Energiebranche wehrt sich gegen jährliche Zahlungen an Landwirte beim Netzausbau

Hochspannungsleitung in Niedersachsen

Zwischen der Energiebranche und den deutschen Bauern bahnt sich neuer Streit um Entschädigungen für die Landwirtschaft beim Netzausbau an. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) veröffentlichten am Mittwoch ein Gutachten zu Forderungen der Bauern nach höheren Entschädigungen für die Verlegung von Stromleitungen. Diese Forderungen seien "nicht nur überflüssig, sondern auch vollkommen unverhältnismäßig", heißt es darin.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) strebt an, dass Landwirte neben der bereits geltenden Einmalzahlung für den Leitungsbau auf ihren Grundstücken eine jährliche Pachtzahlung erhalten. Unterstützt werden sie dabei von der CSU. Die beiden Energieverbände halten diese Forderungen für "volkswirtschaftlich völlig überzogen". Sie stünden zudem in keinem Verhältnis zum "gegenwärtigen Verkehrswert" der beanspruchten Flächen, erklärte Stefan Kapferer vom BDEW in Berlin.

Nach Berechnungen der Verbände würden die Zahlungen die Kosten der Energiewende "unnötig und ungerechtfertigt" in die Höhe treiben. So würden jährliche Mehrkosten von rund 175 Millionen Euro anfallen, heißt es in dem Rechtsgutachten. "Summiert auf die durchschnittliche Abschreibungsdauer von Netzinvestitionen kämen rund sieben Milliarden Euro zusammen ? und das bei geschätzten Investitionskosten von 18 Milliarden Euro für den Netzausbau", heißt es weiter. Damit würden die Kosten für die Stromverbraucher um über ein Drittel steigen, monierte der VBEW.

Der Bauernverband wies die Bedenken als "unbegründet" zurück. Vielmehr könnten angemessene Entschädigungen unter anderem dazu beitragen, durch einen beschleunigten Netzausbau Abschaltkosten in Milliardenhöhe zu vermeiden, erklärte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken am Mittwoch. Solche Kosten betrügen "ein Vielfaches" der Entschädigungsforderungen. Derzeit würden die Bauern mit "symbolischen Beträgen" abgespeist. Die künftige Regierung müsse daher dafür sorgen, "dass Landwirte beim Netzausbau nicht die alleinigen Lastenträger bleiben", forderte der DBV.