Ende der Schaltwagen: VW liefert neue Modelle bald nur noch mit Automatik aus

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Vor allem vergleichsweise günstige Modelle, wie z.B. das Polo-SUV T-Cross, werden noch mit Handschaltung angeboten.
Vor allem vergleichsweise günstige Modelle, wie z.B. das Polo-SUV T-Cross, werden noch mit Handschaltung angeboten.

Für das manuelle Getriebe hat bei Volkswagen das letzte Stündlein geschlagen. Wie das Fachmagazin "Auto Motor und Sport" berichtet, werden die Wolfsburger all ihre Neuerscheinungen ab 2023 ausschließlich mit Automatikgetrieben ausliefern. Den Anfang soll die dritte Generation des Tiguan machen, wenige Monate später soll dann das Mittelklasse-Modell Passat mit seiner neunten Generation nachziehen.

Ab 2030 wird Volkswagen dann gar keine neuen Schaltgetriebe mehr produzieren. Nochmals rund drei Jahre später möchte der Hersteller zumindest in Europa seine komplette Modellpalette auf rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge umgestellt haben. Letztere sind fast immer mit einer stufenlosen Automatik ausgestattet. Automatische Zweiganggetriebe, wie beispielsweise beim Porsche Taycan, sind bisher das höchste der Gefühle.

Die Nachfrage nach manuellen Getrieben sinkt

Laut der Autozeitschrift sollen den Autobauer vor allem finanzielle Gründe zu diesem einschneidenden Schritt bewegt haben. Angesichts des stetig schrumpfenden Anteils von Autos mit manuellem Getriebe am Gesamtabsatz, lohnt es sich einfach nicht mehr, Geld in die Weiterentwicklung und Optimierung der aus der Mode gekommenen Technologie zu stecken.

Während Puristen und sportlich ambitionierte Fahrer weiterhin auf knackig abgestufte Schaltgetriebe und den damit verbundenen Fahrspaß schwören, hat die breite Masse der Autofahrer schon längst die mit einer Wandlerautomatik oder einem Doppelkupplungsgetriebe verbundenen Komfort zu schätzen gelernt.

Die Automatik wird erschwinglicher

Diesen Wandel unterstreichen auch die aktuellen Zahlen des Marktanalysten Jato: In Deutschland werden derzeit insgesamt 5.838 Automodelle angeboten. Von diesen sind nur noch 1.870 mit einer Handschaltung bestellbar. Volkswagens PKW-Sparte hat derzeit insgesamt 353 Modellvarianten im Programm, die sich auf insgesamt 15 Baureihe aufteilen - 214 von ihnen, und damit der bei weitem überwiegende Teil, sind schon jetzt mit einem automatisierten Getriebe, also einer Wandlerautomatik, oder einem markentypischen DSG, ausgestattet.

Dieser Umbruch hat Jahrzehnte gedauert. Nach ihrem Aufkommen in den Dreißiger- und Vierzigerjahren, waren Automatikgetriebe vor allem den Fahrzeugen der automobilen Oberklasse vorbehalten oder eben ein kostspieliges Extra. Über die Jahre sind sie aber immer preiswerter geworden und konnten sich auch in niedrigeren Segmenten etablieren. Deshalb hat unter anderem auch die schwäbische Premium-Marke Mercedes den Abschied von der Handschaltung verkündet. Hier lag deren Anteil aber seit jeher niedriger, als bei dem niedersächsischen Massenproduzenten.

Bei aktuellen Golf GTI dürfen Fans der Handschaltung nochmal beherzt zugreifen.
Bei aktuellen Golf GTI dürfen Fans der Handschaltung nochmal beherzt zugreifen.

Polo und Golf GTI nochmals mit manuellem Getriebe

Mittlerweile muss sogar bei einem Großteil der Kleinwagen nicht mehr per Hand geschaltet werden. Manuelle Getriebe sind derzeit vor allem bei den Einstiegs- oder eben bei den Sportversionen der Automodelle zu finden. Dies dürfte neben dem gesteigerten Komfort und der gewachsenen Kundenakzeptanz einen weiteren Grund haben: Mit automatisierten Getrieben lassen sich zum Teil die Normverbräuche auf dem Prüfstand dezent senken, was angesichts der verschärften EU-Abgasnormen eine immer höhere Bedeutung bekommt.

Es verwundert also kaum, dass Volkswagen das Schaltgetriebe nach und nach in den Ruhestand schickt. Dabei hatten die Wolfsburger ihren Fans noch 2020 Hoffnung gemacht: Während es Konkurrenten wie den Renault Megané RS schon seit Jahren nur noch mit Doppelkupplungsgetriebe gibt, haben die Niedersachsen der GTI-Version des aktuellen Golfs nochmals eine Variante mit Handschaltung gewährt. Ein Jahr zuvor hatten sie dem kleineren Polo GTI nachträglich ein manuelles Getriebe verpasst. Der sportliche Kleinwagen war anfangs nur mit DSG bestellbar. Angesichts der konsequenten Elektro-Strategie der Marke wird es solche emotionalen Entscheidungen bei den Niedersachsen aber wohl nicht mehr geben. Die Zukunft der Sportversionen mit Verbrennungsmotor ist ohnehin fraglich.

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