Er in der AfD, sie in der SPD: Politiker-Paar verblüfft bei Maischberger

Unterschiedliche Ansichten, aber dennoch glücklich verheiratet: Frank und Kerstin Hansen. (Bild: Screenshot Das Erste)

Ein ungleiches Paar sorgte bei „Maischberger“ für Verwunderung: Während er bei der Bundestagswahl als Direktkandidat für die AfD antrat, engagiert sie sich in der SPD.

Über zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung hat die Bundestagswahl im September die politische Uneinigkeit des Landes verdeutlicht. Anlässlich des 27. Jahrestages der deutschen Einheit und des jüngsten Wahlergebnisses, in dem eher der linke und rechte Rand des Parteienspektrums Erfolge erzielen konnten, diskutierten die Gäste bei „Maischberger“ zum Thema „Tage der Uneinheit – Ist Deutschland gespalten?“

Einen besonderen Eindruck hinterließen dabei Kerstin und Frank Hansen, ein Politiker-Paar aus Schleswig-Holstein: Er ist Kreisvorsitzender der AfD, sie SPD-Ortsvorsitzende.

Seit über zehn Jahren sind die Tierärztin und der Marineoffizier verheiratet, 2014 trat er in die AfD ein. „Mein Mann war immer schon konservativ“, erklärte Kerstin Hansen in der Sendung. Für sie stelle das Partei-Engagement ihres Ehemanns kein Problem dar. Viel belastender seien die Anfeindungen von außen: Parteifreunde hätten ihr geraten, sich scheiden zu lassen, AfD-Gegner schlugen die Scheiben ihres Autos ein und bewarfen ihr Haus mit Farbbeuteln. Bedroht habe sie sich dabei jedoch weniger gefühlt. „Es war ganz viel Wut“, berichtete die Mutter von drei Kindern.

Die Toleranz gegenüber der AfD wird von Kerstin Hansens Parteigenossen nicht geteilt: Im März warben Anke Rehlinger, Martin Schulz und Heiko Maas mit der „Roten Karte“ gegen den Parlamentseinzug der Rechtspopulisten. (Bild: Getty Images)

Nachdem sie Fehler der eigenen Partei eingestand – so habe die SPD etwa versäumt, die Wähler mit Themen wie der Mindestrente und dem bedingungslosen Grundeinkommen aus ihren Existenzängsten herauszuholen – legt ihr Mann dann nochmal nach: „Die Sozialdemokratie, wie sie sich in Deutschland generiert, ist ein Modell, das so keine Zukunft hat“, so der AfD-Kommunalpolitiker.

Auf Hansens Wahlplakat zur Bundestagswahl standen die Worte „Freiheit statt Sozialdemokratie“ – seine Frau fühle sich davon aber nicht angegriffen: „Das nehm’ ich nicht persönlich, und er hat auch ein bisschen recht“, sagte sie und bemängelte die Bevormundung der Wähler durch die eigene Partei.

Einigkeit über politische Themen herrsche zwischen den beiden ungleichen Ehepartnern natürlich auch nicht immer. „Wir diskutieren ganz viel“, erklärte die Tierärztin. So ist sie etwa Verfechterin und er Gegner des bedingungslosen Grundeinkommens. Themen, über die man gar nicht mehr rede, gebe es jedoch keine: „Wir lassen zur Not auch unterschiedliche Meinungen stehen“, so Kerstin Hansen.