Eredivisie: Kvasina rechnet mit Veilchen ab: "Habe ein Jahr Scheiße gefressen"

Für Marko Kvasina beginnt beim FC Twente Enschede ein Neustart. Der U21-Nationalspieler hat nach zwei durchwachsenen Jahren bei Austria Wien den Sprung in die Eredivisie geschafft. Im SPOX -Interview rechnet er nun mit den Veilchen ab. Dazu spricht der 20-jährige Angreifer über seine schwierige Beziehung zu Trainer Thorsten Fink und wundert sich, warum österreichische Vereine die Förderung junger Talente vernachlässigen.

Für Marko Kvasina beginnt beim FC Twente Enschede ein Neustart. Der U21-Nationalspieler hat nach zwei durchwachsenen Jahren bei Austria Wien den Sprung in die Eredivisie geschafft. Im SPOX-Interview rechnet er nun mit den Veilchen ab. Dazu spricht der 20-jährige Angreifer über seine schwierige Beziehung zu Trainer Thorsten Fink und wundert sich, warum österreichische Vereine die Förderung junger Talente vernachlässigen.

SPOX: Sie sind nicht der erste ÖFB-Legionär bei Twente Enschede. Wurden Sie auf Ihre Vorgänger schon angesprochen?

Marko Kvasina: Ja, in einem Restaurant hat der Chef zu mir gesagt, dass viele Österreicher bei Twente waren, vor allem einer sei ihm nicht aus dem Kopf gegangen. Da habe ich gefragt: "Marc Janko?" Er antwortete: "Nein, es gab diesen Verrückten, Marko Arnautovic. Mit ihm haben wir viel Spaß gehabt."

SPOX: Genauso wie Janko sind Sie ein großgewachsener Mittelstürmer. Sehen Sie sich als seinen Nachfolger bei Twente?

Kvasina: Natürlich würde ich gerne so viele Tore schießen wie er. Wir sind gleich groß, aber ich sehe mich als anderen Spielertypen. Janko ist ein richtiger Stoßstürmer, der vorne die Bälle ablegt. Ich denke, dass ich variabler bin. Unter Thorsten Fink habe ich neue Laufwege gelernt. Ich weiche auch auf die Seiten aus. Dem Trainer bei Twente (Rene Hake, Anm.) gefällt, dass ich nicht so statisch bin.

SPOX: In einem Interview mit niederländischen Medien haben Sie sich mit Mario Mandzukic verglichen.

Kvasina: Er ist mein Vorbild. Ich vergleiche mich gern mit ihm, weil er auch ein Arbeitstier ist. Er schießt vielleicht keine 40 Tore pro Saison, aber dafür arbeitet er für die Mannschaft.

SPOX: Wie ist der Transfer zu Stande gekommen?

Kvasina: Es gab Kontakt zu einem Verein nach Deutschland (Dynamo Dresden war im Gespräch, Anm.), aber der hat sich viel Zeit gelassen. Es ging mir langsam auf die Nerven, so lange ohne Verein zu sein. Ich habe zu meinem Berater gesagt, wenn gar nichts da ist, soll er sich verstärkt in Österreich umschauen. Wie es Gott so wollte, zeigte dann jedoch Twente Enschede Interesse. Der Trainer hat mich angerufen, danach wurde alles in die Wege geleitet.

SPOX: Sie haben im Frühjahr für das österreichische U21-Nationalteam beim 1:0-Testsieg gegen die Niederlande getroffen. Hat dieses Tor für Ihren Wechsel eine Rolle gespielt?

Kvasina: Ich glaube, das ganze Spiel war sehr wichtig. Ein Twente-Scout hat mich dort gesehen. Dazu unterhalten sich natürlich auch die Trainer untereinander, da hat sich Twente sicher Informationen über mich geholt.

SPOX: Die niederländische Liga ist wahrscheinlich über die österreichische zu stellen. Sehen Sie den Transfer als Aufstieg?

Kvasina: Auf jeden Fall. Aus der Eredivisie haben in den letzten Jahren viele Stürmer den Sprung in eine Top-Liga geschafft. Auch aus Österreich wechseln viele Spieler ins Ausland, oftmals jedoch in kleinere Ligen wie die zweite deutsche Liga. Die Niederlande sind ein super Sprungbrett.

SPOX: Einige Fans in Österreich waren leicht verwundert, dass Twente einen Ersatzspieler der Wiener Austria holt. Was entgegnen Sie ihnen?

Kvasina: Wer mich kennt, der weiß, dass mehr in mir steckt als nur ein Ersatzspieler. Ich habe Austria-Coach Fink als Spielertyp nicht gepasst. Die letzten zwei Jahre habe ich ausgeblendet. Die Leute werden hoffentlich sehen, dass ich mit dem Wechsel Recht behalte. Ich sehe Twente als kompletten Neustart.

SPOX: Wurden Sie bei der Austria zu wenig wertgeschätzt?

Kvasina: Ja. Als ich mit 18 Jahren meine ersten Einsätze sammelte, habe ich es trotz der fehlenden Erfahrung nicht schlecht gemacht. Ich danke Andi Ogris, dass er mir damals die Chance gegeben hat. Danach habe ich bei der U19-EM gut gespielt und zwei Tore gemacht, doch als ich zurückkam, waren Larry Kayode und Kevin Friesenbichler da. Für Herrn Fink waren diese beiden Stürmer vor mir. Trotzdem durfte ich nicht den Verein wechseln. Dadurch habe ich ein Jahr komplett verloren.

SPOX: Was ist danach passiert?

Kvasina: Im nächsten Sommer hat es wieder geheißen, ich darf mich wegen anderer Klubs umschauen, doch dann kam das Spiel gegen Trnava in der Europa-League-Qualifikation, als ich per Kopf das entscheidende Tor vorgelegt habe. Plötzlich wurde mir erneut mitgeteilt, dass ich nicht gehen darf. Dann habe ich noch ein Jahr die Scheiße gefressen. Jetzt hat es gottseidank geklappt.

SPOX: Sie hatten also bereits in den letzten Jahren Angebote aus dem Ausland?

Kvasina: Ja, nach der EURO hätte es einige Möglichkeiten gegeben, auch aus Top-Ligen. Aber die Summen, die die Austria nannte, waren unmenschlich.

SPOX: Wie bewerten Sie Ihre Beziehung zu Trainer Fink?

Kvasina: Schwer zu sagen. Er hat nicht oft mit mir geredet. Zunächst hat er gemeint, ich sei körperlich noch nicht so weit. Danach habe ich Gas gegeben und ordentlich an Muskeln zugelegt. Trotzdem hat es wieder nicht gereicht. In einem Interview meinte Fink sogar einmal, er hätte im Angriff nur Kayode und Friesenbichler, dahinter gäbe es gar keinen Stürmer. Da habe ich gewusst, dass er sich keinen Millimeter um mich schert. Es hat einfach nicht gepasst. Er konnte mit meinem Spielertyp nichts anfangen. Ich bin ihm deswegen nicht böse, aber mich gehen zu lassen wäre die bessere Wahl gewesen, als mir zwei Jahre meiner Karriere zu nehmen.

SPOX: In Österreich meinen viele Funktionäre, dass junge Spieler nicht allzu früh ins Ausland wechseln sollen, weil sie in der heimischen Liga bessere Chancen auf eine gute Entwicklung haben. Dein Beispiel beweist eigentlich das Gegenteil. Werden Nachwuchs-Talente in Österreich zu wenig gefördert?

Kvasina: Man braucht als junger Spieler in der österreichischen Bundesliga sehr viel Glück. Die Trainer stehen unter Druck, die angestrebten Saisonziele zu erreichen. Sie haben Angst, junge Spieler einzusetzen. Bei Nachwuchs-Kickern weiß man nicht, ob sie explodieren oder untergehen. Dabei wäre diese Liga ein super Sprungbrett. Wenn die Talente mehr Einsatzminuten bekommen würden, wäre auch die Nationalmannschaft stärker. Alessandro Schöpf war in Deutschland schon in jungen Jahren Stammspieler. Jetzt ist er im ÖFB-Team ein Leistungsträger. Im Ausland ist die Wertschätzung für junge Spieler höher als bei uns.

SPOX: Der von dir angesprochene Schöpf ist ein Beispiel für den Weg über das Ausland, den Sie nun auch gehen. Er wechselte schon mit 15 Jahren zu Bayern München. Fünf Jahre später war er Stammspieler bei Zweitligist Nürnberg.

Kvasina: Genau. Ich könnte einige hochtalentierte Spieler nennen, die in der österreichischen Liga keine Einsatzminuten bekommen. Sandi Lovric bei Sturm oder Petar Gluhakovic und Alexandar Borkovic bei der Austria in etwa. Ich verstehe nicht, warum sie nicht eingesetzt werden. Mit jungen Spielern lässt sich doch auch viel Geld verdienen. Lasst sie eine Saison spielen und dann könnt ihr sie teuer weiter verkaufen.

SPOX: Lassen Sie uns zum Abschluss noch in die Zukunft blicken. Twente konnte im letzten Jahr den Zwangsabstieg nach finanziellen Problemen gerade noch abwenden. Welche Ziele verfolgt der Verein?

Kvasina: Wir haben eine sehr junge Mannschaft mit vielen Nachwuchs-Nationalspielern. Der Verein wäre fast abgestiegen, deswegen musste man einen neuen Weg einschlagen. Alles über dem 7. Platz wäre ein Riesen-Erfolg.

SPOX: Wie sieht die Konkurrenz-Situation im Angriff aus? Werden Sie viele Einsätze sammeln?

Kvasina: Darauf hoffe ich. Neben mir stehen zwei weitere Mittelstürmer im Kader, aber es gibt noch keine Rangordnung. Ich will den Trainer in der Vorbereitung von mir überzeugen. Aber natürlich ist die niederländische Liga eine große Herausforderung. Ich muss mich dort erst einmal beweisen.

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