Endlich Urlaub – auch fürs Depot

DER AKTIONÄR
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Endlich Urlaub – auch fürs Depot

Endlich Urlaub – auch fürs Depot

Der Sommer hat begonnen, bald geht es ab in den Urlaub. Der liebe Nachbar gießt zwar die Blumen und leert den Briefkasten. Doch wer kümmert sich um das Wertpapierdepot? Um entspannt in die Sommerferien zu fahren, sollte man als Anleger das eigene Depot „reisefest“ machen.

Börse macht keine Ferien
Auch im Sommer sind große Marktschwankungen möglich, denn die Märkte machen schließlich keine Ferien. Wer also während der Urlaubszeit nicht ständig sein Depot im Blick haben möchte, sollte sich gegen Kursschwankungen absichern. In einem ersten Schritt gilt es, das Depot genau auf mögliche Risiken zu prüfen. Welcher Index ist aktuell für Schwankungen anfällig? Welche Papiere versprechen im derzeitigen Marktumfeld mehr Risiken als Chancen? Stimmt die Anlagestrategie noch? Langfristig orientierte Anlagen brauchen zwar nicht zwangsläufig gegen mögliche kurzfristige Schwankungen abgesichert zu werden – kurzfristig orientierte Positionen dagegen schon.

Klassischer Stop-Loss
Für solche Fälle eignet sich vor allem die klassische Stop-Loss-Order, die bequem bei jedem Onlinebroker, aber auch beim Bankberater aufgegeben werden kann. Die Idee dahinter: Kauf- und Verkaufsanträge lassen sich an bestimmte Marktbedingungen und -erwartungen knüpfen und werden dann automatisiert ausgeführt. So können Privatanleger auf unkomplizierte Weise professionelle Handelsstrategien umsetzen. Bei dieser Order definiert der Anleger eine Stop-Loss-Schwelle, die unterhalb des aktuellen Preises liegt. Dabei stellt der Anleger eine Verkaufsorder mit dem Orderzusatz Stop-Loss ein. Berührt der Kurs diese Marke, wird das Wertpapier zum nächstmöglichen Preis verkauft. Allerdings wird das Papier dabei meist nicht exakt zum Wert der Stop-Loss-Schwelle verkauft. Dazu ein Beispiel: Ein Anleger besitzt ein Wertpapier, das aktuell bei 100 Euro notiert. Gekauft hat er das Papier zu 80 Euro. Um seinen Gewinn abzusichern, setzt der Anleger ein Stop-Loss-Limit bei exakt 80 Euro. Als er ein paar Tage später in sein Depot schaut, stellt er fest, dass das Wertpapier zu 79 Euro verkauft wurde. Denn nach Erreichen des gesetzten Stopps wird das Papier automatisch mit einer unlimitierten Order in das Orderbuch eingestellt und der Verkauf erfolgt dann zur nächsten Kursfeststellung. Weil zahlreiche andere Verkaufsorders auf dieser Marke gesetzt waren, konnte die Stop-Loss-Order erst bei 79 Euro ausgeführt werden. Der Grund dafür: Aufgrund des erhöhten Angebots durch die zahlreichen weiteren Verkaufsorders fiel der Kurs zunächst um einen Euro, bevor die Order des Kunden ausgeführt werden konnte.
Bei häufig gehandelten Wertpapieren, etwa bei Aktien aus dem DAX, spielt dieser Aspekt kaum eine Rolle. Aber bei illiquiden Werten müssen Anleger damit rechnen, dass der Verkauf zu einem niedrigeren Kurs ausgeführt wird. Besonders stark ist dieser Effekt bei runden Kursmarken ausgeprägt. Die meisten Anleger legen ihre Stop-Loss-Barrieren auf gerade Marken, was zu einer Ansammlung von Stop-Loss-Ordern im Orderbuch an dieser Stelle führt. Erreicht ein Wertpapier eine solche Marke, muss eine Vielzahl an Orders nachei­nander ausgeführt werden. Somit kann es zu einem weiteren Kursverfall kommen, bevor die eigene Order ausgeführt wird. Deswegen ist es ratsam, den Stopp nicht bei glatten Marken zu setzen, sondern etwas darüber.

Stopp mit Limit
Hier können Anleger auch auf eine sogenannte Stop-Limit-Order zurückgreifen. Der Anleger legt dabei eine Stop-Loss-Marke unterhalb des aktuellen Marktpreises und ein Verkaufslimit unter dieser Marke fest. Bei Erreichen der Stop-Loss-Schwelle entsteht eine limitierte Verkaufsorder. Wird danach ein Wertpapierpreis über oder gleich dem Verkaufslimit ermittelt, wird die Order ausgeführt. Damit entfällt zwar das Risiko eines niedrigeren Ausführungskurses, aber es entsteht die Gefahr, dass die Order dann nicht ausgeführt wird, wenn der Kurs nach Unterschreiten der Stop-Loss-Schwelle dauerhaft unterhalb des Verkaufslimits bleibt. Das heißt, der Anleger bleibt investiert, wenn es zu einer längeren negativen Kursentwicklung kommt.
Den Typus der Stop-Limit-Order gibt es übrigens auch als Kaufauftrag. In diesem Fall definiert der Anleger ein Kauflimit und eine Stop-Buy-Marke, die über dem aktuellen Marktpreis liegen, wobei das Kauflimit oberhalb der Stop-Buy-Marke zu setzen ist. Nach Durchbrechen der Stop-Buy-Marke entsteht eine limitierte Kauforder und geht so an den Markt.
Zur Verlustbegrenzung in Urlaubszeiten taugen darüber hinaus weitere intelligente Ordertypen, mit denen man die Orderausführung für Aktien, Zertifikate, Fonds oder Anleihen an bestimmte Marktbedingungen anpassen kann. Je nach Ordertyp und Situation lassen sich so unterschiedliche Strategien verfolgen. Entscheidend ist hier daher eine realistische Einschätzung der persönlichen Risikobereitschaft und des Anlagehorizonts. Jeder sollte sich somit vor der Abreise in den Urlaub Gedanken darüber machen, wie viel Risiko er eingehen möchte und welchen maximalen Verlust er bereit ist zu akzeptieren – kurz: welche Anlagestrategie er verfolgt.
Wer beispielsweise von steigenden Märkten ausgeht, sich aber trotzdem nach unten absichern möchte, kann eine Trailing-Stop-Order nutzen. Bei diesem intelligenten Ordertyp versehen Anleger eine Position mit einem sich dynamisch anpassenden Absicherungsniveau und lassen so in steigenden Märkten Gewinne kontrolliert laufen. Das Nachziehen des Stop-Limits im gewählten Abstand erfolgt dabei automatisch. Fallen die Kurse, greift das zu dem Zeitpunkt gültige Limit: Wird es erreicht, wird der Verkauf des Wertpapiers ausgelöst. Die Anleger begrenzen also Risiken und müssen nicht ständig selbst den Markt beobachten und die Stop-Limits manuell anpassen. Je nach Bank kann der Abstand zwischen dem Kurs und dem Stop-Limit in der Ordermaske als absoluter Wert oder als Prozentsatz angegeben werden, auch beide Möglichkeiten parallel stellen einige Banken zur Verfügung. Um Kursschwankungen auch bei einer längeren Laufzeit der Order gleichmäßiger abzusichern, sollte man dabei immer den prozentualen Abstand wählen. Je volatiler das Wertpapier ist, desto größer sollte der gewählte Abstand sein.

Portfolio im Blick
Sollten Anleger trotz intelligenter Ordertypen im Urlaub ihr Portfolio im Blick behalten und auf relevante Entwicklungen der Märkte reagieren wollen, stehen ihnen Apps ihrer Broker oder, wenn es unabhängig und kostenlos sein soll, die der Börse Stuttgart zur Verfügung. Neben Echtzeitkursen aller gehandelten Wertpapiere bietet die App ein besonderes Feature: Dank der Realtime-Limit-Überwachung behalten Anleger ihre Wertpapiere auch von unterwegs immer im Auge. Mit Push-Nachrichten informiert die App über das Erreichen vorab definierter Schwellenwerte jedes Wertpapiers auf der Watchlist. Es empfiehlt sich aber, sich vor Reiseantritt darüber zu informieren, welche Kosten für die Datennutzung im Ausland anfallen. Richtig entspannen kann man mit dem täglichen Blick auf die Kurse jedoch nicht unbedingt.

Absicherung mit Puts – so geht’s
Profis nutzen daher zur Depotabsicherung Put-Optionsscheine. Wie das in der Praxis geht, erklärt folgendes Schaubild an einem konkreten Beispiel.