Neuordnung auf dem Strommarkt: Eon will RWE-Tochter Innogy übernehmen

Eon will Innogy übernehmen

Auf dem Strommarkt steht eine Neuordnung an: Die RWE-Tochter für erneuerbare Energien, Innogy, soll vom Energiekonzern EON übernommen werden. EON habe über den Erwerb eine Grundsatzeinigung mit dem Konkurrenten RWE erzielt, teilten beide Unternehmen in der Nacht zum Sonntag mit. Demnach übernimmt EON den gesamten RWE-Anteil von 76,8 Prozent. Dafür soll neben einer Barzahlung von 1,5 Milliarden Euro ein "weitreichender Tausch von Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen" erfolgen.

Nach Angaben beider Unternehmen ist für einen Abschluss der Vereinbarung noch die Zustimmung der Gremien beider Konzerne erforderlich. Zudem stehe die Transaktion unter dem Vorbehalt der üblichen kartellrechtlichen Freigaben.

Nach Informationen des "Handelsblatt" wollten die Aufsichtsräte von Eon und RWE noch am Sonntag über die geplante Übernahme beraten. Beschlüsse und die Vertragsunterzeichnung seien für Montag geplant, zitierte die Zeitung aus mit der Transaktion vertrauten Kreisen. Die Transaktion hat demnach einen Wert von knapp 20 Milliarden Euro. Im Gegenzug solle RWE einen Anteil an Eon und einzelne Innogy-Teile erhalten.

Nordrhein-Westfalens Minister Armin Laschet (CDU) begrüßte die Pläne, mahnte aber zugleich eine Sicherung der Arbeitsplätze an. Es könne grundsätzlich eine sehr innovative Entscheidung sein, "ein Unternehmen zu haben, das sich zur Versorgungssicherheit sowohl den konventionellen Energien als auch den Erneuerbaren widmet, und ein anderes, was sehr auf den Vertrieb und die Netze in Deutschland achtet", sagte Laschet der "Rheinischen Post? (Montagsausgabe).

Zugleich betonte er, die Interessen der Beschäftigten seien "von größter Bedeutung". Er habe mit den Verantwortlichen in der Unternehmungsführung und den Gewerkschaften bereits am Wochenende über die Sicherung des Standorts und der Arbeitsplätze gesprochen.

Der künftige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) führt die Übernahme von Innogy durch Eon auf die Energiewende zurück. "Es handelt sich um eine unternehmerische Entscheidung", sagte er der "Rheinischen Post". Diese Entscheidung mache deutlich, "dass die großen Energieversorger sich auf die Energiewende einstellen und neue Geschäftsmodelle etablieren".

Der größter kommunale RWE-Aktionär sieht den Innogy-Verkauf kritisch. "Ich sehe den Deal skeptisch", sagte Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke DSW21, dem "Handelsblatt". Vor zwei Jahren erst sei Innogy geschaffen worden, jetzt solle es schon wieder zerschlagen werden. "Der Grund erschließt sich mir nicht", sagte Pehlke. Er mache sich Sorgen um die Standorte und Mitarbeiter. Dortmund hält über die Stadtwerke 3,6 Prozent der Anteile.

Durch die geplante Neuordnung der Stromriesen Eon und RWE würde nach Berechnungen des Energieportals Verivox Europas größter Energieversorger entstehen. Beide Unternehmen stünden für innovative Energieproduktion, sagte Dagmar Ginzel, Mitglied der Verivox-Geschäftsleitung, dem "Tagesspiegel" (Montagsausgabe). "Welche Auswirkungen der Deal auf die Stromkunden haben könnte, lässt sich heute aber noch nicht absehen", fügte sie hinzu.