Ende einer Legende: Warum VW-Chef Herbert Diess keine Tapas-Bar in München mehr betreibt

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VW-Chef Herbert Diess.
VW-Chef Herbert Diess.

Dies sollte eigentlich ein köstlicher Artikel über eine Tapas-Bar werden. Doch nicht nur irgendeine, sondern eine mit einem prominenten Inhaber. Es geht um das „Itxaso“ im hippen Glockenbachviertel in München. Neben dem Namen, der für nicht-Baskisch-sprechende Menschen schwer auszusprechen ist, ist die Geschichte hinter der Bar ein beliebter Funfact in der Autoszene. Denn die Bar soll der Legende nach von keinem geringeren als VW-Chef Herbert Diess und seiner Familie betrieben werden.

Nachzulesen ist das in diversen Zeitungsberichten. Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) schrieb 2012 einige Monate nach der Eröffnung im April über das Restaurant, es sei „das vielleicht spanischste Tapas-Lokal in München“. Abgesehen vom komplizierten Namen habe die betreibende Familie „eigentlich alles richtig gemacht“. Der Name der Betreiberfamilie laut "SZ": Diess. Das „Handelsblatt“ schrieb Ende 2018, das Restaurant sei „eine Reminiszenz an frühere Jahre in der nordspanischen Region Kantabrien“, wo Diess Anfang der Neunziger für Bosch tätig war. Diess stoße im „Itxaso“ auch gerne mal auf Erfolge an. Und in der „Abendzeitung“, die auch den Namen des Lokals erklärt – "Itxaso, das ist ein baskischer Mädchenname und bedeutet Meer" – wird der Promi-Wirt Diess 2012 mit den Worten zitiert: „Richtige nordspanische Küche gibt es nicht in München, das wollen wir ändern“. Er sei extra mit Sohn Andreas nach Bilbao geflogen, um Koch Juan nach München zu bringen.

Eine schöne Anekdote, fand auch ich, und plante einen kulinarischen Besuch bei Diess. Zuvor wollte ich sicher gehen, dass die Bar immer noch vom VW-Chef betrieben wird und machte eine überraschende Entdeckung: Die Bar ist mittlerweile verpachtet, an einen anderen Betreiber.

Tatsächlich hatte Diess das bereits im Mai dieses Jahres beiläufig in einem Podcast des „Handelsblatts“ erzählt. Im Podcast wird er gefragt, wie es eigentlich zu der Tapas-Bar gekommen sei. Diess antwortete, das sei eine lange Geschichte, die man hier, so glaube er, nicht ausrollen sollte. Der Topmanager sagte, er besitze die Bar nicht, sie sei verpachtet. Er fügte aber hinzu, sie hätten sie „ein paar Monate“ betrieben. Die Bar sei ein „Anziehungspunkt“ für Spanier, die in München lebten.

Eine mögliche Erklärung, warum Diess nicht mehr so gerne ausführlich über die Bar berichtete, liefert ein Blick in die Jahresabschlüsse der „Itxaso Tapas GmbH“. Dieser zeigt, dass das Unternehmen, als dessen Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter Diess' Sohn eingetragen war, von 2016 bis 2019 stets rote Zahlen schrieb. So stand am Ende des Geschäftsjahres 2016 ein Minus von 65.396 Euro in den Büchern. 2017 bilanzierte das Unternehmen einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 51.693 Euro und 2018 in Höhe von 75.024 Euro. Im Anfang dieses Jahres veröffentlichten Jahresabschluss der „Itxaso Tapas GmbH“ zum Geschäftsjahr 2019 heißt es, dass im Rahmen der Abschlusserstellung „trotz der vorhandenen bilanziellen Überschuldung der Gesellschaft von einer Fortführung des Unternehmens (going concern) bei der Bewertung der Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten ausgegangen worden“ sei. Die Geschäftsleitung sei „hierzu informiert und ausdrücklich auf die mögliche Verpflichtung zur Stellung eines Insolvenzantrags hingewiesen“ worden.

Natürlich wollte ich gerne von Diess selber wissen, was es mit der Bar auf sich hatte. Auf unsere Anfrage teilte eine VW-Sprecherin mit, „dass wir uns zum Privatleben von Herrn Diess nicht weiter äußern“.

Für mich – und euch – bedeutet das, dass wir leider keine Tapas aus Herbert Diess ureigener Bar testen konnten. Und es bedeutet das Ende der Legende um die Tapas-Bar des VW-Chefs. Immerhin: Es gibt die Bar noch. Auf Trip Advisor wurde sie mit 3,5 der möglichen fünf Sterne bewertet. Vielleicht lohnt sich ein Besuch ja dennoch, auch wenn Promi-Wirt doch nur ein Mythos war.

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