Erdogan fordert dauerhafte Zwei-Staaten-Lösung für Zypern

Odul Asik Ulker
·Lesedauer: 2 Min.
Erdogan (rechts) nach seiner Ankunft in Nordzypern
Erdogan (rechts) nach seiner Ankunft in Nordzypern

Bei einem umstrittenen Besuch auf Zypern hat der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan eine dauerhafte Zwei-Staaten-Lösung für die Insel gefordert. "Es gibt zwei Völker und zwei getrennte Staaten auf Zypern", sagte Erdogan am Sonntag in Nikosia. Eine dauerhafte Lösung für die Mittelmeerinsel müsse auf dieser Grundlage basieren. Mit einem Besuch der umstrittenen nordzyprischen Küstenregion Varosha zog Erdogan den Zorn Zyperns und Griechenlands auf sich.

Mit seiner Forderung nach zwei getrennten Staaten stellte sich Erdogan in Widerspruch zu den bisherigen Bemühungen um eine Lösung im Zypern-Konflikt, die eine Wiedervereinigung zwischen dem griechisch-zyprischen Süden und dem türkisch-zyprischen Norden vorsehen.

Die Türkei hält den Nordteil Zyperns seit 1974 militärisch besetzt und erkennt als einziges Land die dortige Republik Nordzypern an. Der Präsident des EU-Mitglieds Zypern, das den südlichen Teil der Insel ausmacht, hatte Erdogans Besuch in Varosha im Vorfeld scharf verurteilt. Staatschef Nicos Anastasiades sprach von einer "beispiellosen Provokation". Auch Griechenland kritisierte den Besuch Erdogans und nannte ihn "eine direkte Verletzung" der geltenden UN-Resolutionen.

Wegen starker Regenfälle fand das von Erdogan ankündigte Picknick am Strand des einstigen Badeorts Varosha nicht statt - stattdessen verlas Erdogan eine Mitteilung an die Presse. Er forderte darin eine "gerechte Verteilung der Ressourcen der Insel", die den türkischen Zyprern nie gewährt worden sei. Gleichzeitig versprach er, die aus Varosha geflohenen griechischen Zyprer zu entschädigen.

Die Küstenstadt liegt an der UN-Pufferzone zwischen den beiden Inselteilen. Varosha war seit 1974 von der türkischen Armee abgeriegelt und erst im Oktober wieder freigegeben worden. Anfang der Woche hatten Demonstranten, darunter auch einige türkische Zyprer, gegen Erdogans Besuch in Varosha protestiert. Sie skandierten: "Kein Picknick auf dem Rücken der Anderen!" und riefen "Auf Zypern gehört das Wort den Zyprern!"

Erdogan hingegen sagte in seiner Rede in Nikosia, es sei nicht möglich, türkische und griechische Zyprer wieder zu vereinen. "Man kann nicht die Wäsche von heute mit der Sonne von gestern trocknen." Die letzten Friedensgespräche für Zypern unter UN-Schirmherrschaft waren 2017 gescheitert.

Die Mittelmeerinsel ist seit 1974 in einen griechischen Süden und einen türkischen Norden geteilt. Damals hatte die türkische Armee nach einem Militärputsch der griechischen Zyprer den Nordteil der Insel besetzt. Die Türkische Republik Nordzypern wird allerdings nur von Ankara anerkannt. Sie ist wirtschaftlich und politisch stark von der Türkei abhängig. Etwa 30.000 türkische Soldaten sind dort stationiert.

Erdogans Besuch fand wenige Wochen nach der Präsidentschaftswahl in Nordzypern statt, die der vom türkischen Präsidenten unterstützte Nationalist Ersin Tatar gewann. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Mustafa Akinci befürwortet Tatar eine dauerhafte Zwei-Staaten-Lösung.

Die Beziehungen zwischen der Türkei auf der einen Seite und Zypern sowie Griechenland auf der anderen sind derzeit im Streit um Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer äußerst angespannt. Neben Griechenland und der Türkei erhebt auch Zypern Anspruch auf das Gebiet.

sip/bfi