Das Ende rückt näher: Der FC Bayern demontiert schwachen HSV

Wehmut kam nicht auf. Beinahe 53 Jahre haben der FC Bayern München und der Hamburger SV jetzt gemeinsam in der Bundesliga verbracht, sie hatten bis zu diesem Samstag 105 Mal gegeneinander gespielt - das 106. Aufeinandertreffen dürfte allem Anschein nach das vorerst letzte gewesen sein. "Zweite Liga, Hamburg ist dabei", sangen die Anhänger des bald 28-maligen deutschen Fußball-Meisters - und es gehört nicht allzu viel Fantasie dazu, sich das vorzustellen.

Der Hamburger SV war erbärmlich schlecht, wie zuletzt eigentlich immer in München. 0:6 (0:3) hieß es diesmal gegen den Rivalen aus vergangenen Tagen, und hätten die Münchner nicht "so ab der 30. Minute ein bisschen Larifari gespielt", wie Mats Hummels zugab, es wäre zweistellig geworden. Zumal ja Robert Lewandowski, Torschütze in der 12., 19. und 90. Minute (Foulelfmeter), den ersten von zwei Strafstößen für die Münchner (86.) über das Tor des bedauernswerten Christian Mathenia schoss.

Der Trainer und der Kapitän des Hamburger SV schwankten zwischen Verärgerung und Entsetzen über den neuerlichen Beweis für die Behauptung, dass der einst so stolze Klub demnächst und nun tatsächlich erstmals aus der Bundesliga absteigen wird. "Das ist nicht die Art Fußball, wie ich sie mir vorstelle", sagte der erkennbar zornige Bernd Hollerbach. Kapitän Gotoku Sakai, der den Tränen nahe schien, ergänzte, "dass wir alle gepennt haben", das sei "unmännlich" gewesen.

Hamburger Niederlagenserie in München

Nun gehört es mittlerweile fast zur Spielordnung der Bundesliga, dass man in München verliert. Erst recht, wenn man der Hamburger SV ist. Mit 0:8, 0:5, 0:8, 1:3, 2:9, 0:5 und 0:6 unterlagen die Hanseaten in den vergangenen sieben Jahren. "Man kann in München verlieren", sagte deshalb Aaron Hunt, "aber so geht es natürlich nicht." Was ihn ehrte: Er wollte die Entlassung von Vorstand Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt nicht als Ausrede gelten lassen. Das "sollte kein Alibi sein".

Trainer Hollerbach sah das ein wenig anders. Seine Spieler, die seien ja "auch nur Menschen", sagte er, selbst sein Kollege Jupp Heynckes nahm die Hamburger in Schutz. Der FC Bayern habe gegen "eine verunsicherte Mannschaft" gespielt, die mit dem Druck "von innen und außen" fertig werden müsse, "da kann man nicht befreit aufspielen". Man muss sich allerdings auch nicht so stümperhaft anstellen wie bei den ersten drei Treffern in 18 Minuten durch Franck Ribery (8.) und Lewandowski.

Heynckes, der nach einem Durchhänger seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit auch noch die Treffer von Arjen Robben (55.) und erneut Ribery (81.) bestaunen durfte, wollte das Ergebnis "nicht überbewerten" - ein berechtigter Einwand. Derweil gaben sich die Hamburger größte Mühe, nicht wie ein Absteiger zu klingen, sondern nur wie ein Abstiegskandidat. "Gegen Hertha", sagte Kyriakos Papadopoulos, "haben wir unsere letzte Chance, das ist ein Finale für uns."

Hollerbach: "Situation ist brutal, aber wir schauen nach vorne"

Christian Mathenia Gideon Jung 10032018

Wenn die Körpersprache den wahren Gemütszustand verrät, dann glauben sie beim Hamburger SV aber selbst nicht mehr daran, das schier Unmögliche noch möglich machen zu können. Lieber wetterte Papadopoulos gegen die Verantwortlichen. Er beschwerte sich etwa darüber, "dass jede Mannschaft in der Winterpause neue Spieler bekommen hat, nur wir nicht". Und die Unruhe im Verein wirke sich natürlich auf die Leistung der Mannschaft aus: "Wir wissen nicht, wie es weitergeht, wir wissen gar nichts."

Sollte irgendjemand Papadopoulos fragen, ob es mit Hollerbach weitergehen soll, wird er antworten: "Es ist nicht die Schuld von Bernd Hollerbach." Hollerbach selbst glaubt, noch sei nicht alles verloren. Die Situation sei "brutal", aber: "Ich schaue nach vorne." Was ihm Hoffnung macht: "Wir haben jetzt wieder Gegner, die auf Augenhöhe sind." Neulich gegen Mainz hat das aber auch nicht gereicht.