waren. (Ergebnisse und Spielplan der WM-Quali)

Der aktuelle Eindruck und Löws große Auswahl an Top-Akteuren, die bis zum nächsten Sommer um die 23 Kaderplätze wetteifern, machen den Confed-Cup-Sieger zu einem der Topfavoriten auf den Titel 2018. Mit diesem Anspruch muss Löw leben - und tut das auch gerne, obschon er diesbezüglich öffentlich auf die Bremse tritt.

Halbe Sachen sind nicht sein Ding, er steht für "Top-Leistung in jeder Sekunde", wie er sie auch von seinen Spielern einfordert. Eine Einstellung, die auch beim FC Bayern geschätzt wird, wo am Montag Jupp Heynckes seinen bis Saisonende befristeten Job als Krisenmanager antritt. (Heynckes' Vorstellung ab 11.30 Uhr im LIVESTREAM und LIVETICKER)


Der 72-Jährige betrachtet sich dort selbst als Lösung auf Zeit, so dass er Spekulationen um seine Nachfolge schon vor dem eigenen Dienstbeginn nicht als pietätlos erachten wird. 

Ja, Löw hat beim DFB noch einen Vertrag bis 2020 und ja, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat bei SPORT1 gesagt, er werde "schon einen Riegel vorschieben, wenn die Bayern um die Ecke schauen". Und ja, Löw selbst führte diese Woche zwar an, dass er zwar noch mal als Vereinstrainer arbeiten wolle, dabei aber "schon ans Ausland denke". 

Dennoch dürfte es nur sehr wenige Trainer geben, die für den Job beim deutschen Rekordmeister so gut geeignet wären wie der Bundestrainer. Er kennt Vereinsvertreter und -strukturen durch seinen langjährigen direkten Kontakt, der durch höchsten wechselseitigen Respekt geprägt ist. 

Er ist fachlich über jeden Zweifel erhaben und würde auch deshalb den Alphatieren Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß auf Augenhöhe begegnen. Er hat bewiesen, dass er unter großem Medien- und Erfolgsdruck arbeiten, Mannschaften entwickeln und titelreif machen kann. 


Er hat einen Blick für Talente und das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt, sie einzubinden. Aus dem aktuellen Bayern-Kader hat er bereits sieben Spieler unter seiner Obhut, die ausnahmslos vom angenehmen Arbeitsklima schwärmen, das Top-Leistungen förderlich ist. 

Nicht zuletzt besitzt Joachim Löw international ein derart überragendes Standing, dass er auch der (Auslands-)Vermarktung der Münchner gut zu Gesicht stünde.

Wird Löw in Russland Weltmeister, kann er auf dem Höhepunkt abtreten. Doch auch wenn das DFB-Team auf der Mission Titelverteidigung scheitert, macht ein Neuanfang nach zwölf Jahren für beide Seiten Sinn.

Oder anders gesagt: Löw und der FC Bayern - das würde passen.