Erdogans Charme-Offensive bei Macron

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron empfängt an diesem Freitag erstmals seinen türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan im Elysée-Palast.

Es ist die zweite Begegnung der beiden nach einem Treffen bei den Vereinten Nationen in New York im September.

Nach dem Willen von Ankara soll die Visite die zuletzt angespannten Beziehungen zwschen der Türkei und der EU lockern helfen.

Doch Experten wie Marc Pierini vom Brüsseler Think Tank Carnegie Europe sehen dafür wenig Chancen.

Die Verhandlungen über eine Annäherung an die EU seien auf Eis gelegt, daran werde die Begegnung nichts ändern.

Denn die Türkei habe mit der praktischen Aufhebung der Rechtsstaatlichkeit die europäischen Werte über Bord geworfen.

In Pariser Regierungskreisen hieß es, Macron wolle vor allem die Lage der Bürgerrechte in der Türkei ansprechen. Doch da dürfte sich Erdogan stur stellen.

Das eigentliche Thema, so Pierini, sei der gemeinsame Kampf gegen den Terrorismus, an dem sich auch andere Länder beteiligten, etwa Deutschland und Belgien.

Schließlich die Frage nach der Erneuerung der Zollunion.

Wegen des Vorgehens der türkischen Behörden gegen Regimegegner, Intellektuelle und Journalisten wird der Erdogan-Besuch in den Reihen der Pariser Links-Opposition kritisiert.

Dagegen ist die Reise an die Seine für Erdogan Teil einer diplomatischen Charmeoffensive seiner Regierung in Europa.

Am Tage nach dem Treffen Macron-Erdogan besucht im norddeutschen Goslar der türkische Außenminister Mevlut Causoglu seinen deutschen Kollegen Simar Gabriel.