"Enttäuschend!" Höfl-Riesch schlägt Alpin-Alarm

Martin Volkmar, Andreas Kloo

Am Samstag geht es wieder los: Im österreichischen Sölden startet die Alpine Ski-Saison mit dem ersten Weltcup-Rennen (ab 10 Uhr im LIVETICKER).

Der Höhepunkt, auf den die Skistars hinarbeiten, sind aber die Olympischen Spiele im Februar im südkoreanischen Pyeongchang. Eine Medaille bei Olympia, davon träumt jeder Wintersportler.

Eine, die sich diesen Traum gleich mehrfach erfüllte, ist Maria Höfl-Riesch. Dreimal stand sie bei Olympia ganz oben auf dem Podest, auch einmal bei den vergangenen Spielen 2014 in Sotschi.

Ob ihr das eine ihrer Nachfolgerinnen im deutschen Frauen-Team nachmachen kann, da zeigt sie sich im Gespräch mit SPORT1 aber eher skeptisch.

"Wirklich sehr enttäuschend"

"Die letzten drei Jahre waren wirklich sehr enttäuschend", blickt die 32-Jährige auf die Winter nach ihrem Rücktritt 2014 zurück. "Mit Ausnahme von Viktoria Rebensburg ist eigentlich schon in den Jahren, in denen ich noch gefahren bin, mehr zurück als nach vorne gegangen", fügt Höfl-Riesch hinzu.

Zwei dritte Plätze von Rebensburg waren die magere Ausbeute für das deutsche Frauen-Team in der abgelaufenen Saison, bei der WM schrammte die Oberbayerin als Vierte im Super-G an einer Medaille vorbei.


Frischer Wind durch neuen Trainer?

Der DSV reagierte auf die schwachen Ergebnisse mit einem Trainerwechsel und installierte den Österreicher Jürgen Graller als neuen Cheftrainer.

Graller arbeitete zuletzt erfolgreich mit dem österreichischen Europacup-Team und machte die Zweite Reihe der ÖSV-Herren fit für die Weltspitze. (SERVICE: Der Weltcup-Kalender)

Höfl-Riesch ist trotz dieser personellen Maßnahme wenig optimistisch: "Ich hoffe, dass mit dem neuen Cheftrainer neuer Wind rein gekommen ist und dass die Mädels auch in der Breite wieder konkurrenzfähiger sind. Das müssen wir erst einmal abwarten. Es hieß jedes Jahr im Sommer 'Die Mädels sind gut drauf', im Winter kamen dann aber keine Ergebnisse."

Rebensburg trainiert fleißig

Die größten Hoffnungen ruhen auch in diesem Winter auf Rebensburg. Die Riesenslalom-Olympiasiegerin von 2010 hat als einzige das Potential zur Siegfahrerin. Höfl-Riesch sieht bei ihrer früheren Kollegin Anzeichen, dass sie das in der kommenden Saison auch wieder sein wird.

Im Sommer habe Rebensburg sehr fleißig trainiert: "Sie hat im Training ein bisschen was umgestellt und nochmal professioneller gearbeitet. Das war ihr Vorsatz, weil ihr die Konstanz gefehlt hat und sie teilweise körperliche Defizite hatte. Sie fährt zwar nicht alle Disziplinen, trotzdem aber alle außer Slalom und das ist ein strammes Programm im Winter. Da muss man körperlich voll fit sein, um mit den Besten mitzuhalten."

Vonn "voll auf der Rechnung"

Höfl-Rieschs größter Gold-Tipp für Pyeongchang ist aber ihre Freundin Lindsey Vonn: "Wenn sie im letzten Jahr gefahren ist, dann hat sie auch relativ starke Ergebnisse erzielt. Sie hat in Pyeongchang gezeigt, dass ihr die Strecke liegt. Für Olympia habe ich sie voll auf der Rechnung."

Vonns Plan, ein Rennen gegen Männer zu fahren wollen, wurde von vielen als PR-Maßnahme abgetan.  Höfl-Riesch verrät aber, dass ihre Freundin in der Praxis längst mit und gegen die US-Herren fährt, was ihrer Meinung nach gar das Erfolgsgeheimnis für die neue Saison sein könnte: "Lindsey hat gute Trainingsverhältnisse und mit den Männern trainiert. Das ist sicher ein smarter Schachzug, weil das nochmal ein anderer Gradmesser ist."

Höfl-Riesch selbst wird den Winter wieder als TV-Expertin erleben. Neben ihrer Tätigkeit als Fitnesscoach nimmt sie sich aber auch Zeit für soziales Engagement.

Dazu gehört auch die "Laureus Sport for Good Stiftung", die sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche fördert.

"Ich versuche, wo es geht, mich für Laureus zu engagieren. Das bedeutet auf Veranstaltungen anwesend zu sein und das Netzwerk zu pflegen. Es ist ganz toll, was da über die Jahre entstanden ist. Man muss aber immer dran bleiben, denn von alleine läuft das nicht. Deswegen engagiere ich mich dafür", erklärt Höfl-Riesch.