Ende des Leihfahrräder-Booms?

Schlüssel zu einer modernen städtischen Verkehrspolitik oder Plage einer rücksichtslosen Branche? Leihfahrräder lösen in Deutschland Diskussionen aus. In München zieht Anbieter oBike nun 6000 Fahrräder zurück.

Das Gute an den Fahrrädern von oBike: Sie waren überall, jederzeit verfügbar. Das Schlechte an den Fahrrädern von oBike: Sie waren überall, nur nicht da wo man sie gebrauchen konnte - in Büschen, Bäumen oder im Fluss. Binnen weniger Monate ist so aus dem mobilen Angebot des Unternehmens in München ein Ärgernis für viele Bewohner der bayerischen Landeshauptstadt geworden.

Nun zieht das Unternehmen die Reißleine und sammelt 6000 von zusammen 6800 Fahrrädern in München ein. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte der Süddeutschen Zeitung, "wirtschaftliche Faktoren" würden dahinter stehen.

Die Deutschen fremdeln mit dem Angebot, das in Städten wie Paris zum Alltag gehört. Einer Umfrage aus dem Januar 2017 zufolge nutzten gerade mal sechs Prozent der Befragten überhaupt mehr als ein einmal im Monat ein Leihfahrrad. Und dann am liebsten bei gutem Wetter. Ansonsten gehören die Ansammlungen von Mieträdern an strategisch mehr oder minder günstigen Punkten zum Stadtbild.



Bei oBike kam zu Beginn des Auftritts auf dem deutschen Markt eine Kaution auf den Nutzer zu, die verhindern sollte, dass die Mieter allzu achtlos mit den Gefährten umgehen. Die aber wenig nützt, wenn Nicht-Kunden die Fahrräder zerstören. Schwierig zudem: oBike setzt auf ein schweres Fahrrad, das den Nutzer mangels eines ernstzunehmenden Schutzbleches bei Nutzung bei Nässe beschmutzt. Verkehrssicher sind sie zudem auch nicht immer.

Die Branche, getrieben von asiatischen Unternehmen, neben hiesigen Verkehrsbetrieben ist für den Nutzer oftmals zu unübersichtlich. Wer sich in verschiedenen Städten mit Leihfahrrädern bewegen möchte, benötigt eine Reihe von Apps auf seinem Smartphone, denn während oBike in München anbietet, ist Byke zum Beispiel in Duisburg, aber nicht Düsseldorf. Allein der Verbund nextbike schafft eine Abdeckung in 50 deutschen Städten.



Und setzt dabei ebenso wie die Kooperation der Deutschen Bahn und dem Autohersteller Ford auf ein stationsbasiertes System. Heißt: Das Rad darf nicht, im Gegensatz zu oBike, einfach irgendwo abgestellt werden, sondern muss zu einer Stationen gebracht werden - die auch schon mal eine Bahnstation weit vom eigentlichen Ziel entfernt sein kann. Die Geschäftsgebiete umfassen in der Regel zudem nicht die ganze Stadt - sondern lediglich einen Kern.

Für die Branche ist der Rückzug von oBike deswegen kein gutes Signal. Immerhin: München hat nun ein Problem im Stadtbild weniger - vergammelnde Leihräder. Sie sollen an andere Standorte verteilt werden. In China, wo sich zahlreiche Anbieter um den mietwillige Radler bemühen, wäre die nächste Station vielleicht der eigens eingerichtete Schrottplatz.