Erdogan herrscht Journalisten in Paris nach kritischer Frage an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bei seinem Paris-Besuch einen französischen Journalisten nach einer kritischen Frage angeherrscht. Erdogan warf dem Reporter des Senders France 2 am Freitag vor, wie ein Mitglied der Organisation des islamischen Predigers Fethullah Gülen und "nicht wie ein Journalist" zu reden. "Wenn du deine Fragen stellst, sei vorsichtig. Und rede nicht mit den Worten eines anderen."

Der Journalist hatte Erdogan nach einem angeblich für die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien bestimmten Waffenkonvoi des türkischen Geheimdienstes MIT im Januar 2014 gefragt. Über den Fall hatte die oppositionelle türkische Zeitung "Cumhüriyet" berichtet. Erdogan wirft seinem Erzfeind Gülen vor, hinter der Geschichte zu stecken.

"Du stellst mir diese Frage, aber warum fragst du nicht die USA, die 4000 Lastwagen voller Waffen nach Syrien geschickt haben", fuhr Erdogan den Journalisten an. "Du bist Journalist, oder? Darüber hättest du auch recherchieren müssen." Er sei nicht jemand, der so etwas "leicht schlucken" werde.

Erdogan hatte am Freitag in Paris den französischen Präsidenten Emmanuel Macron getroffen. Bei dem Gespräch ging es auch um die Lage in der Türkei inhaftierter Journalisten. Macron rief die Türkei auf, rechtsstaatliche Prinzipien einzuhalten. Seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 sind zahlreiche Journalisten in der Türkei festgenommen worden. Die Organisation Reporter ohne Grenzen führt das Land in ihrer Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 155 von 180.