Versöhnliche Gesten zwischen Süd- und Nordkorea bei Eröffnung der Winterspiele

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Einmarsch der koreanischen Mannschaft

Mit einer farbenfrohen Feier sind die Olympischen Winterspielen in Südkorea eröffnet worden. Sportler aus 92 Nationen zogen bei der Eröffnungszeremonie in das Stadion von Pyeongchang ein

Gemeinsamer Einmarsch und historischer Handschlag: Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang haben Süd- und Nordkorea ein wichtiges Zeichen der Annäherung gesetzt. Sportler der beiden verfeindeten Staaten zogen gemeinsam in das Stadion von Pyeongchang ein. Auf der Tribüne reichten sich Südkoreas Präsident Moon Jae In und die Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un die Hand.

Südkoreas Staatschef erklärte die 23. Winterspiele am Freitagabend bei eisigen Temperaturen um 21.42 Uhr Ortszeit (13.42 MEZ) für eröffnet. Bis zum 25. Februar gehen in Südkorea mehr als 2900 Sportler auf Medaillenjagd. Sportler aus 92 Nationen zogen bei der Eröffnungszeremonie in das Olympia-Stadion ein. Höhepunkt war der gemeinsame Auftritt der koreanischen Athleten.

Die Winterspiele stehen im Zeichen der Annäherung zwischen Seoul und Pjöngjang. Das international isolierte Nordkorea hatte erst vor wenigen Wochen seine Beteiligung an dem sportlichen Großereignis bekannt gegeben. Die Athleten der verfeindeten Nachbarstaaten Nord- und Südkorea liefen unter lautem Applaus zusammen in die Arena von Pyeongchang ein. Die Delegationen beider Länder waren zuletzt bei der Eröffnung der Winterspiele 2006 gemeinsam aufgetreten.

Die koreanische Mannschaft wurde angeführt von dem südkoreanischen Bobfahrer Won Yun Jong und der nordkoreanischen Eishockeyspielerin Hwang Chung Gum, die gemeinsam die sogenannte Flagge der Vereinigung trugen. Eishockey-Spielerinnen aus Nord- und Südkorea kämpfen bei den Winterspielen gemeinsam um eine Medaille. Zwei Mitglieder der Mannschaft trugen die olympische Fackel die Tribüne hinauf. Südkoreas Eiskunstlauf-Star Kim Yuna entzündete schließlich das olympische Feuer.

Der gemeinsame Einmarsch der koreanischen Sportler sei eine "eine Botschaft des Friedens", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach. "Wir alle sind tief berührt von dieser großen Geste."

Im Stadion kam es auch zu einer historischen Begegnung zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae In und der jüngeren Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, Kim Yo Jong. Beide gaben sich während der Eröffnungsfeier zweimal die Hand.

Kim Yo Jong ist das erste Mitglied der Kim-Dynastie, das Südkorea seit dem Waffenstillstand von 1953 besucht. Im nordkoreanischen Staatsapparat ist die auf 30 Jahre geschätzte Frau in wichtigen Gremien vertreten. Sie ist alternierendes Mitglied des Politbüros des mächtigen Zentralkomitees der Staatspartei und mit Propaganda-Aufgaben betraut.

Kurz vor der Eröffnungsfeier hatte Südkoreas Präsident Moon das protokollarische Staatsoberhaupt Nordkoreas, Kim Yong Nam, empfangen. Dieser war zuvor zusammen mit Kims Schwester auf dem Flughafen Incheon westlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul gelandet. Am Rande der Winterspiele sollen Gespräche zwischen Vertretern der beiden koreanischen Staaten stattfinden. Für Samstag ist ein Mittagessen Moons mit Kim Yong Nam und Kim Yo Jong geplant.

In den vergangenen Monaten hatte sich der Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm verschärft. Die Führung in Pjöngjang verstieß mit Raketen- und Atomtests wiederholt gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Dieser verschärfte in mehreren Runden die Strafmaßnahmen gegen das abgeschottete Land.

Anfang des Jahres kam dann Bewegung in den Konflikt. Erstmals seit mehr als zwei Jahren trafen sich Regierungsvertreter aus Nord- und Südkorea zu direkten Gesprächen. Dabei kündigte Nordkorea seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Pyeongchang an.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) geht mit einem 153-köpfigen Team in die 102 Medaillenentscheidungen. Die deutschen Athleten liefen hinter Fahnenträger Eric Frenzel in das Stadion ein. Unter den Gästen der Eröffnungsfeier waren auch US-Vizepräsident Mike Pence, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Japans Regierungschef Shinzo Abe.

Die russischen Athleten treten in Südkorea unter neutraler Flagge an. Das IOC hatte Russland Anfang Dezember wegen Staatsdopings von den Winterspielen ausgeschlossen. Russische Sportler dürfen aber unter der olympischen Flagge antreten, wenn sie nachweislich nicht gedopt sind. Wenige Stunden vor Beginn der Winterspiele wies der Internationale Sportgerichtshof (CAS) den Einspruch von 47 Russen gegen ihre Olympia-Sperre ab.