Entdecker verrät: So kurios lief Moukokos erstes Training

Stefan Schnürle
·Lesedauer: 4 Min.

Als Youssoufa Moukoko im Oktober 2014 zum Probetraining beim FC St. Pauli erschien, staunte Jugendtrainer Jonas Louca nicht schlecht.

Sonst laufen die Nachwuchskicker oft mit den teuersten Fußballschuhen ihrer Idole auf - doch im Falle des in Kamerun geborenen Moukoko war das anders.

"Er kam zum Probetraining mit seinem Papa und hatte eine Sporttasche dabei. Er hatte aber keine Fußballschuhe mit Profil drunter, sondern nur Sportschuhe dabei", sagte Louca im Gespräch mit SPORT1.

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Ex-Trainer Louca: "Riesenfußballer auf dem Platz"

Nachdem der damals 9-Jährige mit Trainingsklamotten versorgt und passende Schuhe bei seinen Mitspielern gefunden wurde, merkte Louca jedoch sehr schnell, was für einen besonderen Fußballer er da vor sich hatte.

"Die Saison hatte erst begonnen, wir waren selbst noch in der Findungsphase mit der neuen Mannschaft. Dann kam er da an. Vor dem Training waren wir uns nicht sicher, was wir damit anfangen sollen. Aber das hat keine drei, vier, fünf Minuten gedauert und es war klar, dass da ein Riesenfußballer auf dem Platz steht", blickt Louca zurück.

Ausgezeichnet hat ihn Louca zufolge bereits die gleiche Fähigkeit, die ihn heute zu einem der begehrtesten Talente Europas machen: "Tore schießen. Wenn der den Ball hat und das Ziel hat ein Tor zu machen - ich kenn keine Quote, die annähernd so gut ist - macht er das Tor."

Sechs Jahre später steht Moukoko, der am Freitag seinen 16. Geburtstag feiert und inzwischen das Trikot von Borussia Dortmund trägt, vor seinem Bundesliga-Debüt. Beim Auswärtsspiel bei Hertha BSC kann Moukoko zum jüngsten Spieler der Bundesliga-Geschichte werden.

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Labbadia gewarnt: Moukoko weiß, wo das Tor steht

Der gegnerische Trainer Bruno Labbadia ist vor einer Einwechslung Moukokos auf alle Fälle gewarnt. "Er weiß, wo das Tor steht. Da ist das Alter absolut egal. Ob 16 oder 35 - wenn du Tore schießen kannst, dann wirst du gebraucht. Es wird sehr, sehr spannend sein", sagte Labbadia vor dem Duell mit dem BVB.

Auch sein Ex-Trainer Louca traut Moukoko zu, dass er im Profiteam von Dortmund sofort Fuß fasst: "Wir wissen es nicht, aber mir fällt kein Grund ein, warum nicht. Ob das jetzt morgen oder nächste Woche ist, keine Ahnung - aber ich glaube schon, dass er sich langfristig durchsetzen kann."

Louca kann sich sogar vorstellen, dass Stürmerstar Erling Haaland und Moukoko in Zukunft nebeneinander beim BVB stürmen werden, wenngleich er sich als zu weit weg sieht, "um solche Detailfragen beantworten zu können."

Darum trägt Moukoko Rückennummer 18

Ein Geheimnis kann er aber trotzdem lüften - und zwar das hinter Moukokos Rückennummer 18. Diese hat nämlich wenig mit einer Glücksnummer oder dem Nacheifern eines Idols mit der Nummer 18 zu tun, sondern ist reinem Zufall geschuldet.

"Youssoufa kam im Vergleich zu den anderen Spielern relativ spät zu uns. Die Nummern waren alle vergeben und dann war nur noch ein Trikot übrig, das war die 18. Und dann war klar, ohne auszusuchen, Youssoufa nimmt die 18."

Louca vermutet, dass er diese nun auch beim BVB trägt, da er mit dieser Nummer "viele positive Ergebnisse und viele Tore" verbindet.

Moukoko dominiert in Nachwuchs-Bundesligen

Viele Tore trifft es genau. Moukoko glänzte mit 90 Toren in 56 Spielen bei den B- und 44 Treffern in 23 Partien bei den A-Junioren in den Nachwuchs-Bundesligen. Zudem ist Moukoko Kapitän seiner Nachwuchsmannschaft und läuft bereits für Deutschlands U20 auf. Der Hype um ihn ist entsprechend groß.

"Ich lese, was die Medien schreiben, aber ich mache mir keinen Druck", sagte der 15-Jährige im Interview mit dem Vereins-TV. Beim ersten Training mit den Profis dachte er zwar schon "Wow, wo bin ich gelandet?", inzwischen habe er jedoch die Ehrfurcht vor den Stars abgelegt: "Ich höre nicht auf andere, ich folge nur meinem Weg."

Moukoko tritt erstaunlich reif und zielstrebig auf, so hat ihn auch Louca aus seiner Zeit bei St. Pauli in Erinnerung: "Er ist ein cooler Typ, Sportler durch und durch. Ehrgeizig auf dem Platz. Lustig und charmant neben dem Platz. Sehr herzlich. Er ist ein motivierter und motivierender Typ."

Moukoko hat mehr Follower als viele Bundesliga-Profis

Mit dieser Art kommt er nicht nur bei seinen Mitspielern, sondern auch bei Fußball-Fans gut an. 750.000 Abonnenten hat der Teenager auf Instagram - und damit mehr als zahlreiche langjährige Bundesligaprofis. Dennoch behält Moukoko bisher beide Füße auf den Boden.

"Bescheidenheit ist ein Charakterzug von ihm. Er ist klar im Kopf und weiß was er will - nicht nur sportlich, sondern auch grundsätzlich. Er hat ein ruhiges, stabiles Umfeld, was viel dazu beiträgt, dass er ein sehr bodenständiger Typ ist", schwärmt Louca.

Nach seinem 16. Geburtstag können sich die BVB-Fans nun auch in der Bundesliga ein Bild von ihm machen. Er selbst sieht eine mögliche historische Einwechslung dabei gewohnt entspannt: "Darüber mache ich mir gar keine Gedanken. Ich weiß, ich werde irgendwann mein Debüt geben."

Es würde wohl niemanden überraschen, wenn er jenes Debüt direkt mit einem Tor krönen würde.