Energiewende macht Uniper zur harten Nuss für finnische Mutter

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(Bloomberg) -- Den Düsseldorfer Kraftwerksbetreiber Uniper SE in einen sauberen Stromerzeuger zu verwandeln, erweist sich als schwierige Aufgabe für Markus Rauramo, den Chef des finnischen Mutterkonzerns Fortum Oyj.

Die Kohlendioxidmissionen alter Kohle- und Gaskraftwerke der Düsseldorfer schnellen im Zuge steigender Strompreise und anziehender Verbräuche mehr als erwartet in die Höhe. Die Eindämmung der Verschmutzung durch solche Anlagen ist für den Erfolg von Programmen wie der “Fit for 55”-Strategie der Europäischen Union jedoch von entscheidender Bedeutung, da keine andere Branche so viel CO2 ausstößt.

Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in Europas größtem Strommarkt war bekannt, als Fortum 2017 begann, seine Beteiligung an Uniper aufzubauen. Aber vor der Abschaltung des letzten Kernkraftwerks in Deutschland im nächsten Jahr wächst die als Ersatz vorgesehene Solar- und Windkraftkapazität nicht schnell genug, so dass die Versorger gezwungen sind, auf Kohle- und Gaskraftwerke zurückzugreifen, um die Lücke zu schließen.

“Rauramo hat eine schwierige Aufgabe vor sich”, sagte Patricio Alvarez, Analyst für Versorgungsunternehmen bei Bloomberg Intelligence. “Ein Anstieg der erwarteten Emissionen aufgrund der wieder ansteigenden Stromnachfrage in diesem Jahr deutet darauf hin, dass es länger als erwartet dauern könnte, Uniper klimafreundlicher zu machen, da das Unternehmen möglicherweise noch einige Zeit auf die Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen angewiesen sein wird.”

Fortum hält inzwischen mehr als 75% an Uniper und Analysten rechnen mit einer vollständigen Übernahme bereits im nächsten Jahr. Obwohl die Integration ein finanzieller Erfolg war, ist sich Rauramo der Herausforderung bei der Umwandlung fossiler Ressourcen in sauberere Alternativen nur allzu bewusst.

Andere Energiebosse auf der ganzen Welt ringen mit denselben Fragen. Die Emissionen steigen weiter, da die Kohle zunehmend verwendet wird, um die wirtschaftliche Erholung voranzutreiben. Ob sie eingedämmt werden können, wird zu einem großen Teil über den Erfolg von Plänen wie dem Ziel der EU entscheiden, bis zur Mitte des Jahrhunderts die Emissionen auf Null zu reduzieren.

“Es ist auch unsere Pflicht, uns mit dem nicht so einfachen Teil des Übergangs zu befassen”, sagte Rauramo in einem Interview am Hauptsitz des Unternehmens in Espoo, Finnland. Die Option, den Anteil von Fortum an Uniper weiter zu erhöhen, hält er sich offen.

Dazu gehören hohe Ausgaben im kommenden Jahrzehnt. Fortum investiert bis 2025 rund 3 Milliarden Euro in Solar- und Windkraft, Wasserstoff und sauberes Gas. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, seine europäische Erzeugung bis spätestens 2035 kohlenstofffrei zu machen und plant, bis Ende 2025 mehr als die Hälfte seiner Kohlekraftwerke stillzulegen.

Ende der Kohle

Seit Dezember haben Fortum und Uniper die Stilllegung von etwa 40% ihrer Kohlekraftwerke beschleunigt, sagt Rauramo. Zu den Kraftwerken, die schneller als ursprünglich geplant vom Netz gehen werden, gehören Heyden-4, Wilhelmshaven-1 und Scholven-C in Deutschland sowie das Kraftwerk Ratcliffe in Großbritannien. Die russische Sparte des Unternehmens wird die Kohleverstromung bis Ende nächsten Jahres einstellen.

Unipers Kohlekraftwerk Datteln-4, das erst vor etwas mehr als einem Jahr in Betrieb genommen wurde, soll jedoch erst 2038 geschlossen werden. Das deutsche Unternehmen habe erklärt, dass es “offen für Gespräche” über einen schnelleren Ausstieg sei, sollten die deutschen Regierungsstellen neue umfassende Gespräche aufnehmen, so Rauramo.

Wie schwierig die Aufgabe des 53-Jährigen sein wird, wurde deutlich, als Uniper letzten Monat erklärte, dass die Emissionen seiner europäischen Erzeugungssparte in diesem Jahr wahrscheinlich um 21% steigen werden. Die Schätzung zu Beginn des Jahres lag bei einem Anstieg um 9%.

„Die Wiederherstellung des starken grünen Images von Fortum und die Erfüllung der Erwartungen der Aktionäre an die Transformation sowie die Integration von Uniper in Fortum werden die Herausforderung für das Unternehmen sein“, sagte Henri Parkkinen, Analyst bei der OP Group.

Letzten Monat warnten die führenden Klimawissenschaftler der Welt, dass sich der Planet in den nächsten zwei Jahrzehnten um 1,5 Grad Celsius erwärmen wird, wenn keine drastischen Maßnahmen zur Beseitigung der Treibhausgase ergriffen werden. Die Einschätzung des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen wurde von UN-Generalsekretär Antonio Guterres als “Alarmstufe Rot für die Menschheit” und als Todesstoß für Kohle und fossile Brennstoffe bezeichnet.

Die Energiewende erfordere “eine umfangreiche Stilllegung alter emissionsintensiver Anlagen” sowie saubere Energie, sauberes Gas und flexible Speicher, so Rauramo. “Mit Uniper sind wir geografisch genau dort, wo diese große Energiewende stattfindet”.

Überschrift des Artikels im Original:Going Green in Germany Looks Like Hardest Job for Fortum Boss

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