Emmy-Nominierungen 2018: Die größten Überraschungen und Enttäuschungen

In den vergangenen Jahren waren tolle Quoten in der Regel das Ticket zu vielen Emmy-Nominierungen, doch 2018 erweist sich als Jahr, in denen die Jury sowohl Blockbuster wie Game of Thrones als auch Kritiker-Lieblinge wie Killing Eve berücksichtigt. Der Vollständigkeit halber sollte man hinzufügen, dass Letztere davon profitiert haben, dass regelmäßige Award-Anwärter wie Better Call SaulHouse of Cards und Master of None dieses Jahr nicht zum Voting zugelassen wurden. Ihre Abwesenheit bedeutet, dass wir dieses Jahr in punkto Nominierungen eine Reihe angenehmer Überraschungen erleben durften. So schafften es einige bis dato kaum beachtete Darstellerinnen wie Issa Rae und Jesse Plemons ins Rampenlicht. Andererseits wurden einige Serien und Darstellerinnen, die sich eigentlich eine Nominierung verdient hätten, vollkommen ignoriert – und einige Vorkommnisse aus dem echten Leben führten dazu, dass große Namen absichtlich mit Missachtung bestraft wurden. Hier ist eine Zusammenfassung der größten Emmy-Überraschungen und Enttäuschungen.

Enttäuschungen

Roseanne (Beste Comedyserie)

ABC setzte Roseanne im Mai ab, nachdem einige rassistische Tweets von Roseanne Barr durch die Medien gingen. (Bild: ABC) 

Hätte die Emmy-Jury die Stimmzettel im März, direkt nach dem Rekordstart von Roseanne, ausgefüllt, wäre Game of Thrones dieses Jahr vermutlich nicht die am häufigsten nominierte Serie. Doch Roseanne Barrs Tweets torpedierten die Emmy-Chancen der Serie – und die Serie selbst. Eine Frau ging allerdings unbeschadet aus dem RoseanneFiasko hervor: Laurie Metcalf, deren Beliebtheit in der Branche – und ihre jüngste Oscar-Nominierung für Lady Bird — ihr zur verdienten Nominierung als beste Nebendarstellerin verhalf.

Jeffrey Tambor (Bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie, Transparent; Bester Nebendarsteller in einer Comedyserie, Arrested Development)

Egal ob Louis C.K. oder James Franco – die Emmy-Jury sorgte dafür, dass jene Männer, deren Fehltritte durch #MeToo aufgedeckt wurden, nicht nominiert wurden. Das war gewiss auch ein Grund dafür, dass Jeffrey Tambor für Rollen, für die er in der Vergangenheit gefeiert wurde, dieses Jahr weder in der Kategorie „bester Hauptdarsteller“ noch in der Kategorie „bester Nebendarsteller“ beachtet wurde. Amazon weigerte sich als Konsequenz von seinem Benehmen am Set und seinem damit verbundenen Abgang von der Serie sogar, den Schauspieler für seine Rolle in Transparent — wofür er dreimal nominiert und zweimal ausgezeichnet wurde— in Betracht ziehen zu lassen. Netflix schickte ihn zwar für eine Nebenrolle in Arrested Development ins Rennen, sein Verhalten gegenüber Co-Star Jessica Walter überschattete die Serie allerdings sehr schnell.

Modern Family (Beste Comedyserie)

Zum ersten Mal seit dem Start im Jahr 2009 schaffte es ABC’s Modern Family mit Staffel neun nicht, in der Kategorie „Beste Comedyserie“ oder für eine Schauspielleistung nominiert zu werden. (Bild: ABC)

Je größer sie sind, desto schmerzhafter ist der Fall. Zum ersten Mal in seiner neun Staffeln langen Geschichte schaffte es Modern Family nicht, in der Kategorie „Beste Comedyserie“ nominiert zu werden und auch die Darsteller gingen leer aus. Doch jetzt, wo die Serie ein Underdog ist, würde es nicht überraschen, wenn sie mit der zehnten – und finalen – Staffel ein Comeback hinlegt.

Kristen Bell (Outstanding Lead Actress in a Comedy, The Good Place)

Ted Danson und Kristen Bell in The Good Place. (Bild: NBC)

Verstehen Sie uns nicht falsch: Wir sind absolut begeistert davon, dass Ted Danson für die himmlische NBC-Komödie als „Bester Hauptdarsteller“ nominiert ist. Doch Hauptdarstellerin Kristen Bell ist ebenso entscheidend am Erfolg von The Good Place beteiligt, besonders in Staffel zwei, wo sie mehrere Versionen ihrer selbst spielen musste. Wenn die Emmys sie nächstes Jahr wieder ignorieren, wird sie sich weniger gut fühlen.

Kyle MacLachlan (Beste Hauptrolle in einer Miniserie oder einem FernsehfilmTwin Peaks: The Return)

Die verspätete Rückkehr von David Lynchs und Mark Frosts bahnbrechender Serie wurde nicht gerade ignoriert – immerhin erhielt Twin Peaks  13 Nominierungen in technischen Kategorien –, aber wir heulen in unseren Kaffee und unseren Kirschkuchen, weil Kyle MacLachlan nicht als „Bester Hautdarsteller“ berücksichtigt wurde, obwohl er virtuos drei Versionen desselben Mannes spielte: Agent Cooper, Bad Coop und den unsterblichen Dougie Jones. Er erzählte uns, wie sehr diese Erfahrung ihn als Schauspieler geprägt hat – und es ist ein Jammer, dass sie auf die Jury nicht denselben Effekt hatte.

Alison Brie (Beste Hauptdarstellerin in einer ComedyserieGLOW)

Betty Gilpin und Alison Brie in GLOW. (Bild: Netflix)

Die wundervolle Wrestling-Komödie von Netflix rang der Jury zehn Nominierungen ab, etwa in der Kategorie „Beste Comedyserie“ und „Beste Nebendarstellerin“ für Betty Gilpin, die der Television Academy dafür dankte, eine Serie zu berücksichtigen, „in der alle Frauen die schrägste, lauteste, mutigste Version ihrer selbst sein dürfen“. Angesichts der positiven Stimmen für GLOW waren wir ehrlich schockiert, dass der schräge, laute und mutige Star der Serie – Alison Brie – nicht als „Beste Hauptdarstellerin“ nominiert wurde. Für diesen Fauxpas sollte definitiv jemand in den Schwitzkasten genommen werden.

Will & Grace (Beste Comedyserie)

In den 90ern war Will & Grace mit seinen vier Darstellern ein Fix-Anwärter für die Emmys. Das gilt allerdings nicht für die aktuelle Neuauflage. Zwar wurde Megan Mullally als „Beste Nebendarstellerin“ nominiert, doch der Rest des Quartetts ging leer aus. Die Serie wurde auch nicht in der Kategorie „Beste Comedyserie“ berücksichtigt. Aber hey, immerhin können die Macher der Serie, Max Mutchnick und David Kohan, am Emmy-Abend ein tolles Trinkspiel spielen!

Überraschungen

Jesse Plemons (Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie oder TV-SpielfilmBlack Mirror: „USS Callister”)

Jesse Plemons in Black Mirror. (Bild: Netflix via AP)

Die erste Episode der vierten Staffel von Black Mirror ist eine als Star Trek-Parodie getarnte Abhandlung über giftige Fanboys und Internet-Misogynie. Friday Night LightsPublikumsliebling Jesse Plemons ist nicht unbedingt der Erste, der uns einfällt, wenn wir an Raumschiffkapitäne à la Captain Kirk denken – aber gerade das macht ihn perfekt für die Rolle. Die Jury sah das ebenso und belohnte den Schauspieler mit seiner allerersten Emmy-Nominierung. Mit „Clear Eyes and Full Hearts“ kann er eigentlich gar nicht verlieren.

Larry David (Bester Hauptdarsteller in einer ComedyserieLass es, Larry!)

Larry David wartete lange, bevor er mit seiner berühmten Serie zu HBO zurückkehrte und die landläufige Meinung ist, dass er es vermutlich lassen hätte sollen. Obwohl Lass es, Larry! nicht unbedingt gut aufgenommen wurde, erhielten der Schauspieler und seine Serie dennoch einige Nominierungen – genau wie Lin-Manuel Miranda für seine zwei Episoden dauernde Gastrolle. Okay, mit dieser Nominierung sind wir total einverstanden.

Issa Rae (Beste Hauptdarstellerin in einer ComedyserieInsecure)

Issa Rae in Insecure. (Bild: HBO via AP)

2017 übersah die Emmy-Jury Issa Rae und ihre sensationelle Serie, aber glücklicherweise machen sie es dieses Jahr wieder gut. Der Insecure-Star ist damit erst die siebente afro-amerikanische Frau in der Geschichte der Emmys, die in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie“ nominiert wurde. Die sechste Frau ist die dreifach nominierte Black-ish-Darstellerin Tracee Ellis Ross.

Godless (Beste Miniserie)

Wie erwartet, werden The Crown und Stranger Things mit ihren 13 bzw. zwölf Nominierungen für Netflix große Emmy-Magnete. Doch auch Godless, die Western-Serie des Streaming-Dienstes, machte mächtig Eindruck bei der Jury und holte sich zwölf Nominierungen in den Miniserien-Kategorien, unter anderem für die „Beste Regie“, die „Beste Kameraführung“ (die Landschaftsaufnahmen sind wirklich eindrucksvoll) und für die „Beste Hauptdarstellerin“Michelle Dockery. Yee-haw!

John Legend (Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie oder TV-SpielfilmJesus Christ Superstar)

John Legend könnte mit Jesus Christ Superstar ein EGOT gelingen. (Bild: NBC)

Grammy, Oscar und Tony hat er bereits – jetzt fehlt John Legend nur noch ein Emmy für den EGOT-Status. Die Emmy-Jury will ihm diese Chance nicht verwehren und belohnte die allererste Hauptrolle des mehrfach mit Platin ausgezeichneten Künstlers mit einer Nominierung. Wenn man bedenkt, dass er gegen Leute wie Darren Criss und Jeff Daniels antritt, braucht es ein Wunder für seinen Sieg – aber so oder so: für uns ist er bereits ein Superstar.

Barry (Beste Comedyserie)

Obwohl die Serie erst eine Staffel jung ist, ist die Emmy-Jury bereits verrückt danach. Bill Haders HBO-Serie schnappte sich 13 Nominierungen und ist damit die am meisten nominierte Serie des Senders. Barry tritt nicht nur neben Atlanta und GLOW in der Kategorie „Beste Comedyserie“, „Bestes Drehbuch“ und „Beste Regie“ an; Hader erhielt eine Nominierung in der Kategorie „Beste Hauptrolle“ und Co-Star Henry Winkler wurde mit einer Nominierung als „Bester Nebendarsteller“ bedacht.

Pamela Adlon (Beste Hauptdarstellerin in einer ComedyserieBetter Things)

Pamela Adlon in Better Things. (Bild: Liane Hentscher/FX via AP)

Fans von Pamela Adlons wahnwitzigen FX-Serien können erleichtert aufatmen, dass der öffentliche Skandal rund um Co-Creator Louis C.K. nicht auf die Schauspielerin abgefärbt hat. „Ich bin total aus dem Häuschen und so glücklich“, sagte Adlon in einem emotionalen Statement. „Eine solche Anerkennung von meinen Peers für mein Lebenswerk und für meine Serie Better Things. Ich bin überaus dankbar. Vielen Dank.”

Kenan Thompson (Bester Nebendarsteller in einer ComedyserieSaturday Night Live)

Es hat nur 15 Staffeln gedauert, doch endlich wird Kenan Thompson als der „Nationale Schatz“ gefeiert, der er ist. Es war eine mehr als angenehme Überraschung, als bekannt wurde, dass der SNL-Veteran sich in der Kategorie „Beste Nebenrolle“ zu Kate McKinnon, Leslie Jones, Aidy Bryant und Alec Baldwin gesellt. Wollen wir hoffen, dass er diesen Sketch für den „For Your Consideration“-Clip eingereicht hatte.

Fuller House (Beste Kindersendung)

Eine Szene aus Fuller House. (Bild: Netflix)

Wenn Sie bei der Premiere von Fuller House prophezeit hätten, dass die Serie einmal eine Emmy-Nominierung erhält, hätten wir Sie ausgelacht. Doch drei Staffeln später ist die Serien-Fortsetzung des 80er-Lieblings — der in seinen ganzen acht Staffeln keine einzige Emmy-Nominierung erhielt – für die beste Kindersendung nominiert. „Im Namen der Darsteller, der Crew und der Mitarbeiter von Fuller House möchte ich sagen, dass wir uns durch die heutige Emmy-Nominierung mehr als geehrt fühlen und uns unheimlich freuen“, so Executive Producer Bryan Behar in einem Statement. „Für viele Mitglieder unseres Teams ist es ein Traum, an dem 30 Jahre gearbeitet wurde.“

Ethan Alter