Erdogan rechnet "jederzeit" mit Vorstoß türkischer Armee ins Zentrum von Afrin

Mit türkischer Armee verbündete Rebellen bei Afrin

Die türkische Armee ist einen Tag nach der Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Dschandairis im Nordwesten Syriens am Freitag in östlicher Richtung auf die Stadt Afrin vorgestoßen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in Ankara, Afrin sei umstellt. Das Militär und die mit ihm verbündeten Aufständischen könnten "jederzeit" ins Stadtzentrum eindringen. Er bekräftigte, dass die Armee danach auf die weiter östlich gelegene Stadt Manbidsch und weiter bis zur irakischen Grenze vordringen werde.

Der von der Türkei am 20. Januar gestartete Militäreinsatz "Operation Olivenzweig" richtet sich gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die Afrin und die Umgebung seit 2012 kontrollieren. Ankara betrachtet die YPG als Terrororganisation, ebenso wie die mit ihr verbundene und in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Die YPG-Miliz ist allerdings mit den USA im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verbündet. Deshalb sorgt Ankaras Offensive für Spannungen zwischen Washington und Ankara, die beide Partner in der Nato-Militärallianz sind. Besonders heikel ist der von der Türkei geplante Vormarsch auf Manbidsch, weil die USA dort - im Gegensatz zu Afrin - militärisch präsent sind.

Deutschland dürfe dem Angriff auf Afrin nicht tatenlos zu sehen, erklärte Linken-Chefin Katja Kipping. Die neue Bundesregierung müsse von der Türkei "unmissverständlich ein Ende des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges fordern", betonte Kipping. "Die militärische Belagerung und drohende Zerstörung von Afrin muss endlich zum Wendepunkt in den bilateralen Beziehungen zur Türkei werden."

Nach Angaben des Generalstabs in Ankara wurden im Zuge der "Operation Olivenzweig" bislang 42 türkische Soldaten getötet. Der Angriff auf Afrin könnte für die dort lebenden Zivilisten verheerende Folgen haben. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden während der türkischen Offensive bereits fast 200 Zivilisten getötet.

Die türkische Armee bestreitet das und gibt an, "alle Maßnahmen" zu treffen, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Die in Großbritannien angesiedelte Beobachtungsstelle steht den bewaffneten Rebellen in Syrien nahe. Sie bezieht ihre Informationen nach eigenen Angaben von Aktivisten vor Ort. Für Medien sind sie kaum zu überprüfen.