Erfolgreiche Kampagnen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wird 50 Jahre alt

Die Zentrale klärt seit 1967 über gesundheitliche Risiken auf.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung war kaum gegründet, da gelang ihr schon der erste große Coup.

Ende 1967 kam der Aufklärungsfilm „Helga – Vom Werden des menschlichen Lebens“ in die deutschen Kinos, der die Geschichte einer schwangeren Frau erzählt. Der semi-dokumentarische Film löste kontrovers geführte Diskussionen um die „sexuelle Revolution“ aus. Weil die Geburt eines Kindes detailliert gezeigt wurde, fielen reihenweise Männer in Ohnmacht. Schließlich mussten Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes bei Vorführungen anwesend sein. Dennoch wurde der Film ein Kassenschlager, den nicht nur Millionen Deutsche sahen, sondern der in mehrere Dutzend Staaten, darunter die Fidschi-Inseln, verkauft wurde. Ein Jahr später erhielt „Helga“ die Auszeichnung „Goldene Leinwand“.

50 Jahre Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das sind 50 Jahre Präventionsarbeit im Dienste des Bundesgesundheitsministeriums. Gegründet wurde die Behörde am 20. Juli 1967 in Köln als Nachfolger des Deutschen Gesundheitsmuseums, Zentralinstitut für Gesundheitserziehung, und war zunächst an der Ostmerheimer Straße 220 auf dem ehemaligen Gelände des Fliegerhorstes Köln-Ostheim, später am Maarweg untergebracht. Setzte die Bundeszentrale in den 1960er Jahren noch auf Abschreckung – zum Thema Drogenmissbrauch wurde der Film „Der Tod gibt eine Party“ produziert –, wurde in den 1970er Jahren schon einmal mit erhobenen Zeigefinger doziert. Erst später wurden die Kampagnen lustiger – und frecher, sagt die heutige Leiterin Heidrun Thaiss.

"Tina, was kosten die Kondome?"

Dabei waren die 1980er Jahre eine eher düstere Zeit für die Mediziner: Die Immunschwächekrankheit Aids grassierte, die Zahl der Neuinfektionen und Toten schoss nach oben. Die Politik braucht lange, um sich auf eine Präventionskampagne zu einigen. Erst Gesundheitsministerin Rita Süssmuth forcierte das Thema – gegen den Widerstand der Katholischen Kirche. Der TV-Spot, den die Bundeszentrale daraufhin mit den Schauspielern Hella von Sinnen und Ingolf Lück produzierte, gilt heute als Kult-Klassiker. „Tina, was kosten die Kondome“, schreit Supermarktkassiererin Hella von Sinnen zur Verzweiflung des Kunden Ingolf Lück.

Heute deckt die Bundesbehörde ein großes Aufgabenfeld ab. „Wir stehen für Sex & Drugs, machen aber noch vieles mehr“, sagt Thaiss. In der Tat kümmern sich die mehr als 300 Mitarbeiter um Themen wie Ernährung, Bewegung und Stressregulation, Diabetes, Organ- und Blutspende, Impfschutz, Gesundheit für bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Kinder und Jugendliche, Frauen, Männer, aber auch Senioren und Migranten. „Wir wollen die Menschen in allen Lebenslagen erreichen – vom Kindergarten bis ins hohe Alter“, sagt Thaiss.

Seit 2007 ist die Behörde auch Nationales Zentrum für Frühe Hilfe, in dessen Rahmen etwa Hebammen und Krankenschwestern Familien mit Kleinkindern unterstützen. Im Bereich sexuelle Aufklärung ist die Zentrale auch Partner der Weltgesundheitsorganisation. Hinzu kommen zahlreiche Studien, die die BZgA durchgeführt hat: etwa zum Drogen- und Alkoholgebrauch von Jugendlichen.

Zum Thema „sexueller Missbrauch von Kindern“ hat die Bundeszentrale das Theaterstück „Trau dich“ von einem Schweizer Ensemble entwickeln lassen, das Kinder im Grundschulalter dafür sensibilisieren will, sich im Falle eines Missbrauchs an eine Vertrauensperson zu wenden.

Kampagnen der BZGA tragen Früchte

Die vielen Kampagnen der Bundeszentrale haben durchaus Erfolg: So ist die Zahl der Neuinfektionen bei Aids gesunken, der Großteil der Jugendlichen benutzt mittlerweile ein Kondom. Der Anteil der rauchenden Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken und befand sich mit 7,8 Prozent bei den zwölf- bis 17-Jährigen 2015 auf einem historischen Tiefstand. Schließlich wenden sich immer mehr Jugendliche vom einst beliebten Komasaufen ab. Nicht alles wird man auf die Arbeit der Behörde zurückführen können.

Aber Kampagnen wie „Gib Aids keine Chance“ haben ganze Generationen geprägt. Kein Grund, sich zurückzulehnen, so Thaiss. Einerseits wüchsen immer wieder neue Generationen heran, die stets aufs neue davon überzeugt werden müssten, die Finger etwa von Drogen und Alkohol zu lassen, sich gesund zu ernähren und Sport zu treiben. Andererseits geraten neue Thema in den Blick: Während HIV der Bevölkerung bekannt ist, breiteten sich wieder Geschlechtserkrankungen wie Syphilis oder Chlamydien aus.

In ihrem neusten Projekt will die Bundeszentrale die Reanimation in den Fokus stellen: Denn während in Skandinavien 50 Prozent der Menschen reanimieren könnten, trauten sich in Deutschland dies nur 35 Prozent. Wichtigste Neuerung: Wer sich vor der Beatmung eines Unfallopfers ekelt, kann es auch bei einer Herzmassage belassen. Und wer vergessen hat, wie das geht, kann einfach im Rhythmus eines Popsongs wie „Staying Alive“ oder „Atemlos durch die Nacht“ massieren, so Thaiss. Nach sechs bis acht Minuten seien die Rettungssanitäter vor Ort und kümmern sich um die Beatmung. Bis dahin könne jeder helfen.

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