EOS - der größte Krypto-Fail des Jahres


Block.one hat die Erwartungen selbst ganz weit nach oben geschraubt. Ihre neue Blockchain namens EOS sollte für Smart Contracts besser, schneller und günstiger werden als die bislang führende, Ethereum, mit der nach Marktwert zweitgrößten Kryptowährung Ether. EOS sollte gar „ein ganzheitliches Vorbild“ werden, für eine „Blockchain-basierte Gesellschaft“, in der die Technologie – ähnlich wie das Internet – weltweit skalierbar ist.

Vier Milliarden Dollar hat das Start-up aus den Cayman Islands mit dieser Vision eingesammelt und den Investoren im Gegenzug EOS-Tokens ausgezahlt. Der virtuelle Börsengang (ICO) war der größte aller Zeiten. Doch auch dieses gehypte Projekt ist spektakulär gefloppt. Das schadet nicht nur dem Start-up, sondern der gesamten Krypto-Branche.

Ein Jahr lang hat Block.one Geld eingesammelt, ohne dass die Technologie überhaupt funktionsfähig war. Der mehrmals verschobene Start Anfang Juni war dann alles andere als ein Vorbild für die Welt. 48 Stunden nachdem die Blockchain live war, ist sie Mitte Juni zusammengebrochen und war fünf Stunden nicht erreichbar.


Zwei Wochen später dann das nächste, und fundamentalere Problem: EOS hat sich eine eigene „Verfassung“ gegeben, in der unter anderem Regeln für Konfliktfälle festgelegt sind. Doch genau darum ist in den vergangenen Wochen ein heftiger Streit entbrannt. EOS hat eine Schlichtungsstelle, um Konflikte unter den Nutzern zu lösen. Die ist kurz nach dem Start bereits tätig geworden, weil ein geplanter Technologie-Switch für Chaos gesorgt hatte.

Die Token waren vor dem Launch der EOS-Blockchain übergangsweise auf der Ethereum-Blockchain gelistet. Der Umzug zu EOS jedoch lief nicht glatt, offenbar ist es Betrügern gelungen, Nutzer auf eine falsche Fährte zu locken und ihnen die Token zu stehlen. Daraufhin wurden sieben Konten von der Schlichtungsstelle gesperrt.

Doch die EOS-Nutzer trauen offenbar ihrem eigenen Schlichter nicht. So ein Konstrukt ist ungewöhnlich. Die Blockchain-Technologie setzt schließlich auf dezentrale Mechanismen, statt auf eine zentrale Schlichtungsstelle. Block.one hatte sie als zusätzlichen Mechanismus eingeführt. Denn anders als bei Bitcoin und bei Ethereum gibt es hier keine Schürfer, die sicherstellen, dass die Transaktionen korrekt sind. Es gibt stattdessen nur 21 sogenannte Block-Produzenten, die die Transaktionen verifizieren.

Das Misstrauen der Community bereitet auch Block.one große Sorgen. Technologie-Chef Dan Larimer schlug nun vor, die ganze Sache mit den Schlichtern noch einmal zu überdenken – es muss also eine neue Verfassung her.
EOS ist damit noch nicht am Ende. Der EOS-Token ist zur fünftgrößten Kryptowährung herangewachsen, mit einem Marktwert von 7,8 Milliarden Dollar in der Nacht zum Samstag. Doch das Vorgehen von EOS ist stümperhaft und schadet der gesamten Branche.

Die vielen Betrugsfälle bei Krypto-ICOs haben Investoren ohnehin verschreckt. Unprofessionelles Verhalten von den vermeintlich großen Spielern schadet der Krypto-Welt noch zusätzlich und ist unnötig. Leichtfertig wird in Kauf genommen, dass bei einer neuen Technologie schon mal so manches schiefgehen kann. Und wenn der Druck der Nutzer und Investoren zu groß wird, dann ändert man eben nochmal grundsätzliche Dinge.

Der Leidtragende ist am Ende der Nutzer. Daher zeigt auch dieses Beispiel wieder, dass man bei neuen Tokens unbedingt vorsichtig sein sollte. Wer den großspurigen Versprechungen der Start-ups glaubt, muss am Ende die Konsequenzen tragen.
Block.one macht unterdessen ungehindert weiter. Eine der vier eingesammelten Milliarden soll in eine Art Risikokapitalfonds fließen, der unter anderem in Start-ups investiert, die die EOS-Blockchain vorantreiben. Der wird nun, wie am Freitag verkündet wurde, von einem ehemaligen Wall-Street-Manager geführt. Michael Alexander, bis vor kurzem noch Asien-Chef der Investmentbank Jeffries, soll den Fonds verwalten. Der Hype um EOS ist trotz allem noch nicht vorbei.

Wohin steuert der Bitcoin, und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es jede Woche von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer neuen Krypto-Kolumne „Coin & Co.“. Heute Teil 23: EOS - der größte Krypto-Fail des Jahres.