Wegen Erdogan: Reise-Boykott rund ums DBB-Team

Tim Brack

Die deutschen Basketballer sind seit Donnerstag in Istanbul, um die Endrunde der Basketball-EM zu spielen. Am Samstag treffen sie im Achtelfinale auf Frankreich (ab 14.15 Uhr im LIVETICKER).

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Doch neben dem sportlichen Erfolg sorgt die politische Lage in der Türkei für Gesprächsstoff. 

Rund 15 Medienvertreter wollten nicht in das Land von Präsident Recep Tayyip Erdogan reisen.

"Es gibt einige Journalisten, die nicht hierhin gekommen sind", bestätigt DBB-Pressesprecher Christoph Büker bei SPORT1.

Auch Familienangehörige, Fans und Funktionäre verzichten

Laut Bild-Zeitung traten auch einige Familienangehörige der Spieler sowie Fans und Funktionäre die Reise nach Istanbul  nicht an, aus Angst vor der politisch angespannten Lage. 

Zuletzt hatte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel deutschen Urlaubern von einer Reise in die Türkei abgeraten.


Von den öffentlichen Differenzen zwischen Deutschland und der Türkei merkt das DBB-Team aber nichts. "Von einer politischen Anspannung oder Vorbehalten ist überhaupt nichts zu spüren", sagt Büker.

"Alle türkischen Vertreter sind wie gewohnt sehr freundlich. Wir haben seit mehreren Jahren eine perfekte Beziehung zum türkischen Basketballverband."


DBB-Präsident ermutigt Spieler zu klarer Meinung

Vor dem Beginn der EM hatte DBB-Präsident Ingo Weiss die Akteure um Dennis Schröder dazu ermutigt, ihre Meinung öffentlich zu sagen. 

Konsequenzen fürchtet Büker nicht: "Ein Szenario, in dem Teilnehmer dieses Turniers mögliche Verfolgungen befürchten müssen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen."

Allerdings hat die Beschäftigung mit der unruhigen politischen Lage laut des Verbandssprechers derzeit keine Priorität.

"Die Spieler konzentrieren sich hier zu 100 Prozent auf den Sport", sagt Büker. "Das sportliche Programm ist bei solchen Turnieren das Wichtigste. Der Rest wird außen vor gelassen."

"Überhaupt keine bedrohliche Atmosphäre"

In Istanbul fühlen sich die deutschen Basketballer bisher wohl. "Hier herrscht überhaupt keine bedrohliche Atmosphäre. Bisher habe ich nicht den Eindruck von verschärften Sicherheitsvorkehrungen", sagt Büker.

Bei der Besichtigung der Halle mit ein paar Spielern und Bundestrainer Chris Fleming, sei alles normal gewesen: "Es ist nicht so, dass überall Schwerbewaffnete rumstehen würden, sondern eher dezent."