Er erbte den Schuhladen seines Vaters – heute macht er Millionen im Internet

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Dominik Benner brachte erst das eigene Familienunternehmen ins Netz. Heute verkaufen über 3.700 Händler ihre Produkte über zu seine Plattformen.
Dominik Benner brachte erst das eigene Familienunternehmen ins Netz. Heute verkaufen über 3.700 Händler ihre Produkte über zu seine Plattformen.

Der erste Onlineshop entstand vor 27 Jahren. Trotzdem haben stationäre Händler noch immer Probleme, ihre Waren über das Internet zu verkaufen. Es fehlt an technischer Expertise oder Marketing-Wissen. Das Unternehmen The Platform Group von Gründer Dominik Benner hat daraus ein Geschäft gemacht: Es bündelt die Offliner je nach Branche unter einem Dach. Benner baut dafür Verkaufsplattformen oder kauft sie auf. Im vergangenen Jahr machte seine Gruppe so einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro – profitabel und ohne Geld von Investoren.

Jetzt hat The Platform Group erneut zugeschlagen und mit Lott eine Plattform für Kraftfahrzeugteile übernommen. Als Kaufsumme nennt Benner gegenüber Gründerszene einen einstelligen Millionenbetrag.

Das Familienunternehmen Lott handelt seit 1987 mit Autoteilen, seit 15 Jahren auch online, unter anderem über den Autoreifen-Marktplatz Tyre24. Inzwischen sind mehrere Händler mit über 300 Marken und 150.000 Produkten an die Plattform angebunden.

100 Menschen arbeiten derzeit für Lott. Nach der Übernahme und Eingliederung in die Platform Group soll es nicht zu Kündigungen kommen, wie Benner sagt. Mitarbeiter, deren Stellen durch die Zusammenlegung von Aufgaben redundant werden könnten, würden künftig in anderen Bereichen wie der Händlerbetreuung eingesetzt.

Weitere Übernahmen in diesem Jahr

Für The Platform Group ist der Kfz-Bereich die 13. Branche im Portfolio. Weitere sind Textil, Schuhe, Fahrräder, Möbel oder Luxusgüter wie Uhren und Schmuck. Insgesamt sind 3.700 Händler an die Gruppe und ihre Plattformen angeschlossen.

Zuletzt kaufte Benners Unternehmen im Mai beziehungsweise Juni die beiden Möbelshops Möbelfirst und Stylefy. In diesem Jahr sollen es insgesamt fünf bis sechs Übernahmen werden, sagt der Gründer. Und auch in den kommenden Jahren soll die Einkaufstour laut Benner in dieser Geschwindigkeit fortgesetzt werden. Rein finanzielle Beteiligungen schließt der Gründer aber aus: „Wir wollen in kein Unternehmen investieren, bei dem wir keinen Beitrag leisten können.“

Mit Schuhe24 fing alles an

Dominik Benner selbst kam zu seiner Rolle sehr spontan. Nachdem sein Vater 2012 unerwartet verstarb, erbte er das Schuh-Unternehmen der Familie in Wiesbaden. „Ich musste über Nacht entscheiden, fünf stationäre Läden zu übernehmen, was nicht gerade sexy ist und damals keine Zukunft hatte“, erzählt Benner. Da er sich aber schon immer für E-Commerce interessierte, verkaufte er die Schuhe über Marktplätze wie Amazon und Ebay. 2013 baute er die Plattform Schuhe24 auf, an die heute rund 2.000 lokale Händler angebunden sind.

Vor zwei Jahren öffnete auch Zalando seine Plattform für den Retail. Benner bezeichnet diese Konkurrenzsituation als „total irrelevant“ – unter anderem weil Schuhe nur ein Teil seiner Plattform-Strategie seien und Händler auch bei beiden Plattformen gleichzeitig gelistet sein könnten.

Den größten Umsatz in der Platform Group erwirtschaftet inzwischen der Bereich Textil mit der Plattform Outfits24, die Benners Unternehmen 2018 selbst gebaut hat. Auf Platz zwei und drei folgen die Bereiche Fahrräder und Kfz. Stark gewachsen sei zuletzt auch der Bereich E-Learning, so Benner. Hier ist die Gruppe mit dem Unterrichtstool Teech vertreten. Die Software, konzipiert als eine Art digitales Klassenzimmer für den Distanzunterricht etwa während Corona, soll sich in Zukunft auch auf Nachhilfe fokussieren. Damit steht die Jungfirma in Konkurrenz zur Lernplattform Gostudent, die kürzlich zum wertvollsten Startup Österreichs wurde.

So funktioniert das Plattform-Modell von The Platform Group

Wie die Konkurrenz bringt The Platform Group Fachhändler ins Internet und hilft ihnen unter anderem mit der Bereitstellung von Schnittstellen, beim Design, der Kundengewinnung über Suchmaschinen-Marketing oder der Prozessoptimierung. Neben den eigenen Shops, die den meisten Umsatz generieren, nutzt die Gruppe auch Verkaufskanäle wie Amazon, Ebay, Galaxus oder About You.

Zudem können die Händler der von Benner übernommenen Plattformen über ein neues Backend etwa auf bessere Verkaufsstatistiken zugreifen, Versicherungen hinzubuchen oder Finanzierungen für Betriebsmittel bei Banken anfragen.

Profitabilität und Millionenumsätze ohne Investoren

2020 machte die Gruppe einen Umsatz von 118 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 75 Millionen. Im vergangenen Jahr wuchs die Firma auch dank Corona, da mehr Händler über die Plattformen verkauften und es mehr Nachfrage gab. Für dieses Jahr erwartet Benner ein erneutes Umsatzwachstum, wird aber auf Nachfrage von Gründerszene nicht konkreter. Das Handelsblatt prognostizierte kürzlich einen Umsatz für 2021 von 200 Millionen Euro.

Seit der Gründung von Schuhe24 im Jahr 2013 arbeite sein Unternehmen profitabel, sagt Benner. Hilfe von Investoren habe er daher nicht benötigt. In den nächsten ein bis zwei Jahren könnte sich das allerdings ändern. Auf Nachfrage bestätigt der Gründer, dass sich The Platform Group für Geld von außen öffnen könnte, um schneller zu wachsen.

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