Enterprise-Blockchains: Warum uns nur Realismus weiterbringt

Max Kops

Blockchain-Technologien haben längst einen Stand erreicht, in dem sie für etablierte Unternehmen als Enterprise-Variante genutzt werden können. Oft sind die Erwartungen beim Thema Enterprise-Blockchains  jedoch nicht an der Realität ausgerichtet – ein Fehler, der teuer zu stehen kommen kann.

Die Blockchain-Vision: Weltverbesserung durch Dezentralisierung

Als „die“ Blockchain als Buzzword in den Mainstream gelangte, erhoffte man sich vielerseits einen gesellschaftlichen Umschwung, nahezu eine Änderung des gegenwärtigen Weltbildes. Die Dezentralität zum Selbstzweck bildete die höchste Priorität.

Es entwickelte sich eine Rebellion – die Blockchain würde viele Konzerne, Konglomerate und Machthaber aus dem Spiel werfen und sie durch eine dezentrale Technologie ersetzen.

Am Beispiel des Bitcoins sieht man, dass dezentrale Technologien eine enorme Schlagkraft haben. Insbesondere wenn es um die Disruption bestehender Systeme und Prozesse geht. Beschränkt man sich auf das Bitcoin-Netzwerk selbst, sind sämtliche Banken überflüssig.

Der verschwundene Mittelsmann

Bitcoin hat uns gezeigt: Wir brauchen nicht zwingend eine Bank als Mittelsmann, um ein Zahlungssystem aufzubauen. Ethereum hat uns gezeigt: Wir brauchen (in der Theorie!) nicht zwingend einen Notar, um Verträge zu schließen. Es ist deutlich: Oft entfällt der Mittelsmann. Das sollte jedes Unternehmen, das den Enterprise-Einsatz von Blockchain-Technologien in Erwägung zieht, bedenken. Insbesondere dann, wenn es gerade eine Mittelsmann-Position einnimmt und das Geschäftsmodell darauf fußt. Es mag passieren, dass eine Blockchain einen Teil der Mittelsmann-Rolle ersetzt. Dennoch: Besser ist, die Technologie gezielt zur Verbesserung der Prozesse einzusetzen und die Servicequalität zu erhöhen, als dass ein Start-up das Geschäftsmodell durch eine erstmalige Integration von Distributed-Ledger-Technologien obsolet macht.

Back to the Basics: Wo die Blockchain wirklich hilft

Der Hype um „die“ Blockchain hat die Technologie zu einem Buzzword gemacht, das von den meisten Menschen, die es zu ihrem Wortschatz zählen, kaum verstanden wird. Sie kann nicht dem Selbstzweck dienen, um „irgendetwas mit der Blockchain zu entwickeln“. Die zu hohen Erwartungen führen oft nur zu Fehlinvestitionen und einer Erhöhung der Kosten durch eine Technologie, die in manchen Fällen nicht anwendbar ist.

Um das volle Potenzial auszuschöpfen, sollten wir uns daher auf die entscheidenden Kernvorteile der Blockchain konzentrieren. Das sind Transparenz, Dezentralität, Sicherheit und Unveränderbarkeit.

Aus diesen essenziellen Vorteilen ergeben sich viele Anwendungsgebiete, in denen die Blockchain wirklich sinnvoll ist und enorme Verbesserungen hervorrufen kann. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Technologie die reine Explorationsphase durch Start-ups längst abgeschlossen hat. Unternehmen sollten sich also der Verantwortung annehmen, sich mit dieser Technologie auseinanderzusetzen. Nicht nur die oft zitierte radical innovation ist entscheidend. Auch sollte man den Einsatz in bestehenden Unternehmen, Systemen und Prozessen berücksichtigen.

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