Eon kann wieder angreifen

Eon ist raus der Krise: Die ersten neun Monate wurden mit einem Milliardengewinn abgeschlossen – und jetzt winkt auch noch viel Geld für die Uniper-Aktien des Konzerns. Operativ läuft es bei Eon aber noch nicht rund.


Seit Dienstag ist Stromproduzent Uniper, den Eon erst vor gut einem Jahr an die Börse gebracht hat, nach eigenem Empfinden mit einem „feindlichen“ Übernahmeangebot konfrontiert. Der finnische Energiekonzern Fortum bietet 22 Euro je Aktie, insgesamt acht Milliarden Euro. Für Eon-Chef Johannes Teyssen ist das Gebot dagegen außerordentlich erfreulich. Seinem Konzern winkt im kommenden Jahr der nächste große Zahltag. Eon will sein verbliebenes Paket von knapp 47 Prozent verkaufen – und wird dabei 3,76 Milliarden Euro einstreichen.

Der Spin-off Uniper und sein Vorstandschef Klaus Schäfer dürften damit schon wieder die Unabhängigkeit verlieren. Für Eon und Teyssen ist der Verkauf der nächste Schritt raus aus der Krise. Der Energiekonzern, der noch 2016 einen Rekordverlust von 16 Milliarden Euro verbuchte, verschafft sich zusätzlichen Spielraum, um in der neuen Energiewelt anzugreifen.


Dabei hat sich Eon schon überraschend schnell erholt. Unter dem Strich steht nach den ersten neun Monaten ein Nettogewinn von 3,9 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte Eon wegen gewaltiger Abschreibungen einen Fehlbetrag von 9,3 Milliarden Euro ausgewiesen.

In erster Linie profitiert der Energiekonzern schon von einem ersten Sondereffekt. Im Sommer musste der Bund die Brennelementesteuer, die Eon zwischen 2011 und 2016 bezahlt hatte, zurückerstatten: rund drei Milliarden Euro. Gemeinsam mit den anderen Atomkonzernen hatte sich Eon mit einer Verfassungsbeschwerde Erfolg. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Steuer für unzulässig.


Die Nettoverschuldung von Eon sank seit Ende 2016 um 6,5 Milliarden auf 19,7 Milliarden Euro. Das Eigenkapital erhöhte sich von 1,3 Milliarden Euro auf 6,2 Milliarden Euro. Aber auch bereinigt um Sondereffekte verbesserte sich der Nettogewinn um 50 Prozent auf 970 Millionen Euro. „Bilanziell haben wir Eon gestärkt“, schrieb Teyssen den Aktionären im Zwischenbericht.

Im operativen Geschäft muss Eon aber noch richtig in der neuen Energiewelt ankommen, auf die sich der Konzern seit der Abspaltung von Uniper konzentriert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 2,1 Milliarden Euro um acht Prozent niedriger als vor einem Jahr. Eon konnte aber im dritten Quartal wie schon im zweiten Quartal zulegen - und lag auch im Rahmen der Erwartungen.


Uniper-Paket bringt mehr als erwartet


Anfang des Jahres hatte der Konzern noch kräftigere Einbußen verzeichnet, die er jetzt nach und nach wieder wett macht. Die Netzsparte legte in den neun Monaten um 18 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Im Bereich Kundenlösungen gab das Ebit dagegen um 36 Prozent auf 350 Millionen Euro nach, obwohl sich auch hier im dritten Quartal die Situation verbesserte. Die erneuerbaren Energien büßten 20 Prozent auf 250 Millionen Euro ein.

„Wir liegen bei allen wesentlichen Zahlen und Entwicklungen im Plan und bestätigen daher unsere Prognose für das gesamte Geschäftsjahr", sagte Finanzvorstand Marc Spieker. „Wir sind auf einem guten Weg, uns neuen Spielraum für künftige Investitionen und höhere Dividenden zu erarbeiten.“


Dabei bringt der Verkauf des Uniper-Pakets mehr ein als erwartet. Im September 2016, als Eon 53,35 Prozent der Anteile abgab, ging die Aktie mit Kursen von 10 Euro an den Start. Damals wäre das restliche Paket von 46,65 Prozent nur 1,7 Milliarden Euro wert gewesen. Die Aktie des Stromproduzenten, das wegen seiner Kohle- und Gaskraftwerke zum Start noch als „Resterampe“ geschmäht worden war, hat seit dem Börsengang aber den Wert mehr als verdoppelt. Aktuell notiert sie mit fast 24 Euro sogar deutlich über Fortums Offerte.

Teyssen hat das Gebot aber praktisch schon akzeptiert. Eon hat mit Fortum eine Option vereinbart. Nimmt Eon sie nicht wahr, muss der Konzern eine Entschädigung von mindestens 750 Millionen Euro zahlen. Im Extremfall könnte sie sich sogar auf 1,5 Milliarden Euro summieren. Teyssen habe eben „den Sack zumachen“ wollen, meint Aktionärsschützer Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Bei Uniper stieß Teyssen mit dem Deal aber auf scharfe Kritik. Dessen Chef Klaus Schäfer wirft seinem ehemaligen Chef, unter dem er zuletzt Finanzvorstand war, vor, Uniper ohne Not schon wieder die Selbstständigkeit zu nehmen. Er hätte eine Platzierung an mehrere Investoren bevorzugt.

Teyssen wiederum ist überzeugt, eine gute Lösung gefunden zu haben. Er betont, dass er Fortum umfangreiche Zugeständnisse für die Zukunft von Uniper und seiner Beschäftigten abgerungen hat. Teyssen selbst kann sich bei Eon der Zukunft zuwenden. Sein Vertrag wird bald bis 2021 verlängert. Zur Bilanz-Pressekonferenz will er eine neue Wachstumsoffensive ankündigen.

KONTEXT

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.