Emma Thompson fordert von London mehr Einsatz für im Iran inhaftierte Britin

Nazanin Zaghari-Ratcliffe mit ihrer Tochter

Die britische Schauspielerin Emma Thompson hat ihre Regierung aufgefordert, sich stärker für die Freilassung der seit April 2016 im Iran inhaftierten Britin Nazanin Zaghari-Ratcliffe einzusetzen. Außenminister Boris Johnson müsse in ein Flugzeug nach Iran steigen und das "Problem behandeln, das er selbst so ernstlich verschlimmert hat", sagte die Oscar-Preisträgerin am Samstag auf einer kleinen Kundgebung in London, an der auch Zaghari-Ratcliffes Mann Richard Ratcliffe teilnahm.

Zaghari-Ratcliffe, die neben der britischen auch die iranische Staatsbürgerschaft besitzt, war Anfang April 2016 am Flughafen Teheran festgenommen worden, als sie mit ihrer damals zweijährigen Tochter Gabriella nach einem Besuch bei ihrer Familie gerade nach Großbritannien zurückkehren wollte. Sie wurde zunächst wegen Verwicklung in die Protestbewegung 2009 zu fünf Jahren Haft verurteilt, am 10. Dezember muss sie sich nun auch noch wegen "Propaganda gegen die Regierung" vor Gericht verantworten.

Kritiker werfen Johnson vor, die Lage der jungen Frau erheblich verschlimmert zu haben, als er bei einer Ausschusssitzung im Parlament behauptet hatte, Zaghari-Ratcliffe habe während ihres Aufenthalts im Iran Journalisten unterrichtet - eine Behauptung, die ihr Mann und ihr Arbeitgeber, die Thomson Reuters Foundation, vehement zurückweisen.

Inzwischen nahm Johnson seine Bemerkung wieder zurück und entschuldigte sich bei der Familie. Er plant, noch in den kommenden Wochen nach Teheran zu reisen und dabei auch das Schicksal der Inhaftierten anzusprechen.

Zaghari-Ratcliffes Tochter wurde im April von ihrer Mutter getrennt, ihr britischer Pass wurde eingezogen. Die inzwischen Dreijährige lebt seitdem bei ihren Großeltern im Iran.