Fehlender Scharfsinn: Ancelotti kritisiert Bayern

Johannes Fischer
Carlo Ancelotti wurde nach der 0:3-Niederlage bei Paris Saint-Germain entlassen

Carlo Ancelotti hat bei einem Interview in Italien sein selbst auferlegtes Redeverbot zu seiner Entlassung beim FC Bayern etwas gelockert.

Anlässlich einer literarischen Preisverleihung in Turin wurde der italienische Trainer zu den Umständen der Trennung gefragt - und kritisierte dabei sowohl die Mannschaft als auch die die Führung des Rekordmeisters.

"In 22 Jahren hatte ich nie schlechte Beziehungen zu meinen Spielern. Ich treffe meine Entscheidungen", erklärte der 58 Jahre alte Coach. "Es ist nur so, dass es Scharfsinn benötigt, um meine Entscheidungen zu verstehen."


Damit reagierte Ancelotti offenbar auf das Unverständnis, das dem Trainer bei manchen Personalfragen entgegen gebracht worden war.

Und er monierte gleichzeitig die fehlende Rückendeckung durch die Verantwortlichen der Münchner: "Eine Führung muss auch die Kraft haben, meine Entscheidungen zu verteidigen."

"Noch Lust auf die tägliche Arbeit"

Insgesamt sei eine Trainerentlassung aber kein großes Ding. "Das ist der Fußball von heute, man muss keinen großen Wirbel darum machen." Gefreut habe er sich über "die Solidarität vieler Kollegen".

Als Trainer der italienischen Nationalmannschaft sieht sich Ancelotti allerdings noch nicht. "Dieser Tag ist noch weit entfernt. Ich habe noch Lust auf die tägliche Arbeit, auf den Geruch des Grases auf dem Spielfeld. Wenn ich dieses Bedürfnis nicht mehr spüren werde, werde ich eine Nationalelf übernehmen. Wenn es die italienische ist, umso besser", sagte er.

Ancelotti dementierte auch ein Interesse am Trainerposten beim AC Mailand. Dessen Coach Vincenzo Montella steht nach einem schlechten Saisonstart in der Kritik.

Auf die Frage, ob er denn auch dann zu der Preisverleihung gekommen wäre, wenn er nicht entlassen worden wäre, reagierte er mit einem Augenzwinkern. "Ja, aber um sicher zu gehen, haben sie mich in den Urlaub geschickt."

Seinen Humor hat Ancelotti also noch längst nicht verloren...