Erdogan: "Hamas ist keine Terrororganisation, sondern eine Befreiungsgruppe"

Mehrere europäische Europäische Staats- und Regierungschefs haben in den vergangenen Tagen Israel und seine Nachbarländer besucht, im diplomatischen Bemühen, eine weitere militärische Eskalation des Konflikts im Gazastreifen zu verhinden - und eine mögliche Ausweitung der Kriegs in der Region.

Aber auch, um zur Verhältnismäßigkeit aufzurufen, so wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er forderte Israel auf, seine Reaktion auf den Hamas-Angriff zu überdenken und drängte auf eine Pause der Angriffe, um die lebenswichtige Versorgung der rund 2 Millionen Bewohner:innen im Gazastreifen zu ermöglichen.

Brüssel bereitet gemeinsame Position zu Israel vor

Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer und Tschechiens Ministerpräsident Petr Fiala hatten bei ihrem Besuch in Isael ähnliche Botschaften im Gepäck. Ihr Besuch diente auch dazu, eine gemeinsame Position zu Israel vor der Tagung des Europäischen Rates in Brüssel zu koordinieren. Der Rat kommt am heutigen Donnertag zusammen.

Nach seinen Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und dem jordanischen König Abdullah II. stellt Macron den Menschen im Gazastreifen medizinische Hilfe in Aussicht. Von Donnerstag an sollen französische Flugzeuge mit Material in Ägypten landen.

Ägyptens Präsident warnt vor Ausweitung des Gaza-Kriegs

Al-Sisi warnte vor der Ausweitung des Gaza-Kriegs. "Wir sehen mit großer Sorge, dass der Kreislauf der Gewalt möglicherweise auf andere Parteien in der Region ausgeweitet wird", sagte er bei einer Pressekonferenz mit Macron. Das erklärte Ziel des Krieges sei, die Hamas und andere bewaffnete Gruppen im Gaza-Streifen zu liquidieren. "Wir müssen versuchen, den Einmarsch in den Gazastreifen zu verhindern, denn der Einmarsch in den Gazastreifen kann sehr viele zivile Opfer zur Folge haben", sagte er. Es sei wichtig, die Zeit zur Befreiung von Geiseln zu nutzen.

Macron betonte, er habe die Sorge vor doppelten Standards im Gaza-Krieg von Al-Sisi und auch bei seiner Begegnung mit dem jordanischen König Abdullah II. gehört. «Ich möchte hier sehr klar sein, Frankreich praktiziert keine doppelten Standards, das internationale Recht gilt für alle», sagte Macron. «Jedes Leben zählt und es gibt keine Hierarchie, alle Opfer verdienen unser Mitgefühl, unser Engagement für einen gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten und das variiert nicht.»

Erdogan bezeichnet die Hamas als Freiheitskämpfer

Der türkische Präsident Reccep Tayyip Erdogan hat eine geplante Reise nach Israel abgesagt. Er lehne den "unmenschlichen" Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen ab, so Erdogan.

Er bezeichnete die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas als Freiheitskämpfer. "Hamas ist keine Terrororganisation, sondern eine Befreiungs- und Mudschaheddin-Gruppe, die für den Schutz ihres Landes und ihrer Bürger kämpft", sagte Erdogan am Mittwoch vor Anhängern seiner islamisch-konservativen Partei AKP in Ankara. Mit Mudschaheddin sind in der Regel Kämpfer islamistischer Gruppen gemeint.

Man habe keine Problem mit dem Staat Israel, verurteile aber die "Gräueltaten" Israels im Gazastreifen, sagte Erdogan weiter. Die Türkei verzeihe keine Aktionen, die auf Zivilisten abzielten "einschließlich israelischer Zivilisten". Erdogan rief zu einem Waffenstillstand auf.

Die Hamas ist für die USA, Europa und Israel eine Terrororganisation, für die Türkei nicht. Ankara unterhält Kontakte zur Hamas und bemüht sich nach eigenen Angaben um die Freilassung von Geiseln.