Erdogan verbittet sich Einmischung Deutschlands in "innere Angelegenheiten"

Drei Viertel der Deutschen fürchten einer Umfrage zufolge, dass sich die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan zu einer Diktatur entwickeln könnte. Nur 18 Prozent geben an, dass der Nato-Partner weiter eine Demokratie bleiben wird

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verbittet sich die Kritik der Bundesregierung. "Niemand hat das Recht, sich in die inneren Angelegenheiten der Türkei einzumischen", sagte Erdogan am Sonntag in Istanbul mit Blick auf die Ankündigung Berlins, seine Türkei-Politik neu auszurichten.

Der türkische Staatschef verwies auf die "strategische Partnerschaft" zwischen Deutschland und der Türkei und warnte: "Es sollten keinen Schritte unternommen werden, die diese Partnerschaft überschatten."

Angesichts der zahlreichen Konflikte mit der Türkei - zuletzt die Inhaftierung des deutschen Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner - hatte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) am Donnerstag eine "Neuausrichtung" der Politik gegenüber Ankara angekündigt.

Mit ungewöhnlich scharfer Kritik am türkischen Präsidenten schaltete sich am Wochenende auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in den deutsch-türkischen Streit ein. Erdogan versuche nicht nur, "das Land auf sich zuzuschneiden", sagte Steinmeier laut am Samstag vorab veröffentlichten Auszügen aus dem ZDF-Sommerinterview. Vielmehr würden jetzt auch die "Reste an Kritik und Opposition" verfolgt, ins Gefängnis gesteckt und mundtot gemacht.

Berichte, wonach die türkische Regierung 68 deutsche Unternehmen und Einzelpersonen der Terrorunterstützung bezichtigt, wies Erdogan am Sonntag zurück. Es gebe keine solchen Ermittlungen gegen deutsche Firmen in der Türkei, sagte der Staatschef. "Das sind erlogene und falsche Informationen."