EU-Arzneimittelbehörde lässt Biontech-Impfstoff ab zwölf Jahren zu

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Debatte über Corona-Impfung von Jugendlichen hält an

Den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer können bald auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren bekommen. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) erteilte dem Impfstoff am Freitag eine Zulassung für die Altersgruppe von zwölf bis 15 Jahren. Bisher war der Impfstoff in der EU ab einem Alter von 16 Jahren zugelassen. In Deutschland sorgten bereits vor der EMA-Entscheidung die Beschlüsse von Bund und Ländern zu Impfungen von Kindern und Jugendlichen für kontroverse Debatten.

Mit der Zulassung des Vakzins von Biontech/Pfizer steht in der EU erstmals ein Corona-Impfstoff für Kinder zur Verfügung. Der Impfstoff werde in der Altersgruppe "gut vertragen" und es gebe keine "ernsten Bedenken" wegen möglicher Nebenwirkungen, erklärte die Behörde mit Sitz in Amsterdam. Daten aus klinischen Tests zeigten, dass der Impfstoff bei den Zwölf- bis 15-Jährigen eine hohe Schutzwirkung habe.

Bundesregierung und Bundesländer hatten angekündigt, dass sich Kinder und Jugendliche in Deutschland ab dem 7. Juni gegen das Coronavirus impfen lassen können. Allerdings gibt es für sie keinen zusätzlichen Impfstoff, sie müssen sich wie alle anderen Impfwilligen um einen Termin bemühen.

Die Beschlüsse von Bund und Ländern stießen zum Teil auf deutliche Kritik. Von unterschiedlichen Seiten war von enttäuschten Hoffnungen die Rede, nachdem es im Vorfeld unter anderem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Ankündigungen zu baldigen umfassenden Impfangeboten gegeben hatte.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf Spahn vor, seine Versprechen nicht einhalten zu können, wonach zusätzlicher Impfstoff für Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stehen würde. Dies sei "ein richtiges Problem fürs Vertrauen", sagte sie den Sendern RTL und n-tv.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) warf Spahn eine fehlerhafte Kommunikation vor. "Alle sind eigentlich davon ausgegangen, dass 'zusätzlich' bedeutet, dass der Bund, der für die Zulieferung von Impfstoffen zuständig ist, zusätzliche Impfdosen zur Verfügung stellt, und dass das auch möglich ist", sagte Dreyer dem Sender "Phoenix".

Das sei schon ein "großes Missverständnis oder eine unglückliche Kommunikation", sagte die SPD-Politikerin. Ohne zusätzliche Impfstoffdosen werde es schwierig, Jugendliche mit Aufhebung der Priorisierung ab dem 7. Juni zu impfen.

Von "enttäuschten Hoffnungen", die Vertrauen kosteten, sprach der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy. Der Impfstoff sei "im Moment so knapp, dass er gerade einmal für die Zweitimpfungen" bei Erwachsenen reiche, sagte Dedy der Funke-Mediengruppe.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) bekräftigte ihre generelle Skepsis gegenüber einer breiten Impfkampagne für Kinder und Jugendliche. Stiko-Präsident Thomas Mertens warnte davor, über Impfungen von Schülerinnen und Schülern nach politischen statt nach medizinischen Kriterien zu entscheiden. Die Debatte dürfe nicht vom Wahlkampf überlagert werden, sagte er der "Rheinischen Post". Stiko-Mitglied Martin Terhardt verwies im Bayerischen Rundfunk erneut auf mögliche Impfrisiken für Kinder und Jugendliche, die "wir eben noch nicht ganz genau kennen".

Der Intensivmediziner-Verband Divi forderte bei den Impfungen "weiterhin höchste Priorität für Erwachsene". "Kinder erkranken häufig asymptomatisch oder im Verlauf harmlos und haben deshalb derzeit bei knappen Impfstoffkapazitäten keine dringliche Indikation für eine Impfung", sagte Divi-Generalsekretär Florian Hoffmann den Funke-Zeitungen.

Enttäuscht über die skeptische Haltung der Stiko äußerte sich der Deutsche Lehrerverband. Diese dürfte "viele, wenn nicht sogar die Mehrheit der Eltern davon abhalten, dieses Impfangebot für ihre Kinder wahrzunehmen", sagte der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

cax/gt

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