Erdogan stellt Pläne für neues Opernhaus in Istanbul vor

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Simulation des neuen Opernhauses am Taksim-Platz

Nach einer jahrelangen Kontroverse um die Zukunft des Opernhauses am Istanbuler Taksim-Platz hat Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag Pläne für einen Neubau vorgestellt. Das neue Gebäude solle im Frühjahr 2019 seine Türen öffnen, sagte Erdogan

Nach einer jahrelangen Kontroverse um die Zukunft des Opernhauses am Istanbuler Taksim-Platz hat Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag Pläne für einen Neubau vorgestellt. Das neue Gebäude, das sich architektonisch am bisherigen Opernhaus orientiert, solle im Frühjahr 2019 seine Türen öffnen, sagte Erdogan. Der Vorsitzende der Istanbuler Architektenkammer sprach von einem "Angriff auf die moderne Türkei".

Erdogan sagte bei der Präsentation der Pläne in Istanbul, nach Protesten, Unruhen und Gerichtsverfahren zur Verhinderung der Neubaupläne am Taksim-Platz habe sich schließlich die Vernunft durchgesetzt. "So Gott will, wird es eine Ehre und ein Symbol für Istanbul und unser Land werden, wenn es im ersten Quartal 2019 fertiggestellt und eröffnet ist", sagte Erdogan mit Bezug auf das Opernhaus.

Die Türkei hat eine lebendige Opern- und Theaterszene, die teilweise noch ein Erbe der Opernbegeisterung von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürks ist. Erdogan kritisierte aber eine Imitation der westlichen Kultur. "Wir haben nicht gesehen, dass kulturelle Imitation eine Kapitulation gegenüber einer Welt ist, die uns als Rivalen oder gar als Feind betrachtet", sagte Erdogan.

Der Neubau wird an der Stelle des alten Opernhauses entstehen, dem Atatürk-Kulturzentrum (AKM), das seit 2008 leer steht. Errichtet wird er von Murat Tabanioglu, dem Sohn des AKM-Architekten Hayati Tabanioglu. Das AKM war nach jahrzehntelanger Bauzeit 1969 eröffnet worden, doch ein Jahr später ausgebrannt. Erst 1978 nahm es den Betrieb wieder auf, bevor es 2008 zur Renovierung geschlossen wurde.

Die Front des Neubaus orientiert sich an der modernistischen Glasfassade des alten Opernhauses. Der Architekt Tabanioglu äußerte am Montag die Hoffnung, dass das künftige Kulturzentrum nicht nur den Eliten, sondern allen Bürgern offen stehen werde. Neben einem Opernsaal mit 2500 Plätzen wird das Gebäude auch eine Bibliothek, Ausstellungsräume und andere kulturelle Einrichtungen enthalten.

Das Gebäude befindet sich direkt neben dem Gezi-Park. Er war im Sommer 2013 das Zentrum landesweiter Proteste, nachdem Erdogan eine Bebauung des kleinen Parks angekündigt hatte. Auch der Umgang mit dem AKM sorgt seit Jahren für Kontroversen und war Gegenstand mehrerer Gerichtsverfahren. Das Opernhaus gilt als Symbol der modernen Republik Atatürks.

Säkulare Oppositionelle verdächtigen die islamisch-konservative Regierung Erdogans seit Jahren, das Opernhaus beseitigen zu wollen. Erdogan warf diesen Kritikern am Montag vor, sich dem Neubau "weniger aus kultureller Sensibilität als aus ideologischen Obsessionen" zu widersetzen. "Das neue AKM wird jenen am meisten nutzen, dies es seit Jahren sabotiert haben", sagte er.

Er äußerte die Hoffnung, dass das moderne Opernhaus den Taksim-Platz beleben werde, und kündigte an, dass der Platz vollständig zur Fußgängerzone werde. Der Platz war in den vergangenen Jahren bereits weitgehend verkehrsberuhigt worden. Gegenüber des AKM wird derzeit in einem ebenfalls hochkontroversen Projekt eine neue Moschee errichtet.

Der Vorsitzende der Istanbuler Architektenkammer, Sami Yilmaztürk, nannte die Pläne zum Abriss des AKM einen "Angriff auf die moderne Türkei". Ähnlich wie die Blaue Moschee oder die Hagia Sophia sei das alte Opernhaus "kulturelles Erbe, das bewahrt werden muss", sagte Yilmaztürk. Sein Abriss sei ein "Verbrechen gegen die Verfassung".