Die Energie-Dinosaurier geben sich friedlich

Die erste gemeinsame Pressekonferenz von E.On-Chef Teyssen und RWE-Boss Schmitz ist eine Zäsur in der Energiebranche. Beide zeigen sich bemüht, keine Furcht vor der neuen Macht ihrer Konzerne aufkommen zu lassen.

Historische Anlässe erkennt man mitunter an einfachen Gesten. In der Energiebranche konnte man den Umbruch am Dienstag am Lächeln von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz in Richtung seines einstigen Erzrivalen  Johannes Teyssen ablesen. Wohlwollend blickte er dem E.On-Chef ins Gesicht, als dieser bei einer gemeinsamen Erklärung in der Essener Messehalle das Ende eines jahrzehntelangen Gefüges in der Energiebranche verkündete: Die Rivalität zwischen E.On und RWE soll durch einen Mega-Deal zwischen den Konzernen beigelegt werden.

So wollen sich die Konzerne über die Zerschlagung der einstigen RWE-Tochter Innogy gemeinsam neu aufstellen. E.On beabsichtigt die Übernahme der 77 Prozent, die RWE noch an Innogy hält. RWE soll im Zug der Neuordnung einen Anteil von rund 17 Prozent an E.On erhalten und das Geschäft mit erneuerbarer Energie von E.On übernehmen. Damit ändern sich auch die Geschäftsbereiche der Konzerne fundamental: RWE will sich auf das Geschäft der Energieerzeugung aus allen Ressourcen konzentrieren. E.On spezialisiert sich hingegen auf das Geschäft mit den Netzen und dem Vertrieb.

Seit der Deal am Wochenende frühzeitig publik wurde, häuften sich die Fragezeichen um diese Transaktion. Besonders Mitarbeiter von Innogy fürchten einen Kahlschlag ihrer Jobs. Doch auch Verbraucherschützer rechnen mit Nachteilen für Stromkunden durch die wieder erstarkenden Dinosaurier der Energiebranche.


Sowohl Teyssen als auch Schmitz versuchten diese Bedenken in ihren Reden auszuräumen. "Nach ersten Berechnungen können wir jetzt schon sagen, dass insgesamt maximal 5000 Arbeitsplätze im erweiterten Unternehmen durch die Integration betroffen sein werden", sagt Teyssen und rechnete die Zahl klein: "Bei weit mehr als 70.000 Mitarbeitern sind das weniger als sieben Prozent." Gleichzeitig sendete der E.On-Chef klare Signale an die Mitarbeiter von Innogy: "Wir haben großen Respekt vor ihrer Leistung. Zusammen werden wir mit weit mehr als 70.000 Mitarbeitern eine starke, leistungsbereite und kreative Mannschaft für unsere Kunden darstellen."

Dass die Energiekonzerne die Gewerkschaften von ihrem Projekt überzeugen konnten, mag auch den jüngsten Turbulenzen bei Innogy geschuldet sein. Ende 2017 musste CEO Peter Terium überraschend den Vorstandsposten räumen. Eine Gewinnwarnung war ihm zum Verhängnis geworden. Am Montag gab Innogy zudem bekannt, dass der Nettogewinn im Vorjahr um rund 50 Prozent eingebrochen ist.


Bei RWE sei laut Schmitz hingegen kein Arbeitsplatzabbau geplant. Allerdings räumte der Vorstandschef ein, dass die Transaktion "für die Beschäftigten in allen drei Unternehmen von großer Tragweite" sei und sie mit "Unsicherheit für die betroffenen Mitarbeiter" einhergehe. Der Sorge der Verbraucherschützer vor steigenden Strompreisen trat vor allem der E.On-Chef entgegen. "Energiekunden werden weiter die freie Wahl haben. Denn nie war es leichter den Stromanbieter zu wechseln als heute", sagte Teyssen.

Gleichzeitig betonten beide Konzernchefs die "Position der Stärke", die beide Unternehmen mit der Transaktion einnehmen würden. So würde RWE laut Schmitz "zum zweitgrößten Offshore-Betreiber und zur Nummer drei bei den Erneuerbaren insgesamt". Teyssen kommentierte den Übergang der Erneuerbaren von E.On zu RWE süffisant: "Wir lieben Erneuerbare weiter. Aber wir sind sicher, dass sie in gute Hände kommen."


Die Vorteile des Deals liegen für den E.On-Chef klar auf der Hand: "Wir erreichen mit dieser Transaktion eine Transformation von E.Ons geschäftlichen Aktivitäten in den beiden wichtigen Kerngeschäften rund um unsere Kunden - intelligente Netze und Energielösungen." Demnach würde E.On durch die Transaktion "ein signifikanter Wachstumssprung in allen operativen Kennzahlen" gelingen. RWE wird durch die Transaktion zum Energiekonzern gleichermaßen für konventionelle wie auch erneuerbare Energien. Dabei wird der Erfolg von E.On künftig auch der Erfolg von RWE sein: "Wir erhalten ein Aktienpaket von 16,7 Prozent an der E.On SE. So werden wird künftig teilhaben an Dividendenzahlungen und am Wertzuwachs des Unternehmens", sagte Schmitz.

Rückenwind für die Fusion haben beide Konzerne durch ihre Jahresergebnisse. Sowohl E.On als auch RWE scheinen die Krise überstanden zu haben. E.On legte nach einem Rekordverlust 2016 am Montagabend glänzende Zahlen vor: Der Konzern kündigte an, bis 2020 denn um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um jährlich durchschnittlich drei bis vier Prozent steigern zu wollen. 2017 fuhr der Konzern hier 3,1 Milliarden Euro ein, im laufenden Jahr sollen es 2,8 bis 3,0 Milliarden sein. Auch RWE legte am Dienstag Zahlen für 2017 vor. Nach einem Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro 2016 fuhr der Konzern im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 1,9 Milliarden Euro ein.

Noch steht der Optimismus der Konzernlenker allerdings unter Vorbehalt. Denn die Wettbewerbsbehörden müssen dem Deal erst noch zustimmen.