Entwicklung der US-Renditekurve - Ehemaliger Fed-Chef warnt vor falschen Interpretationen


Der ehemalige Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, hat mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Es wäre ein Fehler, die unerwartete Abflachung der US-Renditekurve als Signal einer drohenden Rezession anzusehen, sagte er der „Financial Times“ (FT) zufolge.

Bernanke war mit den beiden ehemaligen US-Finanzministern Hank Paulson and Timothy Geithner zusammengekommen, um über die Erkenntnisse aus der Finanzkrise 2008 zu sprechen.

Bernanke äußerte seine Mahnung vor dem Hintergrund, dass der Abstand zwischen den Renditen von zehnjährigen und zweijährigen US-Staatsanleihen auf ein neues Elfjahrestief gefallen ist – nur noch 0,26 Prozentpunkte trennen sie. Eine solche Entwicklung – „inverse Zinskurve“ genannt – galt bisher als deutliches Warnzeichen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. In den vergangenen 50 Jahren sei dieses Szenario jedem Konjunkturabschwung vorausgegangen, schreibt die FT.


Doch laut Bernanke kann dies heute nicht mehr so interpretiert werden. „In der Vergangenheit war die Umkehrung der Renditekurve ein gutes Zeichen für Konjunkturabschwünge, nicht aber dieses Mal“, sagte er. Regulatorische Veränderungen durch die Zentralbanken hätten die Marktsignale verzerrt. Wie sehr diese verfälscht seien sagte Bernanke allerdings nicht.

Bernanke ist nicht der einzige Ökonom, der das so sieht. Neben anderen Finanzexperten sieht offenbar auch der amtierende Fed-Chef Jerome Powell die durch die Zentralbanken geschaffenen Besonderheiten. Außerdem sei das US-Finanzsystem robuster als es vor der letzten Krise war. Davor, im Jahr 2006, hatte sich die Renditekurve ähnlich verhalten wie derzeit.

Besorgnis drückte Bernanke allerdings wegen der langsamen Entwicklungen in Europa aus. Als Problem könnte sich außerdem auch herausstellen, dass der US-Kongress seit der vergangenen Finanzkrise gesetzliche Befugnisse abgeschafft hat, die der Fed und dem Finanzminister dienlich waren, um dem Aufkommen von Panik in der Finanzwelt entgegenzuwirken.


Das Finanzsystem sei heute ein stabileres, sagte auch Timothy Geithner. „Aber Sie haben ein schwächeres Instrumentarium für die Bewältigung einer extremen Krise.“ Die Finanzkrise 2008 habe gezeigt, „wie gefährlich es ist, keine Werkzeuge zu haben“.

„Denke ich, dass es in naher Zukunft eine Panik geben wird?“, fragte Hank Paulson. „Nein. Aber je länger wir warten, desto teurer wird es sein“, fügte er hinzu. Wenn die Wirtschaft so stark ist, sei der richtige Zeitpunkt, in der die US-Regierung sich um die Lösung unserer Probleme bemühen sollte.