Erdogan tauscht Vizechef der Notenbank aus und bringt damit türkische Lira zu Fall

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat ein massives Lira-Problem
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat ein massives Lira-Problem

In der Türkei setzen sich die Personalwechsel in der Zentralbank fort. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan entließ in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den Vizechef Oguzhan Özbas aus dem Amt, wie es aus einem im Amtsblatt veröffentlichten Dekret hervorgeht. Er wird ersetzt durch Semih Tümen, Wirtschaftsprofessor an der Universität in Ankara und ehemaliger Berater des türkischen Präsidenten.

Der Wechsel kommt nur zwei Monate, nachdem Erdoğan den Notenbankchef neuerlich ausgetauscht hatte. Als Auslöser galt die straffe Linie des abgelösten Notenbankers Naci Agbal, der gegen die hohe Inflation und die schwache Lira mit deutlichen Leitzinsanhebungen vorgegangen war.

Diplomaten aus Ankara sind glücklich über die neue Personalie in der Zentralbank, weil Tümen viel Erfahrung mitbringt. „Die aktuellen Gouverneure und auch der Zentralbankchef persönlich, sind sehr unerfahren. Semih Tümen hingegen ist durch seine frühere Tätigkeit in der Zentralbank sehr erfahren“, so ein Diplomat zu Business Insider.

Man hoffe, dass es mit Tümen zu einem Umdenken in der aktuellen Zins-Politik der Zentralbank kommen wird, so der Diplomat weiter. Tümen arbeitete schon 2002 mehrere Jahre für die Zentralbank als Berater.

Die türkische Lira fällt

Das Problem um die Unabhängigkeit der Zentralbank schwelt schon lange. Seit vielen Jahren kannte die türkische Lira nur den Weg nach unten. Gegenüber dem US-Dollar hat die Währung in den vergangenen sechs Jahren über 60 Prozent an Wert verloren. Das Problem: die fehlende Unabhängigkeit der Zentralbank.

Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte Ende März den alten Finanzminister Naci Agbal als Notenbankchef per Dekret entlassen und durch Sahap Kavcioglu ersetzt. Während Agbal ein Freund der Leitzinsen war, gilt Kavcioglu wie sein Chef Erdogan als Gegner hoher Zinsen.

Denn Erdogan sieht die Leitzinsen als „Mutter und Vater allen Übels.“ Mit dem Wechsel an der Spitze der Notenbank verlor die Türkei alle Investoren, die dem alten Finanzminister ihr Vertrauen schenkten.

Auch heute reagierten die Märkte harsch und die türkische Lira geriet Massiv unter Druck. Die Währung gab am Dienstagvormittag im Verhältnis zum Euro nach auf bis zu 10,35 Lira, was ein erneutes Rekordtief bedeutet.

Auch gegenüber dem US-Dollar stand die Lira unter Druck. Während die Lira im vergangenen November bei 7,57 Lira für einen Dollar lag, zahlte man Dienstagmorge für einen Dollar 8,41 Lira, was einem Kurseinbruch von über sieben Prozent entsprach.

Die Bürger leiden an stark steigender Inflation

Die Türkei leidet schon seit 10 Jahren unter hohen Inflationsraten. Aktuell liegt sie bei etwa 17 Prozent, was die Bevölkerung mit deutlich steigenden Preisen stark zu spüren bekommt. Die Inflation unter Kontrolle zu halten, ist eigentlich die Hauptaufgabe einer Notenbank, wofür sie einige Instrumente hat.