Energiekonzern EWE hat neuen Chef

Seit Februar war der Versorger aus Oldenburg ohne Chef und hatte nur noch zwei Vorstände: Jetzt hat der Aufsichtsrat das Führungschaos vorläufig beendet. Vattenfalls Finanzvorstand Stefan Dohler wird neuer Vorstandschef.


Eigentlich ist der Vorstand des Oldenburger Regionalversorger EWE auf fünf Mitglieder ausgelegt, seit Februar war er aber nur noch mit zwei Vorständen besetzt. Vor allem aber ist das Unternehmen, das immerhin 7,5 Milliarden Euro umsetzt, seither ohne einen Vorstandschef.

Nach und nach waren der EWE die Führungskräfte abhanden gekommen. Anfang des Jahres stolperte dann der bisherige Chef Matthias Brückmann über eine umstrittene Spende an die Klitschko-Stiftung. Und auch die geplante Berufung von zwei neuen Vorständen wurde wegen des Verdachts von Compliance-Verstößen in ihrem früheren Verantwortungsbereich wieder abgesagt.

Jetzt hat der Aufsichtsrat der EWE das Führungschaos zumindest teilweise beendet - und einen neuen Vorstandschef berufen: Stefan Dohler, Finanzvorstand beim schwedischen Energiekonzern Vattenfall soll das Amt übernehmen. Dies teilte das Unternehmen am Montag im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrats mit.


„EWE hat beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung in der sich in Transformation befindlichen Energiewelt“, freute sich Dohler. Tatsächlich gilt das Unternehmen auch als innovativ. EWE ist einer der wenigen Stromversorger, der nach wie vor Telekommunikation anbietet. Der Regionalversoger hat auch schon früh in erneuerbare Energien investiert und ist sogar an Offshore-Windparks beteiligt. Im Nordwesten Deutschlands, in Brandenburg und auf Rügen sowie in Teilen Polens und der Türkei beliefert das Unternehmen über 1,3 Millionen Kunden mit Strom, fast 1,8 Millionen mit Erdgas sowie rund 780.000 mit Telekommunikationsdienstleistungen.

Dohler erwartet aber auch ein Unternehmen, das seit Jahren mit Skandalen und Compliance-Problemen kämpft. Er muss sich mit einem Aufsichtsrat arrangieren, der von Landräten aus der Region dominiert wird, schließlich ist EWE zu 84 Prozent im Besitz von Städten und Landkreisen aus dem Gebiet Ems-Weser-Elbe. Er muss entscheiden, ob die Kandidaten Timo Poppe und Torsten Maus doch noch Vorstände werden können. Der Aufsichtsrat sieht sie nach dem Abschluss einer Untersuchung entlastet. Und dann wehrt sich Ex-Chef Brückmann noch vor Gericht gegen seinen Rauswurf.


Dohler hatte 1998 beim Hamburger Energieversorger HEW, einem der Vorgängerunternehmen von Vattenfall, begonnen und in den vergangenen Jahren verschiedene Führungspositionen bei Vattenfall ausgeübt. 2012 wurde er Mitglied des Executive Management Teams der Vattenfall-Gruppe. Im Dezember vergangenen Jahres wurde er dann zum Finanzvorstand bestellt. Der 50-jährige ist gelernter Seemann, Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und besitzt einen Master of Business Administration (MBA).
Bernhard Bramlage, Vorsitzender des EWE-Aufsichtsrates, zeigte sich erleichtert: „Wir freuen uns, mit Stefan Dohler einen exzellenten Fachmann und eine ausgewiesene Führungskraft gewonnen zu haben.“

Noch lässt ihn Vattenfall aber nicht aus dem Vertrag. Dohler bleibe "zunächst in seiner bisherigen Position, um einen reibungslosen Übergang seiner Verantwortungsbereiche als CFO sicherzustellen", erklärten die Schweden. EWE teilte mit, Dohler solle „zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens zum 1. April 2018“ antreten.

Die beiden verbliebenen Vorstände müssen also vorerst noch alleine weiter machen.