Energiesicherheit: LNG-Terminals sind 3,5 Milliarden Euro teurer als geplant

Technische Anlagen und ein Kran stehen auf dem Anleger für das LNG-Terminal in der Nordsee vor Wilhelmshaven. (Archivbild) - Copyright: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich
Technische Anlagen und ein Kran stehen auf dem Anleger für das LNG-Terminal in der Nordsee vor Wilhelmshaven. (Archivbild) - Copyright: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich

Die schwimmenden Flüssiggas-Terminals sind unabdingbar für die Energiesicherheit in Deutschland. Wie das Bundeswirtschaftsministerium auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters mitteilt, kosten die LNG-Terminals allerdings dreieinhalb Milliarden Euro mehr als ursprünglich veranschlagt. Die Erhöhung sei "aufgrund der sich dynamisch entwickelnden Situation notwendig".

3,5 Milliarden Euro mehr für die LNG-Terminals

Insgesamt seien derzeit 6,56 Milliarden Euro an Haushaltsmitteln für die Terminals vorgesehen, sagte das Bundeswirtschaftsministerium am Sonntag. Das Ministerium erklärte den drastischen Preisanstieg mit der „sich dynamisch entwickelnden“ Situation.

Gerade erst bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestags zusätzliches Geld für die Terminals. Das Ministerium erklärt: „Mittlerweile konnten in umfangreichen Abstimmungen mit zahlreichen Akteuren weitere Kosten bestimmt und zunächst prognostizierte Kosten konkretisiert werden.“ Gemeint seien mit weiteren Kosten etwa Betriebskosten oder Kosten für Infrastrukturmaßnahmen an Land.

Es brauche die Terminals dringend, um die Energiesicherheit im Land zu gewährleisten. „Insbesondere die Reduktion und dann der Wegfall von russischen Gaslieferungen machen sie zwingend notwendig“, so das Ministerium. Deutschland besitzt bislang keine Anlande-Terminals, benötige diese neue Infrastruktur aber zur Steigerung der Vorsorge und zur Diversifizierung.

15 Jahre gecharterte Terminals

Der "Spiegel" berichtet vorab außerdem, dass aus den Haushaltsunterlagen hervorgehe, dass zwei der Terminals für 15 Jahre gechartert werden müssten – und nicht für zehn Jahre wie ursprünglich geplant. Zwar habe Deutschland die Option verhandelt, den Zeitraum auf zehn Jahre zu verkürzen. Doch diese Entscheidung müsse binnen des kommenden Jahres fallen. Victor Perli, Linken-Haushaltspolitiker, sagt zum "Spiegel": „Die Ampelkoalition hat sich mit der alternativlosen Nutzung von LNG-Gas erpressbar gemacht und muss jetzt Milliarden draufzahlen.“

Und der Grünen-Haushaltspolitiker Sven Christian Kindler sagt: „Kurzfristig ist die Gasversorgung zu sichern, aber wir müssen aufpassen, dabei keine fossilen Überkapazitäten für die Zukunft zu schaffen. Wir brauchen im Haushaltsausschuss mehr Klarheit über die Kosten und Risiken der LNG-Projekte.“

Robert Habeck lobte den Bau der ersten deutschen Terminals für Flüssiggas, kurz auch LNG, innerhalb von 200 Tagen und nannte ihn einen zentralen Baustein für die Energiesicherheit. Er sagte nach der Fertigstellung eines Terminals in Wilhelmshaven am Dienstag: „Deutschland kann schnell sein und mit hoher Entschlossenheit Infrastrukturprojekte voranbringen, wenn Bund und Länder und die Projektbeteiligten an einem Strang ziehen.“

Ein zweites Terminal soll zum Jahreswechsel in Brunsbüttel in Betrieb gehen. Ein weiteres privates wird in Lubmin in Betrieb gehen. Im Winter 2023/24 sollen noch zwei weitere Terminals folgen. Es wird angenommen, dass mit den LNG-Terminals ein Drittel des deutschen Gasbedarfs gedeckt werden kann, – gemessen am Verbrauch aus 2021. Zum Vergleich: Aus Russland kamen die vergangenen Jahre etwa 50 Prozent. Die Lücke solle vor allem durch Gaseinsparungen geschlossen werden.

lidi