Enissa Amani: Standhaft trotz drohender Gefängnisstrafe

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Der Komikerin Enissa Amani (37) ist derzeit nicht zum Lachen zumute. Ihr droht eine Gefängnisstrafe, nachdem sie sich geweigert hat, eine Geldstrafe von 1.800 Euro zu bezahlen.

Dem Rassismus die Stirn geboten

Die Anfänge des Rechtsstreits liegen schon Jahre zurück. Als der bayerische AfD-Politiker Andreas Winhart bei einer Wahlkampfveranstaltung im September 2018 das N-Wort benutzte und Geflüchteten unterstellte, in seinem Wahlkreis Krankheiten wie TBC, Krätze und HIV zu verbreiten, wurde es Enissa Amani zu bunt. Sie prangerte ihn auf Instagram unter anderem als "elenden Rassisten" sowie "Bastard" an und stufte seine Rede als Volksverhetzung ein, wie die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' schrieb. Der Politiker fackelte nicht lange und konterte mit einer Anzeige wegen Beleidigung. Doch während gegen die Deutsch-Iranerin ermittelt und eine Strafe verhängt wurde, stellte die Staatsanwaltschaft Traunstein die Ermittlungen gegen Winhart trotz mehrerer Anzeigen ein.

Enissa Amani will ein Zeichen setzen

Am Montag (15. November) meldete sich Enissa erneut zu ihrem Fall zu Wort und erklärte auf Social Media, dass sie mit der Höhe der Geldstrafe für eine Beleidigung kein Problem habe; die hätte ihrer Meinung nach ruhig höher ausfallen können. "Natürlich habe ich Andreas Winhart beleidigt und verdiene dafür eine Strafe", sagte sie im Gespräch mit 't-online'. "Aber ich werde diese Geldstrafe nicht zahlen, denn Herr Winhart ist für seine herabwürdigende Hetze straffrei davongekommen. Das halte ich für zutiefst ungerecht." Darum wäre sie bereit, die angedrohten 40 Tage ins Gefängnis zu gehen: "Ich möchte damit ein Zeichen setzen", erklärte Enissa kämpferisch.

Obwohl es leichter wäre, einfach die Strafe zu zahlen, geht es ihr um etwas Grundsätzliches – auch wenn sie damit ihrer Familie Angst macht. "Hier geht es um etwas Größeres, um Gerechtigkeit und um die Frage, wie in unserem Land Recht gesprochen wird. Aber warum es mir so schwerfallen würde, hat einen anderen Grund: Es gibt Menschen, die haben Angst um mich. Mein Vater zum Beispiel hat Tränen in den Augen und zittert vor Angst, wenn er hört, dass ich ins Gefängnis gehen würde. Ich sage ihm dann immer, dass das hier Deutschland ist und nicht der Iran oder Ecuador. Aber er fürchtet sich trotzdem", berichtete Enissa Amani, die sich trotz allem für Gerechtigkeit stark machen will.

Bild: Matthias Balk/picture-alliance/Cover Images

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