Erdoğan tadelt weinendes Mädchen – Kritik im Netz

Recep Tayyip Erdoğan wird dafür kritisiert, ein junges Mädchen in eine Märtyrerrolle zwingen zu wollen. (Bild: AP Photo)

„Soldaten weinen nicht“: Ein Auftritt, bei dem der türkische Staatspräsident ein Kind auf die Bühne geholt hatte, sorgt für Empörung im Internet.

Ein Auftritt von Recep Tayyip Erdoğan in der Provinz Kahramanmaraş schlägt aktuell hohe Wellen im Netz: Auf einem Kongress seiner Partei AKP holte der türkische Staatspräsident ein weinendes Mädchen in Militäruniform auf die Bühne und ermahnte es: „Soldaten weinen nicht.“ Das Kind hatte aus unbekannten Gründen eine Uniform der türkischen Spezialeinheit Bordo Bereliler getragen.

Warum das Mädchen eine Soldatenuniform trug, ist nicht bekannt. (Bild: AP Photo)

Wie verschiedene deutsche Medien mit Verweis auf die regierungskritische türkische Zeitung „Cumhuriyet“ und die Nachrichtenplattform „Haberdar“ berichten, erklärte er weiter: „Wenn es als Märtyrer fällt, werden sie es auch – so Gott will – mit der Fahne zudecken. Sie ist zu allem bereit. Nicht wahr?“ Zwischendurch küsste Erdoğan das immer noch weinende Kind mehrmals auf die Wangen.

Ein Video des Zwischenfalls kursiert seit dem Wochenende im Netz und sorgt für Empörung. Die Journalistin Aslı Sevindim bezeichnet Erdoğans Vorgehen auf Twitter als „krank und widerlich“. Cansu Özdemir, die Ko-Vorsitzende der Fraktion Die Linke Hamburg, fragt: „Will die künftige Bundesregierung die Beziehungen zum Möchtegern-Sultan wirklich ‚normalisieren’?“

In seiner Rede in Kahramanmaraş verteidigte der Präsident den Militäreinsatz im nordsyrischen Afrin. Am 20. Januar hatten türkische Truppen dort eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen. Am Samstag hat sich der UN-Sicherheitsrat für eine baldige 30-tägige Waffenruhe im Bürgerkriegsland Syrien ausgesprochen. Die Türkei wird sich daran jedoch voraussichtlich nicht halten, da sie ihre Offensive zum Anti-Terror-Einsatz erklärt hat.