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"Das ist nicht das Ende": So macht Sarah Bora Missbrauchsopfern Mut

"Habe versucht, mit der Situation umzugehen, damit ich überlebe": Im SAT.1-Dokuevent "Endlich frei!" kommen drei Frauen zu Wort, die häusliche Gewalt überlebt haben. Eine von ihnen ist Sarah Bora. (Bild: SAT.1 / Willi Weber)
"Habe versucht, mit der Situation umzugehen, damit ich überlebe": Im SAT.1-Dokuevent "Endlich frei!" kommen drei Frauen zu Wort, die häusliche Gewalt überlebt haben. Eine von ihnen ist Sarah Bora. (Bild: SAT.1 / Willi Weber)

Am Vorabend des Weltfrauentags zeigt SAT.1 ein beeindruckendes Doku-Event zur besten Sendezeit: Unter dem Titel "Endlich frei!" erzählen drei mutige Frauen ihre Geschichten von Gewalt und Missbrauch. Darunter auch Model und Sängerin Sarah Bora.

Die Anzahl der Menschen, die Opfer von Gewalt in Partnerschaften wurden, ist in den vergangenen fünf Jahren um 3,4 Prozent gestiegen. 2021 waren 80,3 Prozent der Opfer weiblich, von den Verdächtigen waren 78,8 Prozent männlich. So hat es das Bundesministerium des Innern im November 2022 mitgeteilt. Die Zahlen stammen aus der "Kriminalistischen Auswertung Partnerschaftsgewalt 2021". Demnach handelt es sich bei knapp 60 Prozent der Delikte um "einfache" Körperverletzung, 2021 wurden 369 Menschen Opfer von Totschlag - in der Partnerschaft.

Keine Frage: Es muss noch einiges unternommen werden, um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Lisa Paus (Grüne), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, weiß: "Realität ist auch, dass viele Gewaltopfer Angst haben, sich Hilfe zu holen." Dessen sind sich auch drei Frauen bewusst, die nun einen mutigen Schritt gewagt haben: Sie erzählen ihre Geschichte im Fernsehen. Unter dem Titel "Endlich frei!", von SAT.1 als "Doku-Event" angekündigt, wollen sie zeigen, welches Schicksal sie erlebt haben und wie sie sich aus gewalttätigen Beziehungen - und sogar auch toxischen Familienverhältnissen - befreien konnten.

Ursprünglich war es geplant, "das SAT.1-Event zum Weltfrauentag" am Dienstag, 7. März, 22.15 Uhr, also spät am Abend auszustrahlen. Laut SAT.1-Chefredakteurin Juliane Eßling sei das Feedback bei einem "Family & Friends-Screening" "so intensiv und berührend" gewesen, dass der Sender beschlossen hat, die Filme in der Prime Time zu zeigen. "Wir müssen alles tun, damit viele Frauen Mut durch diese Doku bekommen", befindet Eßling.

Krista Tcherneva (Bild) verkörpert in einem der Beiträge  Sarah Bora. Sie wurde in jungen Jahren von ihrem Exfreund misshandelt und geschlagen. (Bild: SAT.1)
Krista Tcherneva (Bild) verkörpert in einem der Beiträge Sarah Bora. Sie wurde in jungen Jahren von ihrem Exfreund misshandelt und geschlagen. (Bild: SAT.1)

"Wer aus einer solchen Beziehung ausbricht, hat unfassbaren Mut!"

Natürlich sprechen die drei Protagonistinnen am Ausstrahlungstag mit Marlene Lufen auch über ihr neues Leben. Die Moderatorin weiß, die Frauen haben "in ihren Beziehungen Angst um ihr Leben gehabt". Marlene Lufen: "Wer aus einer solchen Beziehung ausbricht, hat vor allem unfassbaren Mut! Diese Frauen verfilmen ihre eigene Geschichte und dokumentieren ihren Neuanfang." Es habe sie "umgehauen", das zu sehen. Gleichzeitig würde der SAT.1-Beitrag "anderen Mut" machen, "denn er zeigt, dass man aus der Gewaltspirale entkommen kann".

Eine der Frauen, die den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt haben, ist Sarah Bora. "Ich bin morgens mit dem Gedanken 'Hoffentlich mache ich heute nichts falsch' aufgewacht und abends mit dem Gedanken 'Ich habe alles falsch gemacht' eingeschlafen", erinnert sich die Ehefrau des Rappers Eko Fresh im Film. Sie sei damals sehr jung und der Expartner, im Film "Tobi" genannt, ihre "erste große Liebe" gewesen. Eigentlich eine normale Teenager-Beziehung. Bis mit seiner Eifersucht alles anfing.

Nach zwei Jahren setzte es dann die erste "Backpfeife". "Das fand tatsächlich noch in seinem Kinderzimmer statt", erinnert sich Bora, die in den Filmszenen von der Schauspielerin Krista Tcherneva verkörpert wird. Die Story geht so, wie es wohl viele Frauen aus eigenem Erleben kennen: Tobi wollte Sarah besitzen und kontrollieren. Für sein Verhalten hat er ihr die Schuld gegeben, weil sie ihn "dazu getrieben" haben soll. Die Warnsignale habe das Mädchen nach eigenem Bekunden damals "nicht erkannt".

Laut der "Kriminalistischen Auswertung Partnerschaftsgewalt 2021" ist die Anzahl der Opfer häuslicher Gewalt in den letzten fünf Jahren um 3,4 Prozent gestiegen. (Bild: lofilolo/lolostock)
Laut der "Kriminalistischen Auswertung Partnerschaftsgewalt 2021" ist die Anzahl der Opfer häuslicher Gewalt in den letzten fünf Jahren um 3,4 Prozent gestiegen. (Bild: lofilolo/lolostock)

Nie endender Wahn

Als das Paar in seine erste gemeinsame Wohnung zog, wurde die Situation noch schlimmer - obwohl es auch schöne Momente gab. Sie dachte, er würde sich ändern, aber: "Je näher ich mit ihm gelebt habe, desto einfacher ist es für ihn gewesen mich zu kontrollieren." Mit der Zeit sei sein Wahn immer größer geworden. Freunde waren tabu, bestimmte Kleidung durfte sie nicht anziehen, Familienbesuche gab es nur für einen bestimmten Zeitraum. Wenn sie ohne ihn unterwegs war, musste sie ein Bild von ihrem Standort schicken. Auf dem Weg zu einer Party schlug Tobi eines Tages so fest zu, dass Sarahs Nase blutete. Solche Menschen - erklärt Bora im Film - würden ganz genau wissen, wie sie misshandeln, manipulieren und schlagen.

Und was hat sie getan? - "Ich habe versucht, mit der Situation umzugehen, damit ich überlebe", erklärt die Künstlerin, die ihre Gewalterfahrung vor einigen Jahren in dem Song "Kämpferin" verarbeitet hat. Erst als sie sich einer Freundin anvertraute, hatte sie "den Mut, zu gehen". Aber Tobi ließ ihr keine Ruhe. Was Sarah noch alles durchstehen musste und durch welches Martyrium die beiden anderen Frauen gegangen sind, ist am Dienstagabend in dem SAT.1-Film zu sehen.

Sarah Bora, die von Krista Tcherneva (Bild) gespielt wird, habe damals die Warnsignale nicht gesehen. (Bild: SAT.1 / Luis Engels / Kollektiv Zwo)
Sarah Bora, die von Krista Tcherneva (Bild) gespielt wird, habe damals die Warnsignale nicht gesehen. (Bild: SAT.1 / Luis Engels / Kollektiv Zwo)

"Du musst nicht akzeptieren, dass es das Ende ist"

"Heute habe ich vor nichts mehr Angst", erklärt die Protagonistin. "Ich bin auf mich selbst stolz, darauf dass ich - obwohl er mich so kleingehalten und gedemütigt hat - das geschafft habe." Bora: "Wir sind nicht so klein. Wir sind stark. Wir müssen nur den Punkt finden, an dem wir diese Stärke annehmen." Was sie den Frauen noch sagen will: "Da ist jemand, der dir helfen kann, und das ist nicht das Ende. Du musst nicht akzeptieren, dass es das Ende ist." Alleine Boras Geschichte zeigt, dass das Thema Missbrauch uns alle etwas angeht - selbst, wenn wir nicht betroffen sind.

Es gibt Anlaufstellen - wie beispielsweise das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen". Unter der Nummer 0800 116 016 können rund um die Uhr Beraterinnen kontaktiert werden. Mittlerweile ist die Beratung in 18 Sprachen möglich. Auch Angehörige und Freunde der Betroffenen können sich an diese Nummer wenden. Auf Wunsch können die Hilfesuchenden einen Kontakt zu Beratungsstellen und Hilfsorganisationen bekommen.

Modiert wird das SAT.1-Dokuevent von Marlene Lufen. "Wer aus einer solchen Beziehung ausbricht, hat vor allem unfassbaren Mut! Diese Frauen verfilmen ihre eigene Geschichte und dokumentieren ihren Neuanfang", erklärt sie. (Bild: 2019 Getty Images/Andreas Rentz)
Modiert wird das SAT.1-Dokuevent von Marlene Lufen. "Wer aus einer solchen Beziehung ausbricht, hat vor allem unfassbaren Mut! Diese Frauen verfilmen ihre eigene Geschichte und dokumentieren ihren Neuanfang", erklärt sie. (Bild: 2019 Getty Images/Andreas Rentz)